adical — Aus gegebenem Anlaß

Nicht erst seit gestern ist Online-Schleichwerbung verboten.

Hier ist der Hyperlink, der auf die Werbeseite führt, genau so gestaltet, wie die Hinweise, die zu redaktionell gestalteten Seiten führen. Das Erscheinungsbild und die Platzierung sind identisch. Es kann daher selbst bei einer großzügigen Betrachtung nicht mehr davon ausgegangen werden, dass dem Nutzer ein klar erkennbarer Hinweis auf den werbenden Inhalt der Seite erteilt wird, auf die er weitergeleitet wird. (…)

Der Anzeigen-Hinweis auf der zweiten Seite, auf die man nach Betätigung des Links gelangt, «entschleiert» hier den Werbecharakter nicht in ausreichendem Maße.

Das stellte schon das LG Berlin fest — und auch Ihr habt beim BILDblog den Kopf geschüttelt, wenn BILD mal wieder dagegen verstoßen hat.

Dr. Martin Bahr interpretiert das neue Telemediengesetz:

Des weiteren ist jede Form von Schleichwerbung verboten. Redaktioneller Inhalt und Werbung sind somit zu trennen. Ebenso zu trennen sind Inhalt einer Reportage und der dazugehörige Kommentar. Bei Meinungsumfragen muss zudem angegeben werden, ob sie repräsentativ sind oder nicht.

Ein kleines Bespiel: Nehmen wir mal an, Ihr macht Werbung für eine Digitalkamera. Soll es ja geben. Ihr schreibt auf Eurem Blog einen Artikel und dann führt ein Link zu einem bezahlten Blog des Unternehmens. So rein hypothetisch jetzt. Was meint Ihr wohl, wie man den Artikel und das Blog kennzeichnen muss? Nur so als Tipp mal ein Link zum BILDblog. Wasser predigen, Wein saufen oder wie war das noch? Oder läuft das alles anders, weil die BILD ja die pöhsen sind und die Blogger die guten? Vielleicht erklärt es mir jemand. Ich verstehe es weiß Gott nicht mehr. Ihr wollt Euch doch professionalisieren, oder nicht?

Hm…

Ich wurde von adical ausgewählt, eine Woche lang die neue XXX zu testen. Das heisst: Mit meinen Mitstreitern Unmengen von Fotos schießen und auf einem Blog veröffentlichen.

Na dann…

Blogger dokumentieren eine Woche lang ihren Tag mit der XXX. Die besten Fotos werden direkt auf den XXX-Bannern eingebunden. In dieser Galerie finden sie alle Fotos.

Wenn Ihr wirklich der Meinung seid — und Euch auch abgesichert habt — diese Sprüche reichen aus:

Redaktioneller Inhalt und Werbung sind somit zu trennen.

Dann will ich nichts gesagt haben und entschuldige mich . Solltet Ihr aber die Kennzeichnung vergessen haben, fügt sie einfach ein. Sicher ist sicher — und wenn es nur ein Disclosure ist . 😉

Ich sehe gerade:

Da der betreffende Job in diesem Fall daraus besteht, Fotos für ein klar als Teil einer Kampagne gekennzeichnetes Blog zu machen, halte ich Ankes Kritik für übertrieben. […] Wir halten diesen Weg für eine saubere Lösung, die für alle klar erkennbar ist.

Na dann kann ja nichts schiefgehen — jeder Google-Besucher, und wenn es Mütterchen ist, erkennt, dass das alles ein Teil einer Kampagne ist. Eigentlich kann ich mir ja nun diesen Artikel schenken, obwohl, wo er schon geschrieben ist, kann ich ihn auch raushauen. :)

Entschuldigt also bitte, dass ich zu sehr darauf dränge, Werbung zu kennzeichnen. :)

adical auf F!XMBR:

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adical — Eine Replik

adical — Warum Werber den Mund halten sollten

Nachtrag: Nummer 1, Disclosure wurde nachträglich eingefügt:

Beetlebum Werbung

Bleibt natürlich die Frage warum explizit darauf hingewiesen werden muss — oh Gott die Glaubwürdigkeit 😉 — dass für diesen speziellen Beitrag kein Geld kassiert wird. Unterm Strich ist das natürlich dummes Zeuch. Auftraggeber XYZ macht das alles ja nun nicht aus Freundlichkeit, sondern weil man das Gesamtpaket gekauft hat. Man hat den (die) Blogger inkl. deren Blogs gekauft, auch wenn das niemand so kommunizieren wird.

Bleibt nur noch die korrekte Kennzeichnung des Firmenblogs. 😉

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14 Antworten zu “adical — Aus gegebenem Anlaß”

  1. Oliver sagt:

    >Entschuldigt also bitte, dass ich zu sehr darauf dränge, Werbung zu kennzeichnen.

    Ja du bist aber auch ein Heuler, wenn man Werbung klar und deutlich kennzeichnet erkennt sie doch jeder als solche. Der Gag dabei geht dann noch flöten. Und dann gibts mal davon abgesehen ja noch x Möglichkeiten Werbung zu kennzeichnen, so das sie übersehen wird, ist ja auch usus. Aber wie gesagt eine fette deutliche Kennzeichnung im Onlinewerbewunderland wäre wohl mehr als kontraproduktiv 😀

  2. Ich kann nicht genau nachvollziehen, worum es hier geht? Hat das Bildblog Schleichwerbung gemacht oder wer?

  3. Chris sagt:

    Die Leute, die es betrifft, wissen schon bescheid. 😉

    Ausserdem — siehe Statement von Johnny — ist doch alles gut, ich habe mich entschuldigt. :)

  4. johnny sagt:

    Die Comics von Beetlebum sind selbstverständlich nicht Teil der Kampagne, ich habe sie gerade erst gesehen.

    Er hat sich gefreut über den Job und hat darüber gebloggt. Ich habe ihn gebeten, einen Disclaimer vor den Artikel zu setzen, um Missverständnisse zu vermeiden.

  5. Chris sagt:

    Das war Nummer 1 — Chapeau. :)

    Fehlt nur noch das Blog selber. Ich bin der Meinung, wenn User XY, der sich nicht gerade auf Blogs rumtreibt, per Google oder Link darauf kommt, nicht erkennt, dass es ein Werbeblog ist. — Was für ein Satz. 😀

    Da gehört IMHO ein ganz klarer Disclaimer (meinetwegen) oben rechts hin. Nicht nur Blogger haben zu erkennen, dass es ein Werbeblog ist, auch Mütterchen Russland auf Streiftour im I-Net.;-)

  6. Chris sagt:

    Siehe Nachtrag oben.

    Und dann kann ich gleich nachlegen, aus dem Jabber:

    [XYZ] Was für ein Schmarrn.

    [ZYX] Und ich zieh die Hose mit der Kneifzange an und der Papst ist ne Frau und die Erde ne Scheibe.

    [ZYX] Was ist verdammt nochmal so schwer, zu schreiben: «Ich krieg das silberne Teil hier, weil ich damit für ne Werbekampagne Fotos mache und Geld für bekomme.» Was verdammt nochmal ist so schwer, damit offen umzugehen?

    [ZYX] Ich hab da echt nur Mitleid.

  7. C.J. sagt:

    Dass einige der Adical-Blogs es mit der Kennzeichnung von Werbung nicht so eng sehen, haben wir hier http://www.ichblogdich.de.…./?p=452 (ich hoffe, der Link ist erlaubt) auch schon festgestellt. OK, es handelte sich dabei nicht um durch Adical vermittelte Werbung. Aber wer sich zu Anhängern von Phrasen wie «Professionalität» macht oder machen lässt und «Transparenz» predigt, von dem erwartet man auch eine klare Kennzeichnung von Werbeinhalten.

  8. ein Beobachter sagt:

    Habe gerade einen Kommentar bei adical verfasst, und da ich nicht denke, dass er freigeben wird, sichere ich ihn bei dir mal. Deinen Beitrag habe ich erst danach gelesen, ist daher schon selbstredend, wenn schon mal 2 das gleiche Denken.

    die Kopie:

    Johnny, merkt ihr eigentlich, dass ihr euch völlig lächerlich macht?

    Ihr großen Verfechter der gekennzeichneten Werbung! Wo bitte finde ich die Kennzeichnung auf http://casio.adical.de/, wo bitte war die Kennzeichnung deines Werbedeals mit Strato (wo du den Bloggern noch hinterhergeschaut hast, dass auch ja die URL stimmt!), wo war die Kennzeichnung bei der Werbung in den Blogs für eurer doch so tolles Bloggerevent? Noch mehr Beispiele gefällig?

    Wie lächerlich ist eigentlich die klitzkleine Kennzeichnung der adical Werbung in den Blogs? Da wäre noch Sascha, der die Kennzeichnung von Werbung bei Bild gerne anprangert. Und genau Bild kennzeichnet seine Werbung um einiges sichtbarer! Wie passt das?! Ich würde sagen, Iro runter (sieht eh lächerlich aus) und mal einwenig Luft an die Birne, dann klappt es vielleicht auch irgendwann mit tatsächlich gekennzeichneter Werbung.

    Übrigens, mir persönlich ist es völlig egal, ob wie und wo Werbung gekennzeichnet wird. Mich kotzt einfach nur eure öffentliche Haltung, die im völligen Gegensatz zu eurer persönlichen Umsetzung steht, an.

  9. Weltenweiser sagt:

    Gut den Finger in die Wunde gelegt. Jetzt muss die Wunde lamentieren.

  10. Dr.Dean sagt:

    Die Wunde lamentiert.

    Sie hat mit einem ironischen Kommentar vor und nach dem Strato-Banner bei Spreeblick (indirekt) ausgesagt, dass Kritik an Schleichwerbung doof sei. Überhaupt ist es doof und lächerlich, wenn fremde Menschen, pfui!, sogar Blogger, doppelpfui!, sich Gedanken zu Werbeethik machen.

    Johnny: Man kann vermutlich jeden Dreck rechtfertigen, geschickte Worte vorausgesetzt, sobald das Geld winkt. Kann man machen. Es soll aber auch Menschen geben, die z.B. auf den Einsatz nervender, manipulativer oder täuschender Werbeformen verzichten. Echt jezz.

    Es soll sogar Leute geben, die ihr Verhalten und ihre (meinetwegen unfreiwillige) Vorbildfunktion reflektieren. Statt sich im Gefühl vermeintlicher Coolness zu baden — oder herumpöbelnden Biz-Kollegen einen Freibrief a ´la «er nimmt sich nicht so wichtig» auszustellen.

    Oh, ich vergaß: Johnny nimmt Werbekritik sich auch nicht so wichtig. Deshalb macht er ja auch alberne Aktionen in seinem Blog — statt sich Kritik wirklich zu stellen.

    Nein Johnny: Das ist kein Hass. Wir hassen Dich nicht — wir hassen euch nicht. Trotzdem macht ihr etwas falsch — und gebt ein schlechtes Vorbild ab.

  11. […] fronten sucht, ist demnach weiterhin bei den blogs am besten aufgehoben. denn gerade diskutiert man hier und da und dort über die “gemeinschaftsproduktion” von wir-nennen-es-arbeit-lobo und […]

  12. Chris sagt:

    Ach ja, und die Eier in der Hose, uns zu verlinken, hat der Jammerlappen auch nicht. 😀 Geh stricken Kleiner. 😉

  13. Oliver sagt:

    Der Stich ins Wespennest halt, ist doch alles eine Clique, da muß man halt nach Strohhalmen greifen, wenns Niveau schleift 😀

  14. […] adical — Aus gegebenem Anlaß […]

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