Adblock Plus und seine Geschwister

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Bedingt durch einen Artikel der Zeit habe ich mir mal wieder Gedanken über Werbung gemacht. Vorab zu Adblock Plus: Das Addon muss man ab sofort im Auge behalten. Es ist kein Freizeitprojekt mehr, sondern ein Unternehmen, eine GmbH. Es muss ab sofort mit Adblock Plus Geld verdient werden. Auch finde ich es befremdlich, wenn sich die Macher von Adblock Plus auf der dmexco den Werbetreibenden anbiedern.

Nachtigall, ick hör dir trapsen…

Ich selbst nutze seit ich denken kann einen Adblocker. Wir haben auf F!XMBR schon mehrere Tools vorgestellt: Adblock Plus, Proxomitron, bfilter, Adblock für Opera und Chrome — und wie sie alle heißen.

Es gibt unzählige Gründe für den Einsatz eines Adblockers. Aktuell ist eine besorgniserregende Entwicklung des Werbewahns zu beobachten: Der Klarnamenzwang von Google und Facebook dient ausschließlich dem besseren Profiling um somit dem Nutzer personalisierte Werbung präsentieren zu können. Die Debatte möchte ich nun nicht wieder führen — aber dieser Totalitarismus ist dem Werbewahn, der Dividende geschuldet.

Werbung gefährdet Menschenleben.

Ich kann mit Werbung auf Internetseiten sehr gut leben Weil ich sie schlicht und ergreifend nicht sehe. Ich entscheide, was seinen Weg auf meinen Rechner findet. Sollte trotzdem einmal Etwas durchrutschen, sorge ich selbst dafür, dass dies in Zukunft nicht mehr passiert. Auch das ist technisch mit einem Klick erledigt.

Die Frage ist das «Wie».

Noch heute erinnern viele Webseiten an alte Geocities-Zeiten. Je greller, desto besser. Es gibt immer noch Seiten, die auf Popups setzen, manche setzen mittlerweile Supercookies ein. Es ist schier unfassbar. Das Schöne: Kurze Zeit später gibt es eine Gegenmaßnahme. Die Guten werden diesen technischen Wettlauf immer gewinnen. Und das erzeugt immer wieder ein Lächeln auf meinem Gesicht.

Im Web 2.0 werden aktuell die gleichen Fehler begangen, wie schon zu Anbeginn der Zeit. Fanseiten auf Facebook dienen in der Regeln dem Anbiedern, es findet kein Austausch mit dem Kunden statt. Wer bloggt, weiß, dass täglich Spam in den Kommentaren auftaucht — auch immer subtiler: Heute wird viel Spam als normaler Kommentar versteckt. Werbung bedeutet heute immer noch Senden, Senden, Senden. Auf so vielen Kanälen wie möglich. Und so oft es geht.

Werbung, auch und insbesondere im Web 2.0, hat immer noch ein Ziel: Die Nachricht muss ankommen. Doch wird keine Energie auf das «Wie» verschwendet, sondern alle Anstrengungen laufen darauf hinaus die bekannten Gegenmaßnahmen zu überlisten und auf die gängigsten Hypes — wie beispielsweise Facebook — aufzuspringen. Was uns mit Google + erwartet, zeigten bereits die ersten Tage: Die Werbeindustrie hat diese Plattform vor dem Mainstream entdeckt. Passt Google hier nicht auf, verkommt Google+ sehr schnell zum Werbemoloch.

Seit Mitte der Neunziger bin ich nun im Internet unterwegs. Auf dem ersten Forum, auf welchem ich aktiv war, haben wir die erste Diskussion geführt, ob ein kleines Banner oben rechts eingeblendet werden darf. Heute gesehen völlig harmlos. Und doch erinnere ich mich mit einem Lächeln an die damalige Zeit. Oliver und Caschy denken vielleicht auch gerade mit einem Lachen zurück. Und wer weiß — vielleicht liest Elias ja auch mit.

Im Prinzip hat sich seitdem nicht viel verändert: Jeden Rechner, den ich heute einrichte, bekommt erst einmal einen Adblocker spendiert. Die Reaktion ist jedes Mal die gleiche: Ich schaue in leuchtende Augen, wenn die Leute das erste Mal mit Schutz surfen. Und sie werden es nie wieder ohne tun. Es ist für mich immer wieder ein Erlebnis, in ein Gesicht zu schauen, welches völlig fasziniert keine Werbung mehr ertragen muss, man schon im Gesichtsausdruck die Frage ablesen kann, wie, das geht?

Habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen? Nein, überhaupt nicht. Für gute und qualitative Dinge bin jederzeit bereit, meine Geldbörse zu zücken. Wie jeder andere Mensch auch, mit dem ich schon über das Thema gesprochen habe. Die Interessen sind unterschiedlich — nur bei einem Thema sind sich alle einig: Dieser Werbewahn, das «Wie» ist nur noch nervig, unterirdisch.

Ich nutze einen Adblocker.
Und das ist auch gut so.

Disclosure: Ich werde in Zukunft, den einen oder anderen Text von Google+ crossposten, weil mich ein paar Mails erreicht haben, man lese hier, von Google+ aber die Finger lassen würde.

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22 Antworten zu “Adblock Plus und seine Geschwister”

  1. Anonymous sagt:

    Das Beste am Adblocker ist für mich die Möglichkeit von bestimmten Seiten Werbung zuzulassen. Dadurch kann ich selbst bestimmen, wer damit Geld verdienen darf. Quasi als anonyme Spende von mir. :)

  2. Torti_78 sagt:

    Ich bin seit einiger Zeit, wie wahrscheinlich die meisten hier, mit Chrome im Web unterwegs. Umgestiegen bin ich hauptsächlich aus Performancegründen. Nur war mein Chrome seit einiger Zeit schon nicht mehr so schnell wie früher, im Gegenteil es gibt oft längere Gedenkpausen. Ich habe diese auf meine vielen bzw. ein bestimmtes Plugin geschoben und mal ausgiebig getestet. Ergebnis: Adblock Plus bremst Chrome bei mir rapide aus!
    Ich habe zum testen ein neues Profil angelegt und Adblock Plus als einzige Erweiterung installiert und auch mit der Stable-, Beta– und Developer– (die ich normalerweise nutze) Version getestet. Jeweils mit gleichem Ergebnis: Webseiten laden BEDEUTEND langsamer mit aktiviertem Adblock Plus.
    Das ein Adblocker das Surfen ein wenig verlangsamen kann, ist mir klar, doch früher beim FF z.B. war es kaum spürbar, jetzt sehr deutlich — vor allem bei Seiten mit vielen eingebundenen Elementen (YT-Videos, Buttons sozialer Netzwerke, …)
    Würde mich freuen, wenn das vielleicht der eine oder andere auch mal ausprobiert (deaktiveren des Plugins sollte zum testen ausreichen).
    Hat das Problem außer mir niemand oder ist das noch niemandem aufgefallen? Kennt jemand vielleicht sogar eine Lösung?
    Ich bin derzeit ohne Adblocker mit Chrome unterwegs, was aber natürlich auch keine angenehme Dauerlösung ist, ich denke deshalb schon über einen Wechsel zurück zu FF nach.

  3. passsy sagt:

    Früher war ich auch immer mit dem Blockern unterwegs. Habe das damals total wichtig gefunden. Inzwischen nutze ich aber keinen Blocker mehr. Und mich stört es auch nicht. Popupwerbung gibt es so gut wie gar nicht mehr und Banner sind mir total egal.

    eher stören mich leere Flächen die durch die Blocker entstehen.

  4. b_i_d sagt:

    Du bist also bereit, für gute Inhalte die Geldbörse zu zücken? Klingt toll. Erfreulich vor allem, daß ich das ständig von verschiedenen Seiten höre.

    Weniger schön ist allerdings, daß diesen großen Worten nie Taten folgen. Ich produziere seit vielen Jahren Content im Netz. Dabei versuche ich (in der Regel erfolgreich), grundsätzlich alles kostenlos und wenn möglich unter freien Lizenzen zu veröffentlichen. In den vielen vielen Jahren hat NICHT EIN MAL auch nur EIN User seine Geldbörse gezückt.

    Ergebnis: Vor allem bei Projekten, die Geld kosten (Server, etc) habe ich gar keine andere Wahl, als Werbung zu schalten.

    Bei 10000 Usern sagen 5000 sie seien von Werbung genervt. 7000 sagen, sie wären bereit, freiwillig zu zahlen. Das in die Zat umsetzen macht nicht einer davon.

  5. Andreas sagt:

    @Torti_78: Nein, du hast recht. AdBlock Plus ist unter Firefox flink (und beschleunigt gar das Rendering, wenn aufwendiger Mist geblockt wird). Unter Chrome ist es langsam (wie auch die konkurrierenden Erweiterungen mit gleicher Funktionalität und sonstige Blocker — mal ist der eine ein wenig lahmer, mal der andere. Am Gesamtbild ändert das nichts).

    Dies wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern, da die Extension API von Chrome/Chromium einfach nicht die gleichen Möglichkeiten bietet, wie die von Firefox (Anfangs konnte ja nichtmal «geblockt», sondern nur versteckt werden). Änderungen daran sind AFAIK auch nicht geplant. Daher sind sehr viele der implementierten Filter eigentlich dreckige Hacks, dass blocken von manchen Elementen (Video-Ads, z.B. YouTube-Werbung) ist auch nur bedingt bzw. gar nicht möglich.

    Solche Einschränkungen sind auch ein Problem für Erweiterungen, die z.B. den HTTP-Referer regulieren sollen. Ein Beispiel: Etwas schnelles und einfaches wie «RefControl» unter Firefox ist für Chrome nicht so leicht möglich. Selbst «dumme» Referer-Blocker (-> z.B. NOREF) müssen derzeit bei Chrome das ganze Dokument/DOM aufwendigst parsen, und statten Links dann mit dem Attribut «rel=noreferrer» aus, um den Browser anzuweisen, keinen Referer zu senden).

    Ich war Anfangs von Chrome begeistert (neues Spielzeug(!!!), Flash ohne Frickel integriert, sync, PDF-Viewer, Sandbox, fixes Release-Modell). Meinen Ausflug habe ich beendet und liebe meinen Firefox jetzt wieder. Denn Blocker + Referer-Kontrolle sind für mich must-haves, die unter Chrome die Performance drücken (also Chrome bei meinem Use-Case de-facto einfach lahm ist). Auch eine Funktion wie die user.js habe ich schmerzlich vermisst (ich habe praktisch alle meine Settings (auch Addons) in der user.js — ein neues FF-Profil? Kein Problem: User.js rein, Addons installieren und fertig). Out-of-the-box mag Chrome vllt. der beste Browser sein (und damit wohl auch bei Otto-Normal-Surfer punkten). Wenn man ein wenig mehr Kontrolle will, ist das schnell vorbei.

    Unter Linux kommt dann noch hinzu, dass die 64bit Version eben kein Flash mitbringt und das Font-Rendering einfach verbuggt ist (Beispiel: Arial 14px wird — falls non-bold non-italic — als 10px gerendert) und viele GTK-Settings ignoriert werden. Sanfter Bildlauf ist ebenfalls nicht nativ verfügbar. Und der tolle Updater kann natürlich nur unter Windows glänzen, da unter Linux Updates ja eh per Paketmanager kommen.

    Performance und Komfort (die Lesezeichen-Funktion ist ja wohl der Witz) FÜR MICH also fail (und die Entwickler planen nicht, dies in absehbarer Zeit zu ändern). Flash unter Linux 64bit ebenso. Blieb also noch das Sandbox– und Prozessmodell (Sicherheit ist mir viel wert). Das ist immernoch ein dickes Plus von Chrome, Firefox wird dies aber in absehbarer Zeit aufholen, die Entwicklung läuft schon. Nachdem Chrome dann den Charme des Neuen verloren hatte blieb folglich die Erkenntnis: weg damit. Alles, was mich am Firefox (außer das Prozessmodell) gestört hat, wurde in den jüngsten Versionen gefixt oder ist gerade dabei, gefixt zu werden. Und weil ich den Wechsel zeitweise durchgeführt habe, komme ich mir mit meinem Firefox auch nicht mehr altbacken vor. Performance stimmt in den neuen Versionen auch wieder (OK: wenn manche ein x Jahre altes, mehrfach migriertes Profil mit 200 Addons nutzen, vllt. nicht). :-)

    Was den Enduser nicht stören muss, aber Entwickler ggf.: die verdammte Lib-Forkerei bei Chromium. http://ostatic.com/blog/m.….n-fedora erklärt das ganz gut.

  6. Tobi-Wan sagt:

    «Für gute und qualitative Dinge bin jederzeit bereit, meine Geldbörse zu zücken. Wie jeder andere Mensch auch, mit dem ich schon über das Thema gesprochen habe.»

    Die Popularität illegaler Streamingseiten, auf denen das Gucken von Serien oder Filmen zum Volkssport geworden ist, spricht aber eher fürs Gegenteil. Was umsonst ist, erfreut sich halt großer Beliebtheit, und das gilt auch für werbefinanzierte Webangebote — besonders, wenn keiner die Werbung mehr sehen muss. Wie diese Seiten überleben sollen, darüber macht sich kaum einer Gedanken (b_i_d hat’s angesprochen).

  7. Zu kino.to hatte schon schon Etwas getippselt. Ansonsten kann ich die Aussagen von @b_i_d nicht bewerten, weil ich seine Seiten nicht kenne.

  8. b_i_d sagt:

    Viele meiner alten Projekte sind inzwischen nicht mehr online. Bin immerhin schon viele Jahre im «Geschäft».

    Aber hier ist eine aktuelle Auswahl: http://phatsonic.de

    Es geht dabei nicht nur um Seiten, sondern auch meine Musik, meine Software und anderes. Ich bereue es nicht, alles kostenlos und meist frei zu veröffentlichen. Ich werde auch weiterhin an dieser Praxis festhalten.

    Aber das Argument bleibt bestehen: Würde ich darauf warten, daß Leute freiwillig dafür zahlen, wäre ich inzwischen verhungert…

  9. mustard sagt:

    Ich benutze keine Werbeblocker-Addons. Das ‘ansehen’ der Werbung erwartet der Seitenanbieter als Gegenleistung fuer eben jene bereitgestellte Seite. Wenn mir die Seite gefaellt kann er die Einnahmen, die er daraus generiert gerne haben. Wenn mich die Werbung zu sehr stoert dann surfe ich die Seite einfach nicht mehr an. Das habe ich schon mit verschiedenen Seiten so gemacht.

  10. Dir ist schon klar, dass diese Werbung schon von uns Konsumenten Tag für Tag finanziert wird, indem wir eben dem Konsum nachgehen? Dur ist desweiteren auch klar, dass diese Blase Werbung früher oder später platzt und ureigene Art von Selbstkasteiung jeinerlei Vorteil bringt? Du hilfst keinem mit der Betrachtung der Werbung, du schadest damit nur anderen Konsumenten auf Dauer. Das ist die Realität und abseits davon, muß man das Beworbene auch erwerben, um dem Irrsinn dieser Blase zumindest einen Iota Logik zu entlicken. Aber mei, in einem freien Land, da muß auch in gewissen Grenzen der Irrsinn erlaubt sein :-)

  11. b_i_d sagt:

    @Oliver Herold

    Wird das Argument dadurch invalidiert? Man könnte es auch so ausdrücken, daß Seiten, die für die Allgemeinheit frei benutzbar sind, durch eben diese finanziert werden (sofern man deiner Schlußfolgerung folgt, daß Konsumenten die Werbung finanzieren).

    Ob man diesem Schluß folgen muss ist eine andere Frage, denn ob ohne Werbeausgaben die Produkte plötzlich billiger würden, bliebe zu beweisen…

    Meine eigentliche Frage an dieser Stelle ist aber folgende: Was ist die Alternative? Denn so lange die Seitenbetreiber keine alternative Option zur Werbung haben, ist die gesamte Argumentation akademisch und müßig.

  12. Gaston sagt:

    Nun, Adblock habe ich ganz schnell wieder deaktiviert.
    Von der Funktionalität und der Effektivität kann ich nichts sagen. Mich hat das Teil einfach genervt. Statt dessen benutze ich NoScript. Was aber keine Bewertung ist, ich mag einfach die Handhabung und habe mich im Lauf der Jahre daran gewöhnt.

    Die Argumente und Äußerungen wie z.B. von «b_i_d» kann ich nicht nachvollziehen.
    Ich werde es wohl nie verstehen, dass jemand eine frei zugängliche Seite ins Netz stellt und dann sich darüber beschwert, das er kein Geld dafür gibt. Zeitungen gehen inzwischen zum Teil dazu über den ganzen Artikel gegen Bezahlung frei zu schalten.
    Ich entscheide, ob ich etwas frei im Netz setze oder nicht. Mich dann darüber aufzuregen, das die Besucher der Seite/meines Eintrages keine Werbung sehen wollen (Gut, aus dieser Konsequenz heraus gibt es auf meiner Seite auch keine Werbung) finde ich etwas seltsam. Wenn ich etwas frei Anbiete, dann ist es eben Frei.

    Alles Umsonst haben zu wollen ist in meinen Augen ebenso falsch. Ich habe mich ebenso entschieden, bestimmte Dinge nicht ins Netz zu stellen oder sonst wie Frei zugänglich zu machen.
    Ich halte es für ein Recht jeden Urhebers selbst Entscheiden zu dürfen, was mit seiner Urheberschaft passiert. Also, wer seine Werke frei zugänglich macht, hat sich dann auch dazu entschieden.

    (Das lesen des Kommentars kostete 0,50 €) 😉

  13. krisek sagt:

    Viele Ads sind auch Performance Frage, z.B. die «Alte» (P4-1,6GHz-1GB) Rechners in unserer Gemeinde einfach schaffen es nicht so gut, eine Seite vollgepackt mit flash Werbungen. Ich gehe davon aus, daß es bei einem Netbook mit Atom Prozessor nicht viel anders ist. Vielleicht weniger Ads wäre manchmal mehr effektiv.

    Der andere Grund für Adblock: Facebook und seine «Gefällt mir» icon an _alle_ Webseiten. Warum sollte Facebook meine ganze Browser History haben?

  14. @b_i_d: Ganz direkt: Glaubst Du wirklich, es interessiert Wen, ob Deine Seite, Deine Musik noch erreichbar ist? Es interessiert keine Sau, ob F!XMBR, Deine Projekte, die FAZ oder was auch immer noch morgen online steht. Es gibt unzählige Alternativen im Internet. Das Internet ist ein wenig größer, als wir, als jegliche Zeitung da draußen. Das Internet schert sich nicht darum, ob irgendwo eine Seite geschlossen wird. Stammleser werden zu Beginn vielleicht etwas vermissen — aber nach kurzer Zeit Alternativen gefunden haben…

  15. Grainger sagt:

    Ich bin ja eingefleischter Opera-User und mit dem eingebauten Popup-Blocker und einer halbwegs gut gepflegten URLFILTER.INI sehe ich auch ohne zusätzlichen Add-Blocker gefühlt weit mehr als 90% der Werbung nicht.

    Mir persönlich reicht diese Lösung.

    Gäbe es nicht solch ein Überangebot an Werbung, die mich im Alltag permanent zu müllt, wäre ich vielleicht auch weniger versucht, nach Mitteln und Wegen zu suchen, sie auszublenden.

    Aber selbst das gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Angebot (egal ob Radio oder TV) ist nicht werbefrei, trotz der geradezu monströs hohen GEZ-Gebühren muss ich mich da mit Werbung berieseln lassen.

    Jeden Tag finde ich in meinen «konventionellen» Briefkasten unerwünschte Werbung vor, wie mein eMail-Postfach ohne SPAM-Filter aussehen würde wage ich mir gar nicht vorzustellen. In meinem Job kann ich die Hälfte des Posteingangs gleich in den Papierkorb werfen, jede Menge Angebote für Lehrgänge, Schulungen, kostenpflichtige Newsletter, usw. Besonders schlimm wird es, wenn wir in einer überregionalen Tageszeitung eine Stellenanzeige geschaltet haben. Dutzende Anrufe von allen möglichen angeblichen Fachzeitschriften mit Kleinstauflagen, die alle glauben, mein Arbeitgeber müsse unbedingt in ihrem total uninteressanten Blättchen auch mal annoncieren.

    Kaufe ich mir eine Zeitschrift (traditionelles Totholzmedium ;)) besteht der Content zu locker 50% aus Werbung. Auf dem Weg von und zur Arbeit fahre ich an etlichen Werbeplakaten vorbei.

    Wundert es da irgendeinen Werbetreibenden noch ernsthaft, dass bei mir die allgegenwärtige Präsenz der Werbung einen Brechreiz auslöst?

    Und ich bin einer, der tatsächlich ab und an etwas für den Content bezahlt, den er nutzt. Beispielsweise bei Jamendo oder auch für kleinere Programme, die als Donationware angeboten werden.

    Sicherlich aber nicht für irgendwelche durch Bots zusammengetragene Newsseiten (da kann ich mich auch kostenlos bei Google-News bedienen).

  16. Peter sagt:

    @ Graininger — genauso sehe ich das auch — das Überangebot an Reklame und die Penetranz, mit der sie einen überall hin verfolgt, sorgt ganz logisch für Abwehrmaßnahmen der Menschen, die nicht jedes Fitzelchen des Lebens als Konsum– und Kommerzraum ausgestattet haben möchten. Irgendwann werden es die Reklametreibenden vielleicht auch kapieren, dass weniger mehr ist…

  17. b_i_d sagt:

    @Gaston

    Klar ist es deine Wahl. Ich persönlich entscheide mich eben dafür, alle eigenen Projekte frei zu veröffentlichen.
    Wenn du meine Kommentare noch einmal liest, wirst du auch sehen, daß ich mich keineswegs beschwere. Es ist schließlich meine eigene Entscheidung.

    Mein Punkt ist, daß in diesem Fall eben Werbung die einzige Möglichkeit ist, das weiterhin so handhaben zu können. Die einzige Alternative wäre, mir ein Angestelltenverhältnis zu suchen, in dem mein Einkommen gesichert ist, und mangels Zeit einen Großteil meiner Projekte auf Eis zu legen.

    Sollte es jemals eine dritte Option geben, bin ich der erste, der die Werbung von seinen Seiten entfernt.

    @Christian Sickendieck

    Nein, glaube ich nicht. Für so «wichtig» halte ich mich nicht. 😉
    Aber selbst wenn es anders wäre, glaube ich nicht an die Bereitschaft der User, freiwillig zu zahlen.

    Aktuelles Beispiel: Das Freenet Project. Wir sind (mal wieder) an dem Punkt, an dem beinahe kein Geld mehr da ist, um Toad, den hauptberuflichen Entwickler, zu bezahlen. Das ist nicht das erste Mal, daß wir an dem Punkt sind. Bei den letzten Malen sind Google, die EFF und andere Firmen eingesprungen und haben jeweils eine ordentliche Summe gespendet.

    Aufgrund der Anonymität des Netzes ist die Menge der User unmöglich zu schätzen (z.B. in China und Iran ist es das beliebteste Anti-Zensur Tool), aber rechnen wir mal ganz vorsichtig nur mit 100.000 Usern. Dazu kommen unzählige Firmen und Privatpersonen, die von den vielen Technologien profitieren, die für Freenet erfunden wurden. Und die Spenden all dieser Leute reichen nicht mal aus, die ca 1000$ im Monat für den Entwickler zu finanzieren.

  18. Tobi-Wan sagt:

    Ich kann der Argumentation von b_i_d nur weiterhin zustimmen.

    «@ Graininger — genauso sehe ich das auch — das Überangebot an Reklame und die Penetranz, mit der sie einen überall hin verfolgt, sorgt ganz logisch für Abwehrmaßnahmen der Menschen, die nicht jedes Fitzelchen des Lebens als Konsum– und Kommerzraum ausgestattet haben möchten. Irgendwann werden es die Reklametreibenden vielleicht auch kapieren, dass weniger mehr ist…»

    Ja, mich kotzt penetrante Werbung auch an. Aber zu glauben, ein Nutzer von Adblock würde lediglich die nervige Werbung ausblenden, halte ich für naiv. Und damit sind wir wieder bei der Frage, die hier noch nicht befriedigend beantwortet wurde (oder ich hab’s überlesen… :D): Wie finanziere ich meine kommerzielle Seite, wenn nicht über Werbung? Sollte der Tag kommen, an dem sich im Netz mit Werbung kein Geld mehr verdienen lässt, werden wohl vielerorts die Bezahlschranken heruntergelassen. Was nicht unbedingt schlecht sein muss, sollte die Qualität des Angebots stimmen.

  19. Anonymous sagt:

    Gibt es eigentlich einen Adblocker für den eingebauten Androidbrowser? Das wäre ja besonders interessant, da man bei den meisten Internetflats ab einem gewissen Volumen gedrosselt wird.. Firefox für Android hat auch Adblock, aber unter meinem Galaxy S ist Firefox einfach zu träge und rendert die Seiten auch nicht so schön wie der mitgelieferte Browser.

  20. qpid sagt:

    Die «Adblock GmbH» war mir bis dato noch nicht bekannt, danke für die Info, muss ich mich mal reinlesen.

    Persönlich kann ich die ganzen Browser-Plugins nicht ab, das ist mir zu viel Arbeit, die alle einzurichten und aktuell zu halten. Daher setz ich seit Jahren auf einen zentralen Privoxy, seit einiger Zeit kombiniert mit einem adblock2privoxy-Script — funktioniert auch wunderbar auf meinem Telefon, da aber natürlich mit eigener Installation.

    Allgemein, ich mag Werbung nicht, sehe das als sinnloses verbraten von Ressourcen — jeden Monat nen Baum im Briefkasten, dazu die Leuchtreklame, etc.

    Wer der Meinung ist, dass seine Inhalte so wertvoll sind, dass man darauf nicht verzichten kann, der kann im Zweifel auch dafür Geld nehmen — für die meisten ist das aber keine Möglichkeit, dafür gibt’s zu viele Alternativen.

    Ich seh das ähnlich wie im Supermarkt, die Welt ginge nicht unter, wenn es nur 1–2 Sorten Ketchup gäbe, so gibt’s aber zig Hersteller, die alle (annähernd) das gleiche bieten und um die Kunden buhlen, im Endeffekt zu dessen Verwirrt– und Genervtheit.

    In der Zeitung blätter ich drüber, in der Stadt guck ich weg, im Fernsehen zapp ich Weg, auf DVDs skippe ich und im WWW muß ich halt blocken, denn mit wegsehen ist es meistens nicht getan, bekommt man die Werbung doch regelmäßig wie den Wachturm unter die Nase gedrückt.

    Es gibt nur eine gute Art der Werbung, die ich auch sehr schätze, namentlich Mundpropaganda oder schriftliche Berichte von Leuten, zu dehnen ich eine Beziehung pflege. Da sind die Leute ernsthaft begeistert und wollen einen an ihrem «Glück» teilhaben lassen, ohne mich veräppeln zu wollen.

  21. Brad sagt:

    Die Aussage «ich bin bereit für qualitativ hochwertige INhalte zu zahlen» halte ich für eine vorgeschobene Ausrede. Wenn die Inhalte von einer Seite so mies sind, warum besuch ich die Seite überhaupt? Doofes Problem ist momentan halt, dass es keine anständige Alternative zur Werbefinanzierung im Web gibt, gerade für Online-Magazine, die nicht noch von einem Printableger profitieren. Was sollen die machen? Alle pleite gehen, weil sich Werbung eben so simpel blocken lässt? Ist ja egal, alles ist ersetzbar. Ist auch richtig, aber fragt sich, wie lang das Spielchen gut geht. Fair gegenüber den Betreibern ist das nicht (und nein, es gibt nicht nur raffgierige Verlage), zumal die mit steigender Adblock-Quote zum Teil dazu gezwungen werden, denen ohne Werbeblocker fiesere Werbung zu zumuten. Allein mit wohligen Gedanken an die guten, alten 90er lässt sich halt kein Server finanzieren…

    Das viele es mit Werbung übertreiben, das stimmt schon. Das es teils richtig nervig ist, wenn man ein Dutzend Tabs und mehr offen hat und irgendwo geht auf einmal Gedudel aus den Boxen plärrt, das ist so das absolute no-go für mich. Deswegen besuche ich bspw FR-online deutlich weniger, weils mich nervt. Und ich frag mich warum andere nicht auch einfach diese Konsequenz ziehen: Nervt mich die Werbung so sehr, dass ich das Interesse an den Inhalten der Seite verliere, besuch ich die einfach nicht mehr. Aber zu sagen, die Inhalte sind so scheiße, dass die keine Werbeeinnahmen verdient haben; und ich es aber trotzdem mit maximalen Komfort lesen will, ist heuchlerisch. Da fehlt vielleicht der Blick über den eigenen Tellerrand.

    PS: Das soll hier nicht heißen, dass jegliche Werbung für oke befinde. Das meiste nervt mich auch, und Sachen wie Cookies von Drittanbietern, verscheuern von Nutzerdaten, etc. sind auch für mich nicht hinnehmbar. Ich beziehe mich rein auf die von Webseiten dargestellte Werbung.

  22. Grainger sagt:

    @Tobi-Wan

    «Aber zu glauben, ein Nutzer von Adblock würde lediglich die nervige Werbung ausblenden, halte ich für naiv.»

    Da ich fast 100% der Werbung für nervig halte blocke ich auch weitgehend alles. Werbung als Verbraucherinformation ist weitestgehend überflüssig.

    Zum Einen tendiert der Informationswert der meisten Werbung gegen Null (welche nützliche Info soll ich als Verbraucher aus irgendeiner Schokoriegel-Reklame denn ziehen?) oder ist schlichtweg falsch bzw. gelogen (Werbeaussagen müssten als verbindliche zugesicherte Eigenschaften gelten um das zu ändern, aber das wäre dann wohl auch das Ende der Werbung in ihrer heutigen Form).

    Oder sie ist sinnfrei, selbst wenn sie pseudo-informative Aussagen trifft. «Das weißeste … aller Zeiten» vergleicht ein Produkt mit sich selbst bzw. seinem unmittelbaren Vorgänger und nicht mit der Konkurrenz.

    Zum Anderen informiere ich mich gezielt über ein Produkt, falls ich einen Kaufwunsch und ein Informationsbedürfnis verspüre. Man muss mir diese «Informationen» (selbst wenn es tatsächlich solche wären) nicht permanent ungefragt aufdrängen.

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