Ach — hört mir doch mit der SPD-Basis auf

Chris maltDie SPD des vergangenen Jahrzehnts hatte immer eine Ausrede parat, wenn es darum ging die Unmenschlichkeit der eigenen Politik zu entschuldigen: Die Basis. Die Basis denkt anders, die Basis hat das alles nicht gewollt — die Basis tickt links. Sogar die Medien haben es in dieser Art und Weise dargestellt. Basta-Kanzler wurde Gerhard Schröder getauft — sogar heute bei der Rückkehr Franz Münteferings kam wieder die Frage auf, wie denn die Basis die neuerliche Autorität empfangen würde. Alles Blödsinn. Die Basis der SPD steht seit Jahren zu großen Teilen applaudierend daneben — ist ja alles gar nicht so schlimm, schließlich haben wir Erfolg, etc. pp. Es gab hier in Hamburg genau 3 Gründe, warum ich die SPD nicht gewählt habe. Über die Bundespolitik muss ich wohl nichts mehr schreiben — das insbesondere menschliche Versagen der SPD hat zum Verlust der Regierungsverantwortung geführt. Und bei 16 Landtagswahlen zu 12 Niederlagen — sowie zum Verlust meiner Stimme. Auch hat die SPD in den letzten Jahrzehnten die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Als zweiter Grund darf Johannes Kahrs gelten, der hier in Hamburg seine (politische) Heimat hat — mit dem Seeheimer Kreis verbindet mit bekanntlich rein gar nichts. Bevor ich hier in Hamburg jemanden wie Johannes Kahrs unterstütze, springe ich lieber vom Fernsehturm. Der dritte Grund ist eben die oft zitierte Basis. 7 Jahre hat diese Schröder und Konsorten mitgetragen, den Wahlkampf Hand in Hand mit Gasgerd geführt. Nun wird diese Basis, die ja überhaupt nicht mit der Politik des Vorstandes einverstanden ist, mit Steinmeier und Müntefering Seit an Seit in den Wahlkampf ziehen. Perfekt ausdrücken tut dies Nico.

Sein Artikel ist die typische Argumentation der SPD-Oberen. Legenden werden gestrickt, so war natürlich die Schröder-Politik erfolgreich — genau, jeder 10. Bundesbürger ist mittlerweile auf Hilfe durch den Staat angewiesen, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich verweise jetzt nicht auf die weiteren unzähligen Quellen, die Gegenteiliges beweisen. So sehr Kritik an Kurt Beck angebracht war — die Worte freigemacht von einigem Ballast, zeigen, dass die Pragmatiker, die Netzwerker, die Seeheimer und die Basis der SPD mittlerweile jenseits von Gut und Böse agieren.  Dort wird für mich ein typisches SPD-Mitglied der Basis repräsentiert, Nico war für mich — und bevor jetzt Missverständnisse entstehen, natürlich nicht er persönlich, allgemein gesprochen — der letzte und auch entscheidende Grund, die SPD nicht zu wählen. Bei keiner Partei habe ich mich im Quarree unwohler gefühlt, wie bei der SPD. Insbesondere menschlich. Die SPD ist die Basis, die Basis ist die SPD. Ich empfehle jeden F!XMBR-Leser bei der nächsten Wahl in das Einkaufszentrum Eurer Wahl zu pilgern. Sprecht mit den einzelnen Parteien, auch mit denen, die Ihr nie wählen würdet (Ausnahme müssen natürlich die rechten Vollpfosten der NPD bleiben). Ihr werdet schnell feststellen, dass die getroffenen Entscheidungen in Berlin am politischen Stammtisch — gerade bei der SPD — noch als viel zu harmlos angesehen werden. Klar, den Schwachen muss man helfen — dieses Alibi wird dann im gleichen Atemzug wieder umgedreht, indem ein aber der hohe Missbrauch muss gestoppt werden angehängt wird. Die Realität da draußen ist fast noch grausamer, als die BILD-Schlagzeile.

Die BILD mag die BILD sein — und doch ist sie Volkes Wille, sie ist der Wille der SPD-Basis. Die Basis der SPD, die für eine ganz andere Politik steht, wie die Schrödianer, ist eine Legende — eine Legende, die ebenso wenig der Wahrheit entspricht, wie die Legende von König Artus und seiner Tafelrunde.

König Artus ist, vom aufmüpfigen Volk vertrieben, aber von den eigenen Anhängern immer noch geliebt und verehrt, dies zeigte sein letzter Auftritt hier in Hamburg, ins russische Exil geflohen. Seine edlen Ritter Sir Lancelot und Gawain ziehen nun in die Schlacht um die Krone Avalons. Zumindest geben sie dies vor — haben sie sich doch längst damit abgefunden, mit Königin Guinevere weiter gemeinsam dieses Land zu regieren und die Früchte des Volkes untereinander aufzuteilen. Zusammen sind sie weiter auf der Suche nach dem heiligen Gral — dem heiligen Gral des Kapitalismus. Ob das Volk aufbegehren wird? Es wird allmählich Zeit — auf die SPD-Basis darf man sich dabei aber nicht verlassen. Die ist genauso kritisch gegenüber der eigenen Führung wie es Prinz Eisenherz und Galahad gegenüber ihrem König waren. Das hat auch der heutige Tag gezeigt. Also, ich bitte Euch inständig — hört mir mit der Basis auf.1

  1. Und ja, dies war der letzte SPD-Artikel heute. 😉 []

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6 Antworten zu “Ach — hört mir doch mit der SPD-Basis auf”

  1. corax sagt:

    amazon weiß das schon längst wie ich heute erfahren musste:

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    Was soll man dazu noch sagen? :-)

    Glück auf!

  2. Sven sagt:

    Na endlich! Kurt Beck hat Position bezogen. Zwar hat er sich damit weitestgehend aus der Bundespolitik hinaus katapultiert, aber eine klare Aussage sind sein «durchkreutzt» und der Abgang schon. — Schade, daß «klare Kante» bei der Basis nur vorkommt, wenn Münte einen seiner Monologe hält…
    PS: Lustig war gestern der Heil bei der Will, der von klarer Beschlusslage und Hamburger Parteitag und so faselte. Bei diesem Parteitag gab es auch was zur Bahnreform. Schade, daß ihn in der Runde niemand auf die selektive Wahrnehmung von Parteitagsbeschlüssen hinwies…

  3. Thomas sagt:

    Dieses Zitat von Kurt Tucholsky passt (leider) immer noch:

    http://www.fixmbr.de/der-.….nt-19176

  4. Henry sagt:

    Wer ist denn überhaupt die Basis der SPD? Nach meiner völlig unbewiesenen Vermutung können es doch nur Leute sein, die nur noch aus Gewohnheit Mitglied sind, ihre Mitgliedschaft völlig vergessen haben (aka «Karteileichen») oder noch auf Pöstchen auf Unterbezirksebene oder in den Kommunalparlamenten warten.

    Wer sich für soziale Politik hat diese SPD doch schon seit längerem verlassen. Diese Ex-Basis sitzt nun resigniert zu Hause, engagiert sich in unparteiischen Projekten oder ist bei der Linken.

  5. salvo sagt:

    nach einem kurzen Blick auf die verlinkte Seite des ‘Basis-Sozialdemokraten’

    wenn das die Stimme der spd Basis ist, dann man als Sozialdemokrat wirklich alle Hoffnung fahren lassen. Sie pflegt die Realitätsverweigerung mindestens im gleichen Maße, wie ihre Führung, zu der ein populäres Mißverständnis sie bislang in Opposition stehend wähnte. Nein, dem ist nicht so. Das Übel ist mittlerweile auch an der Basis, oder dem, was davon übrig gebleiben ist, angekommen. Zum Davonlaufen.

    Sollte es wider Erwarten jemand in der ‘spd’ geben, der sich noch mit der Realität auseinandersetzen will, dem sei folgende Lektüre empfohlen:

    «Der realexistierende Demokratismus»

    http://das-blaettchen.de/.….nze.html

  6. […] hatte vor ein paar Tagen was schönes zur SPD-Basis geschrieben. Das gilt anscheinend inzwischen genau so auch für die […]

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