Abrüstung

Andere rüsten ihren PC jährlich auf, wenn nicht gar mehrmals im Jahr. Bullshit, imho, aber wen juckst — mein Geld ist es nicht, nicht mehr. Anfangs war ich auch mal dabei, eine Voodoo hier, die erste Geforce 256 dort etc., ok das waren auch bessere Zeiten ;), aber mit der Zeit bekommt man einen Blick fürs Wesentliche. Nein nicht dieser erwachsen-werden-hokus-pokus, mehr die Erkenntnis, das die Hochzeit der wirklich guten Spiele längst vorbei ist.

Was bedeutet das nun im Klartext? Nun mein Rechner ist immer noch mein Arbeitspferd, ein Dualcore und 1Gb Speicher zieren die Platine, doch schon die Grafikkarte mußte weichen. Vormals eine Nvidia Geforce 6600GT mit hübschem GDDR3 Speicher und extra Stromstecker, ist der Rechner nun mit einer 6200 bestückt, die unter Volllast knapp 12W zieht und auch sonst nur passiv gekühlt daher kommt.

Ich spiele immer noch gerne, echte Rollenspiele, echte Adventures, viel Retro Material, selbst Textadventures (Infocom, Magnetic Scrolls, …), Stoff für Jahrzehnte, nebenher auch mein geliebtes Quake3. Was nützt mir Shooter xyz oder Möchtegern-Rollenspiel abc, da wird mit blendender Grafik beeindruckt und das eigentliche Spiel geht gegen Null.

Leute schaut euch doch mal um, wo sind denn Spiele a la Monkey Island? Shooter im Stil von Duke Nukem oder Quake, Rollenspiele a la DSA oder gar Ultima, Wizardy etc.? Nichts aber auch gar nichts ist mehr davon vorhanden. Jede Menge Kopierschutz, massive Bugs, Grafik bekommt man heute, sprich fehlerhafte Grafikdemos für knapp 50?. Und dafür rüsten die Leute Grafikboliden für knapp 300–500? nach, wenn nicht sogar derer zwei oder auch drei, im sogenannten SLI-System. Ja man möchte das ultimative Grafikdemo, man hofft von Spiel zu Spiel, das jetzt doch mal endlich der Knaller mit Tiefgang erscheinen wird. Und das Ende vom Lied? Nun die eigenen Ansprüche sinken und sinken, bis man schließlich nur noch ein wenig Optik hinterher hechelt und dabei völlig vergessen hat, das man initial eigentlich mal spielen wollte.

Ein Beispiel auch die Entwicklung der sogenannten Strategiespiele, Realtime ist das Stichwort und gleichzeitig auch der Todesstoß für dieses Genre. Wer meint Realtime sei das nonplusultra, der hat wirklich noch kein echtes Strategiespiel gespielt. Realtime ist Rumgezuckel in Echtzeit, quasi ein Deathmatch mit diversen Einheiten. Echte Strategie erfordert Denkarbeit, Planung im Vorfeld, sprich rundenbasierte Strategie. Vielleicht wäre es mal wieder gut für die diversen Advokaten echtzeitbasierter Schlagabtauschspiele, mal ein echtes Strategiespiel ohne Computer zu absolvieren, für den Einstieg langt da schon Warhammer oder richtig edel … Schach. Versteht mich nicht falsch, Warcraft I-III ist Fun pur, aber auch keine Strategie, ebenso wenig wie C&C.
Aber ich schweife ab, jeder wie er kann und wie er sich halt seine Welt zurechtbaut. Man sollte jedoch in einem klaren Moment einmal überlegen, welche Unsummen man für Nichts investiert, beinahe wie ein Suchtgebahren. Egal, mir macht mein Computer immer noch Spaß, auch die Spiele, ich habe immer noch Power im PC, jedoch sinnvoll eingesetzt. Ich unterstütze keine Industrie mehr, die in Analogie zur Filmindustrie den Markt mit Müll überschwemmt.

Man kann es natürlich auch anders herum betrachten, mit jedem primär unsinnigen Kauf eines neuen Stücks Hardware, bekommt man zwar nur hübschere Demos geliefert, aber man unterstützt die deutsche Wirtschaft und sorgt für Arbeitsplätze 😉

Okay, eigentlich wollte ich nur sagen das ich meinen Rechner abrüstete, dieser nun ein Leisetreter mit weitaus weniger Hitzewallungen ist und das ich damit auf Dauer eine Menge Geld spare 😀

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11 Antworten zu “Abrüstung”

  1. Sammy sagt:

    Bei der Hardware bin ich auch nicht mehr ganz aktuell.

    Ursprünglich hatte ich mal geplant schon diesen Januar was Neues anzuschaffen. Als ich meinen alten PC (200 Mhz, 2 MB Grafik)vor 3 1/2 Jahren durch den jetzigen Laptop (2400+, Radeon 9000)ersetzt habe, freute ich mich wirklich auf ein paar neue Spiele. Dieses Gefühl dürfte bei einigen hier noch ein paar Jahrezehnte weiter zurückliegen. 😀
    Aber im Moment würde ich mich auf einen neuen PC mit aktuell Grafik einfach nicht mehr freuen. Deswegen habe ich auch noch keinen neuen angeschafft. Außer Videoschnitt fehlt mir schlicht der Anreitz. Keine Vorfreude mehr.

  2. itti sagt:

    Wo kann ich unterschreiben? Ich weis es sind Tonnen dieser «ich bin alt und früher war alles besser»-Artikel genau zur selben Thematik im Umlauf, aber da ich mich selbst genauso fühle kann ich nur sagen «damn right»… Wie geil war es früher vor dem Brotkasten zu sitzen «play on tape» zu «pressen» und schonmal das alte Spaßstöckchen warm zu knuddeln (i mean joystick…)?

    Wieviele Stunden habe ich mit meinen Kumpels vor Zeug wie Stonekeep, World Games oder gar Space Quest verbracht?

    Heute sitzt man alleine zuhause und baut sich die Uberkiste, immer strengstens darauf bedacht auch für die nächsten 2 Monate den «Größten» zu haben obwohl man nicht mal ein Spiel nennen könnte welches von diesem neuerlichen Vervierfachen der Rechenleistung profitieren könnte.

    Spätestens als die Leute angefangen haben sich sogenannte «Windows» in ihre Gehäuse zu «cutten» wars bei mir aus damit. Irgendwie hab ich auch den «spirit» verloren. Ich habe noch großartige Dinge wie Jagged Alliance 2, Baldurs Gate und selbstverständlich Planescap Torment vor mir, aber ich lass mir jetzt Zeit. Ich muss ja auch nicht Angst haben dass meine Hardware veraltet…

    Obwohl die neuesten Nvidia-Treiber «treiben» mich in den Wahnsinn, da sie bei jedem PC-Start behaupten meine GPU wäre SLI-fähig und warum ich das denn nicht nutzen würde… too sad nvidia — i got AGP :(

  3. Jan sagt:

    Auch wenn du es bestreitest, es klingt doch mächtig nach «Früher war alles besser» und Selbstrechtfertigung, warum du keine neuen Spiele mehr magst. Einfache Ursache: Du wirst alt, hast vieles gesehen und der Kick, der sich früher mal einstellte bei neuen Spielen, kommt nicht mehr. Tatsächlich ist das Spielen der alten Games eine Remineszenz an die unbeschwerte Jugend und die positiven Gefühle kommen wieder 😉

    Meine Grafikkarten hängen der aktuellen Generation immer zwei bis drei Jahre hinterher, mehr als 120 Euro habe ich noch nie dafür ausgegeben. Ich gebe dir insofern recht, dass es heute viel mehr Müll auf dem Spielemarkt gibt als früher und die Perlen besser versteckt sind. Eine nette Mischung aus Adventure, Schleichen und Shooter war die letzte positive Überraschung des laufenden Jahres für mich mit «Call of Cthulhu», lief weitestgehend am Massenmarkt vorbei, kein Grafikblender, sonder intensives Spielerlebnis (wenn man sich denn darauf einlässt) und sollte auch deine 6200 nicht ins Schwitzen bringen :)

  4. Grainger sagt:

    Ich rüste meinen PC nach wie vor mehr oder weniger regelmäßig auf, man darf aber auch nicht übersehen das dramatische Performance-Sprünge wie bei den Rechnern der ersten paar Generationen einfach nicht mehr machbar sind.

    Momentan habe ich ein A64-System mit einer 6600er Grafikkarte, das nächste System wird sicher eine Doppelkern-CPU, eine anständige PCIe-Grafikkarte und 2 GB RAM haben, aber damit warte ich noch bis ca. Ende des Jahres (aber noch vor der MWST-Erhöhung ;)).

    Bei den aktuellen Spielen wäre imho weniger oft mehr:

    weniger grafischer Overkill, mehr Spieltiefe
    weniger unnütze Features, wesentlich bessere Qualitätskontrolle (also weniger Bugs)

    Das letzte Spiel, das ich mir gegönnt habe, war Oblivion. Wenn man es erst einmal (mit viel Handarbeit an den Konfigdateien, schon so was ist eine Unverschämtheit) halbwegs anständig zum Laufen gebracht hat (und über die schlampigste Lokalisierung aller Zeiten hinweg sieht) ist das Staunen erst mal groß.

    Wunderschöne Grafik, ansprechende Effekte, usw.

    Aber nach ein paar Stunden Spielzeit stellt sich dann doch die große Langweile ein, letztendlich wiederholt sich alles, unterm Strich kaum (keine) neuen Ideen.

    Alles schon mal gesehen.

    Und so geht es mir mit vielen der neuen Spiele.

    Allerdings ist auch Jans Argument nicht von der Hand zu weisen: ich gehöre nun mal zu einer der ersten Generation von (neudeutsch) eGame-Spielern und habe schon auf dem Atari 2600 angefangen.

    Da hat man dann tatsächlich fast alles schon mal gesehen, sogar fast jeden nur denkbaren Genre-Mix.

    Und früher war sowieso alles besser.
    Da haben wir Fett auch noch mit u geschrieben. 😀

  5. itti sagt:

    genau in die presche «weniger grafik-pracht mehr spieltiefe» versucht doch gerade monolith mit «fear» und «condemned» zu springen. und dabei sind beide titel nicht annähernd hässlich oder altbacken. aber zumindst fear doch auch nur wieder ein klassischer shooter, der trotzdem nicht flach wirkt. wüd ich also mal antesten, imho ein paar der wenigen neuen perlen.

    was ich mich auch immer frage ist ob nicht die wahren spiele heute auf den konsolen ablaufen. da gibt es kaum anreiz für hardwareumsatz zu sorgen, da ist ein titel darauf angewiesen auf gegebener hardware zu überzeugen. aber auch der kauf eines game cubes hat mich nicht mit dem fernseh-zocker bereich warm werden lassen.

  6. Sammy sagt:

    Konsole und Computer nähern sich allerdings immer weiter an. Speziell MS rühmt sich damit Computer, Handy und PC enger zu verbinden und bietet wohl bald für das jeweilige System portierte Spiele an. Nennt sich «Live Anywhere». Also überall der gleiche Mist. 😀

    http://www.golem.de/0605/.….232.html

  7. Grainger sagt:

    F.E.A.R. fand ich nicht schlecht, die Grafik war durchaus ansprechend, aber auch schon recht ressourcenhungrig.

    Ein Freund vom mir spielt es zwar auf einem System mit einer 5900er GeForce, aber da muss man schon einige Kompromisse in Bezug auf die Qualität machen.

    Auf meiner 6600er lief es aber zufriedenstellend.

    Etwas wirklich neues hatte aber auch F.E.A.R. nicht zu bieten, Bullettime gab es vorher auch schon, ein ganz netter Shooter eben (muss ja auch nicht jeder gleich das Rad ein zweites Mal erfinden).

    Ich warte mal auf das neue Spiel (dessen Namen mir nicht einfallen will) von den Machern von Systemshock, das hört sich recht vielversprechend an.

    Und von Total Annihilation (das Spiel habe ich geliebt) ist ja auch ein «Nachfolger» angekündigt, der steht bei mir quasi schon auf dem Einkaufszettel.

    Im Gegensatz dazu erwarte ich mir von Stalker gar nichts mehr (falls es denn jemals erscheint), zu viel Hype im Vorfeld, zu viele Versprechungen und das was man bisher an Screenshots gesehen hat sah mir auch «getürkt» aus.

  8. itti sagt:

    eins hab ich vergessen… hab ich wirklich vergessen und ich frag mich wie es kommt… gothic! gothic 1 und auch 2 sollten doch heute auf jeder budget kiste lauffähig sein oder? klar die haben damals auch für ordentlich grafikkartenumsatz gesorgt aber man kann nicht sagen damit ne grafikdemo erhalten zu haben.

    eigentlich sinds sehr gute, weil für den deutschen markt taugliche, rollenspiele und das ist suspekt denn die eigentlichen rollenspielelemente wurden ganz weit ausgeklammert und man bekommt nur noch am rande etwas wie charakterbögen zu sehen. die lebendigkeit der spielwelt und die unschlagbare sprachausgabe machen, zumindest mir, ordentlich spaß.

    jetzt steht gothic 3 in den startlöchern und wurde (wenigstens zurecht) bereits sehr gehypet… allein deswegen wirds wohl nicht so überragend werden können, dazu sind die allgemeinen erwartungen einfach zu hoch. ausserdem, und da sind wir wieder beim punkt, wird für G3 ein systemupgrade mal wieder unvermeidlich.

  9. Oli sagt:

    @all & insbesondere Jan, ich bestreite es auch völlig das ich zu alt bin. Woran willst du das fest machen? Weil ich über 30 bin und bis vor 3–4 Monaten noch jeden Scheiß diesbezüglich mitmachte? Meine Zäsur fand nicht vor 10 Jahren statt, sondern vor ein paar Monaten, ich kenne also auch das Gros der aktuellen Titel
    Nun mal ehrlich, die meisten Filmklassiker finde ich z.B. auch in den 40ern-70ern, da lebte ich nicht, sondern kam gerade mal auf die Welt — insofern paßt auch nicht «früher war alles besser», da ich z.B. meine Jugend, die 80er, recht grottig fand, zum Teil.
    Wenn ich zu alt wäre, dürfte ich keine Rollenspiele mehr spielen oder Strategie etc. (nicht am Computer), wenn ich zu alt wäre dürfte ich diverse Sachen nicht mehr machen.

    Die heutigen Produkte werden halt nicht besser, indem ich einen fragwürdigen Altersgrund bemühe. Und ich bin auch immer noch der Ansicht, einige Dinge waren zu früheren Zeiten immer besser, bei jeder Generation.

    O Wunder Gothic, Planescape etc. kenne ich auch — so what? Ich muß ja wohl keine Liste führen, nur um zu beweisen, das es auch Leute gibt die nicht mit 30 den Spieltrieb ablegen :)
    Ich greif z.B. so manches Mal auch zu einem lustigen Taschenbuch und werde deswegen komisch angeschaut.
    Ist mir auch schnuppe, wer sich in Schablonen pressen läßt, wie hier teils unterstellt, der hat eh verloren. Mein Interessenbereich bewegt sich über mehrere Jahrzehnte, selbst vor meiner Geburt, insofern kann ich auch locker mal wieder ein grottiges Jahrzehnt, wie dieses, aussparen 😀

    P.S. eine PSP nenne ich auch mein eigen 😉

    Qualität statt Quantität paßt wohl eher und man kann halt mit der Zeit Blendwerke von wirklicher Qualität durchaus unterscheiden, klar muß man dafür etwas mehr kennen — aber ich kann z.B. auch etwas mit Graingers einstigen Lieblingen anfangen, da diese u.a. einen gewissen Charme inne haben. Erweitert man seinen Horizont ein wenig, bleibt vom heutigen Spieldebakel nicht sehr viel über.

  10. Robert sagt:

    Eine allumfassende Engine auf Open Source Basis wäre doch traumhaft.
    Man stelle sich eine Engine vor, die auf Win32, Linux und Mac läuft. Die Open Source ist. Die von allen Spielherstellern gemeinsam genutzt und erweitert wird. NVida und ATI würden gemeinsam einen Code schreiben, der ihre Grafikkarten maximal ausreizt.
    Die Spielehersteller würden ein großes Publikum erreichen, da die drei wichtigsten PC Plattformen unterstützt werden. Microsoft und Sony könnten doch auch eine Version für ihre Konsolen schreiben. Alles in einer Open Source Engine, die man bei Bedarf selbst kompilieren kann.
    Die Spielestudios könnten sich voll und ganz auf Spieltiefe, Handlung etc. konzentrieren und die Maps etc. in verschlüsselter Form verkaufen!
    Aus Benutzersicht kann man so seine bevorzugte Plattform benutzen. Und die Spieleentwickler könnten sich auf die Spiele nicht auf die Engine konzentrieren …
    Schöner Traum.

  11. Oli sagt:

    Es gibt sehr gute Opensource Engines, aber mal davon abgesehen entspricht gerade dieser Wunsch nach einer Engine, meiner obigen Kritik … sprich fehlendes Spiel :)

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