A new Beginning

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Ich bin ein Kind der Achtziger. Wir haben uns nicht die Nächte mit Counter Strike & Co. um die Ohren gehauen. Bei uns waren es Maniac Mansion, The Secret of Money Island, Zak McKracken oder Day of the Tentacle. 2D-Adventure-Spiele, Point & Click — noch heute werden die alten unübertroffenen Highlights aus der Schublade geholt. Es wird in eine Welt voller Charme, Rätsel und Witze eingetaucht. Diese Spiele sind einfach zeitlos, einfach Kult. Nun liegt ein neues Spiel auf meinem Schreibtisch: A new Beginning. Als ich das erste Mal von dem Spiel las, hat mich die Geschichte gleich angesprochen, sie ist hoch aktuell und verspricht zu fesseln. Eine globale Klimakatastrophe bedroht die Welt, es geht um Zeitreisen, die ersten Bilder versprechen einen charmanten Graphic-Novel-Look. Kann A new Beginning halten, was es verspricht?

Die Story

Im Jahr 2500 steht die Menschheit kur vor der Ausrottung. Die letzten Überlebenden des Klimawandels leben unter der Erde, eine bevorstehende Sonneneruption wird auch ihnen ein Ende bereiten. Eine Gruppe von Zeitpiloten reist in das Jahr 2050 um den Klimawandel aufzuhalten. Doch kommen sie zu spät. San Francisco und London sind fast vollständig zerstört und überflutet, Moskau unter Schneemassen begraben. Ein letzter Zeitsprung in die Achtziger und der Spieler findet sich am Ufer eines malerischen norwegischen Fjords wieder. Bent Svensson ist gerade dabei, die von ihm erfundene Maschine, den Fogger, zu reparieren. Währenddessen landet ein Hubschrauber. Die junge Fay behauptet, aus der Zukunft zu kommen und nur Bent könne die Welt noch retten. Bent glaubt ihr nicht. Vorerst.

Die Story bietet nicht nur Stoff für ein Adventure, sondern auch für einen Roman — entfernt lässt hier Frank Schätzing grüßen. Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, man macht den Klima-GAU zum Thema in einem PC-Spiel, so hätte ich lachend abgewunken. Doch A new Beginning schafft es perfekt, die Story umzusetzen. Die Geschichte ist glaubhaft, wird detailliert erzählt, neben den sympathischen Hauptdarstellern bietet das Spiel einen skrupellosen Energiekonzern, unfähige Politiker, nimmt den Kampf für besseren Umweltschutz an der einen oder anderen Stelle, und damit sich selbst, auf die Schippe. A new Beginning lässt sich in keine Kategorie einordnen. Es ist ein Öko– aber auch ein Wirtschaftsthriller, es ist aber ebenso ein Fantasy– und Science-Fiction-Thriller. Die Thematik wird auch im Jahr 2050 noch hochaktuell sein — und wer ahnt, warum ich mich am Ende an Terminator erinnert fühlte, kann mich gerne per E-Mail anschreiben.

Kurzum: Die Story ist mit das beste, was das Adventure-Genre seit Jahren hervorgebracht hat. Das Spiel möchte nicht belehren, sondern auf spannende Art und Weise unterhalten. Diese Gratwanderung gelingt auf beeindruckende Art und Weise. Die Hauptcharaktere sind sympathisch, Fay wie auch Bent haben ihre eigenen Fehler, man kann sich sofort mit ihnen identifizieren. Die restlichen Charaktere verblassen dabei schon fast — selten hat das Steuern eines Charakters mehr Sympathie mitgebracht. Gut, Guybrush Threepwood wird wahrscheinlich immer unerreicht bleiben.

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Die Grafik

Zum Charme des Spiels gehört natürlich auch die Grafik. A new Beginning verzichtet zugunsten der Story auf gewaltige Grafikeffekte. Zwischensequenzen werden nicht per Video, sondern im Comic-Style dargestellt. Was sich nun altbacken anhört, ist es mitnichten. Es gehört schlicht und ergreifend zum Spiel dazu. A new Beginning hat seinen ganz eigenen Charme, eine fesselnde Atmosphäre zu der auch die Grafik gehört. Das Stilmittel passt perfekt zur Story.

Der Sound

Der Sound selbst ist solide, wie man es von einem Spiel heutzutage erwarten kann. Der Soundtrack zum Spiel jedoch, der bei der ersten Auflage per CD mitgeliefert wird, ist großartig. Ich verzichte einfach mal auf Worte — auf der Homepage können zwei Tracks angehört werden. Die Tracks passen einfach wunderbar zu der Atmosphäre jeden Kapitels, da wurde verdammt gute Arbeit geleistet. Selten lohnte es sich bei einem Spiel, die Scheibe in den CD-Player zu legen, sie zu starten und sich einfach zurückzulehnen.

Steuerung

Die Steuerung von A new Beginning hat man sehr schnell erlernt. Ein rechter Mausklick, und das Inventar öffnet sich. Mit der linken Maustaste wird interagiert. Als besonders hilfreich entwickelt sich in manchen Situationen die Leertaste. Ein Klick und alle Orte auf dem Bildschirm werden angezeigt, mit denen interagiert werden kann, wo die Charaktere hingesteuert werden können oder mit welchen Personen gesprochen werden kann. Ich würde fast behaupten, dass das KISS-Prinzip hier beherzigt wurde. Auf unnötigen Schnickschnack wurde verzichtet. A New Beginning konzentriert sich auf das Wesentliche und hebt sich auch hier über manch anderes Spiel deutlich ab.

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Rätselspaß

Eingefleischte Adventure-Fans werden das Spiel schnell durchgespielt haben, ich selbst hatte es innerhalb von rund 12 Stunden durch. Oftmals ist es zu linear, so dass man kaum eine andere Möglichkeit hat, als mit den wenigen Dingen im Inventar und den Möglichkeiten auf dem Bildschirm zu interagieren. Hier wäre ein wenig mehr, mehr gewesen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Szenen, bei denen man knobeln muss — und es kann dann schon einige Zeit vergehen, bis man die Lösung gefunden hat. Das Spiel bietet zudem kleine Minirätsel, die zu lösen sind — so muss zum Beispiel eine Anlage per Fernglas ausspioniert werden, diese ist auf dem Bildschirm in Planquadrate eingeteilt. Hat der Spieler nach drei Minuten die Lösung nicht gefunden, kann die Szene übersprungen werden, ohne dass es Einfluss auf den Fortgang des Spieles hat.

Für Adventure-Fans ist der Rätselspaß ein wenig zu einfach gehalten — doch wird das durch die oben genannten Punkte wettgemacht. Man fühlt sich inmitten eines Thrillers, manchmal ist das Lösen der Rätsel da nur noch zweitrangig. Für Anfänger kann die eine oder andere Situation durchaus zu einem Frustfaktor werden — doch hier gilt, Lehrjahre sind kein Herrenjahre. Die Mischung stimmt nicht ganz, ist aber zu vernachlässigen. Das Gesamtpaket passt einfach.

Leopardenmodus

Aus gegebenem Anlass verweise ich aus einem Punkt in der Bedienungsanleitung: «Entgegen anderslautender Gerüchte, möchten wir an dieser Stelle noch einmal betonen, dass A New Beginning KEINEN geheimen Leopardenmodus enthält. Es ist nicht, wir betonen NICHT möglich, diesen durch zweimaliges Bewegen der Maus nach links, rechts, oben und unten, anschließendem zweimaligen Drücken der rechten und linken Maustaste, dem Drehen des Mausrades um 30° nach unten und abschließendem kreisförmigen Bewegender der Maus um 720° im Uhrzeigersinn zu aktivieren. Probieren Sie es also gar nicht erst aus.»

Abstürze

Eine aktuell entscheidende Schwäche des Spiels soll nicht verschwiegen werden: Bereits nach wenigen Minuten hatte ich den ersten Absturz zu vermelden, gerade in Kapitel 1 und Kapitel 6 passiert dies sehr häufig. Es kann durchaus der Eindruck entstehen, dass hier ein unfertiges Produkt ausgeliefert wurde. Die Google-Suche nach A new Beginning und Abstürze liefert unzählige Ergebnisse. Auch gibt es Meldungen, dass dabei das Safegame zerstört wurde — den Umstand kann ich nicht bestätigen. Die Entwickler haben sich dem Problem angenommen — es wird nächste Woche ein Patch erwartet. Das trübt das Gesamtbild (noch) erheblich.

Nachtrag: Der Patch ist raus. Sieht sehr gut aus. Erster Test: ein knappes Stündchen ohne Abstürze.

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Fazit

Wenn die Entwickler die Absturzproblematik in den Griff bekommen, ist A new Beginning ein absoluter Kauftipp. Es erinnert nicht an alte Zeiten, es bringt seinen eigenen Charme, seine eigene Story, seine eigenen Charaktere mit. Ich habe mich lange nicht mehr so von einem Computerspiel unterhalten gefühlt. Die Atmosphäre ist schlicht und ergreifend stimmig, die Story harmoniert mit ihren Hauptcharakteren, der Soundtrack hebt die Stimmung hervor, der Spieler ist in seinem eigenen Thriller gefangen. Wer jetzt noch zuschlägt und ein Exemplar der Erstauflage ergattert, kann sich freuen. Der Auflage liegt eine CD mit dem Soundtrack, ein Poster und ausführliches Handbuch bei. Alle Extras fügen sich in den Charme des Spiels ein.

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3 Antworten zu “A new Beginning”

  1. Kleine Anekdote am Rande: ich habe die Pressemappe von A new Beginning bekommen. Mit dabei: Informationen zum fiktiven Unternehmen Indez Industries. Auch ein Pin ist dabei:

    Atomkraft? Ja bitte!

    😀

  2. Herm sagt:

    Daedalic ist bereits durch einige hervorragende Adventures aufgefallen, falls für dich A New Beginning das erste Spiel von Daedalic sein sollte, empfehle ich dir dringend die beiden Vorgänger «Edna bricht aus» & «the whispered world». Besonders ersteres hat mich stundenlang durch morbiden zynischen Humor unterhalten und kommt an die oben genannten Klassiker meiner Meinung nach ran. Storytechnisch ist das natürlich alles lange nicht so faszinierend und neu wie A New Beginning, was einen in Anbetracht der Themenwahl wohl nicht überraschen wird.

    Solltest du das alles schon gewusst haben, macht nichts. Schadet nie, ein paar gute Adventures aus sympathischer kleiner Spieleschmiede zu empfehlen.

  3. Rob sagt:

    Vorab: New Beginning hat mir sehr gut gefallen, obwohl mich die Comic-Cutscenes in den Teasern ziemlich abgeschreckt hat.
    Insbesondere die Rätsel und der Wissenschaftler waren sehr unterhaltsam. Weibliche Charactere wie Fay sind in den letzten Adventures, die ich gespielt habe, eher naiv, einfach und ziemlich uninteressant zu spielen, da Charakterentwicklung oft zu kurz kommt.

    Anders war es bei Edna bricht aus, wo man erstens ziemlich ins kalte Wasser fällt und erst mit der Zeit herausbekommt, was eigentlich in der Vergangenheit verborgen ist und was tun ist.
    So gesehen ist „Edna bricht aus“ aus meiner Sicht wesentlich innovativer und im Gegensatz zu der Ökoweltrettergeschichte mit seinem Psychatriekontext erfrischender.
    Insbesondere wegen des Endes, was bei A bew beginning ziemlich vorhersehbar war.
    Spiel das mal, falls Du es noch nicht kennst und vor allem lese dazu sowenig wie möglich. :)

    , obwohl die flashartige, Billoaufmauchung

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