A Better Tomorrow — Futter für den Feedreader

Ich hatte A Better Tomorrow schon einmal verlinkt. Oft ist so ein Link eine Eintagsfliege – das Blog von FoolDC entwickelt sich zu einem Dauerbrenner, welches zur täglichen Lektüre einlädt. Ich schaue im Moment ziemlich fassungslos Richtung Berlin, wo sich zeigt, wie sehr die Parteien denken, insbesondere die CDU, Ihnen gehöre dieses Land und die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender. Politiker sind nicht eine Gefahr für die Demokratie, sondern ihre Grundlage – allein dieser Satz von Roland zeigt einen gewissen Größenwahn und ein krudes Verständnis unserer Demokratie und unserer Gesellschaft. Wir sollten Carmen Everts, Dagmar Metzger, Silke Tesch und Jürgen Walter danken, dass sie es möglich gemacht haben, dass so ein Politiker weiter sein Amt ausüben kann. Schlimm, ganz schlimm. Doch darum soll es hier nicht gehen. Heute wurde bekannt, dass Nikolaus Brender wohl von unserer Bundeskanzlerin persönlich abgesägt werden soll. Er sei zu unbequem, heißt es auf Spiegel Online. Angela Merkel scheint ebenso ein großes Problem mit unserer Demokratie, unserem Rechtsstaat und dieser Gesellschaft zu haben. Unfassbar. Ich möchte mich heute über solche zweifelhaften Demokraten nicht weiter ärgern. FoolDC schreibt:

Was da aus dem Kanzleramt durchgesteckt wird, macht mich sprachlos: Bender soll zu undiplomatisch sein und sich nicht an die Spielregeln halten? Aber das ist doch genau sein Job, oder? Offenbar denkt die Politik tatsächlich, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei sowas wie Parteien-TV. Das Problem ist aber nicht Bender, sondern liegt eher bei den handzahmen Stichwortgebern, genannt hier Deppendorf und Frey, Liste beliebig erweiterbar und beginnend mit Will, Illner und Konsorten.

Wenn FoolDC so weiter macht, wird er auch noch von der FAZ weggekauft. 😉

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7 Antworten zu “A Better Tomorrow — Futter für den Feedreader”

  1. FoolDC sagt:

    Danke für die Blumen. Ich rechne auch stündlich mit dem Anruf der FAZ 😉

    Re: Everts, Tesch, Walter und Metzger – ich bin nicht sicher, ob ich dich da richtig verstehe. Die Vier haben aus meiner Sicht genau das Richtige getan. Dass die «Verräter» mit der Verhinderung eines roten Partei-Apparatschiks einen schwarzen ins Amt gebracht haben, ist weniger ihnen anzulasten als vielmehr ein Problem unserer Parteien-Demokratie.

  2. Chris sagt:

    Rot-Rot-Grün wäre genau das richtige gewesen, um Inhalte durchzusetzen. Wenn es aber ideologisch nicht passt, wie ich es auch bei Dir herauslese — die konservativen Medien seien nur nebenbei erwähnt — dann ist es natürlich schwer, darüber auch nur zu sprechen. Jakob Augstein hat im Leitartikel des aktuellen Freitag geschrieben:

    Und Ideologien sind immer unvernünftig.

    Siehst Du irgendwo ein rotes Partei-Apparatschik in Berlin oder im Osten der Republik? Also. Was da im Moment läuft, ist mediale und politische Volksverdummung. Nimmt man die Linke in die Verwantwortung, hält kein Kommunismus in Deutschland Einzug, im Gegenteil, man zeigt, dass sie auch nur mit Wasser kochen. Siehe Berlin.

    Und alles, selbst ein roter Partei-Apparatschik, wäre besser gewesen wie dieser brutalstmögliche Verwalter jüdischer Vermächtnisse…

  3. FoolDC sagt:

    Ich meine das ideologiefrei: Mir passt persönlich weder die Linie Ypsilantis noch das, was Koch veranstaltet. Die Vier sind für ihre Überzeugung eingetreten und das war richtig. Eine Partei muss das aushalten und darf sich auch nicht wegen eines vermeintlich höheren Guts (deine durchzusetzenden Inhalte) über bestimmte demokratische Prinzipien hinwegsetzen – was Ypsilanti versucht hat.

    Dabei ist völlig unerheblich , ob das Ziel links, rechts, richtig oder falsch ist. Ich kann nicht Koch für einen durchtriebenen Machtpolitiker (der er ohne Zweifel ist) halten, es gleichzeitig im Hinblick auf die hehren Ziele aber gutheißen, das die SPD ihren Wählern einen vom Pferd erzählt und nach der Wahl macht, was sie will. Das ist ein Tabubruch, der sich nicht rechtfertigen lässt.

  4. Chris sagt:

    Dass der Fehler vor der Wahl gemacht wurde, auf keinen Fall mit den Linken, bezweifelt auch niemand. Aber mir ist dann lieber, sie bricht dieses Versprechen, als wenn sie dann auf einmal mit der CDU oder (wenn diese mitgespielt hätte) der FDP gemeinsame Sache macht und die Inhalte verrät. Parteien und Politiker sind austauschbar, Inhalte sind für die Menschen wichtig. Ypsilanti wollte ihre Inhalte umsetzen und genau an diesem Punkt begann das mediale Kesseltreiben.

    Die Linke waren den Leuten, der BILD, der FAZ, ich nenne sie immer aufrechte Deutsche doch egal. Sie wollten Inhalte verhindern. Nicht mehr und nicht weniger. Dass diese Inhalte sich nur mit der Linkspartei umsetzen ließen, war das persönliche Dilemma der Andrea Ypsilanti. Und das Verhalten der vier Abweichler war verlogen, um nicht zu sagen dreckig.

    Ich würde fast sagen, Hessen war der vorerst letzte erfolgreiche Kampf des Neoliberalismus und seiner Lakaien in Politik und Medien. Heute würde es anders laufen und Andrea Ypsilanti könnte inhaltlich ganz anders argumentieren — mit der Erfahrung der letzten Monate.

    Was ist Dir lieber? Ist es die Partei oder sind es die Inhalte?

  5. FoolDC sagt:

    Weder noch. Ich kann mich weder für die Partei noch ihre Inhalte erwärmen, das gilt übrigens für beide Seiten des Spektrums. Mir geht es um gewisse Prinzipien. Der laxe Umgang des Polit-Establishments damit trägt m.E. zur aktuellen Politikverdrossenheit bei. Zumindest bei mir ;-).

  6. dakira sagt:

    Dass Roland Koch eine absolute Unperson ist, steht ausser Frage. Mit einem Punkt im verlinkten FAZ-Interview, hat er aber absolut Recht:
    Die ZDF-Nachrichten sind absoluter Schrott. Ich habe mir neulich mal aus Versehen das heute Journal geschaut und hab mich fast totgelacht, wie unserioes dieses Format ist. Wer serioese Nachrichten sehen will, der schaut die tagesschau. Es geht schon damit los, dass die Moderatoren in ihre Moderation Kommenare einbauen, mit denen sie besonders cool und witzig wirken wollen. Und mit Beitraegen auf dem Niveau der RTL2 action-news (meist gg. Ende der Sendung) mit denen man sich der Zielgruppe des Unterschichten-TV anbiedern moechte, ist dann auch bei mir Schluss.

    Ich bin zwar auch der Meinung, dass die Entscheidung gegen Brender politisch ist, aber im ZDF steckt einfach der Wurm.

  7. dekkert sagt:

    1)
    »Die Vier sind für ihre Überzeugung eingetreten und das war richtig

    Das muss bezweifelt werden. Ich bin der Meinung, wäre Herr Walter Wirtschaftminister geworden, hätte er (fast) alles mit seinem Gewissen vereinbaren können.

    Soweit ich es gehört habe, haben die 4 auch noch 3–4 Tage vor dem Montag in persönlichen Statements mitgeteilt, dass sie natürlich die Linie mittragen.

    2)
    Die Politik leidet darunter, dass sie den unredlichen überlassen wird. Daher mitmachen und einmischen. Bei den kleinen Parteien kann man kommunalpolitisch immer mitarbeiten und auch auf Landesebene liegt die Arbeit rum und wartet erledigt zu werden. Demokratie strengt halt an, Raushalten ist zu einfach!

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