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Der neue Rassismus in unserem demokratisch legitimierten Feudalsystem

obdachlos

Wir haben schon öfter darauf hingewiesen — die Schwächsten unserer Gesellschaft verlieren immer mehr an Halt. Die Arbeitslosen kämpfen nicht nur Tag für Tag ums Überleben — auch innerhalb der Gesellschaft werden sie verachtet, verspottet, diskriminiert. Erst kürzlich hat eine Langzeitstudie der Universität Berlin gezeigt, dass die Arbeitslosen die Ausländer der heutigen Zeit sind — wobei selbst in diesem Satz, die Ausländer, schon eine Form des Rassismus steckt. In unserer neoliberal geprägten Leistungsgesellschaft sind sie andersartig — gleichzeitig haben die Menschen große Angst. Sie haben Angst, ebenso abzurutschen, morgen bereits in den langen Schlangen vor den Arbeitsagenturen zu stehen, ebenso mit Hartz IV hungern zu müssen. Gleichzeitig grenzt man sich natürlich ab — man ist etwas besseres, als die da. Offene Anfeindungen sind mittlerweile üblich — sei es nun bei etablierten Medien der Fall, bei ehemaligen Superminister, die von Parasiten schwadronieren oder bei kleinen Berliner Hassbloggern, die mit dieser Art von Rassismus versuchen, andere Menschen zu diskreditieren — dumm nur, wenn es nicht greift.

Arbeitslose sind die neuen Fremden — warum eigentlich? Natürlich sehe auch ich täglich eine bestimmte Klientel, gerade wenn man jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Und natürlich haben sie ihr Bier in der Hand und es geht nicht wirklich ein angenehmer Geruch von ihnen aus. Doch sind es immer und immer wieder dieselben Leute — ich würde mir ja fast Sorgen machen, wenn aus den zwei Gruppen, denen ich täglich begegne, mal jemand fehlen würde. Nur — die Gesellschaft überträgt dieses Verhalten auf alle Arbeitslosen. Diplomatisch ausgedrückt:  Hier werden Vorurteile ausgelebt. Realistisch gesagt: Es ist Rassismus in Reinkultur. Ich behaupte: Ein Großteil der Arbeitslosen in diesem Land will arbeiten, will die Miete, das Essen vom eigenen Geld bezahlen können. Eine Gesellschaft, wie die unsere, muss die täglichen Biertrinker aushalten. Hier werden falsche Prioritäten gesetzt. Anstelle denen zu helfen, die wollen, die Abzocker Abzocker sein zu lassen, werden aufgrund eben dieser falschen Prioritäten alle über einen Kamm geschert und auch die, die wirklich alles tun würden, vom Staat verfolgt und erdrückt — und so sitzen auch viele derer die nichts lieber täten als arbeiten, resigniert auf dem Sofa. Diese falsche Politik ist gesellschaftlicher Sprengstoff. Die Mittelschicht zerfällt immer mehr — es ist zu erwarten, dass die Unterschicht rein zahlenmäßig bald die größte Schicht in diesem Land ist. Neben den offiziellen Arbeitslosen arbeiten rund 22% der Deutschen im Niedriglohnsektor. Wir laufen den USA den Rang als Billiglohnland Nummer 1 unter den Industriestaaten ab.

Die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Dadurch, dass die Politik immer und immer wieder von Chancen für alle oder Chancengleichheit spricht, wird dieser neue Rassismus gefördert und politisch sowie gesellschaftlich legitimiert. Die, die auf der Strecke bleiben, haben selbst schuld — sie hatten ja alle Chancen, die diese Gesellschaft zu bieten hat. Dass eben diese Gesellschaft insbesondere für die Unterschicht, aber auch mittlerweile für große Teile der Mittelschicht keine Chancen bereithält, übersehen die Leute — es verwundert beim täglichen Überlebenskampf kaum. Diese Gesellschaft, unser Land braucht eine neue Verteilungsgerechtigkeit — hier liegt vielleicht das Fünkchen Hoffnung für unsere Zukunft. Unser Land, unsere Gesellschaft wird Jahr für Jahr reicher — zumindest im Durchschnitt. Nur was nützt es, wenn zum Schluss die normalen Bürger in den roten Zahlen rutschen, wenn wenige ihre Nullen auf dem Konto gar nicht mehr zählen können. Das hat auch nichts mit Neid zu tun — hier geht es um das Überleben unserer ach so modernen Gesellschaftsform.

Auch wenn es in den alten Bundesländern noch 2/3 der Menschen sind — in den neuen Bundesländern glauben nur noch 44% der Menschen, dass unsere Demokratie funktioniert. Das ist keine Momentaufnahme, weil gerade ein politischer Skandal durch die Medien getrieben wird. Unser Land wird in seinen Grundfesten erschüttert. Die nächsten Zahlen sind auch nicht weiter verwunderlich — 50% der Menschen im Westen vertrauen noch der sozialen Marktwirtschaft, im Osten ist es nur noch jeder dritte Bürger. Dieses Land zerfällt — es muss gar nicht die große Revolution geben, von der viele sogenannte Linke im Internet immer wieder träumen. Wir sind mittendrin — ohne dass auf den Straßen gekämpft wird. Die selbsternannte Elite grenzt sich immer weiter ab, die Menschen in den unteren Schichten bleiben unter sich. Ein feudalistisches System unter dem Deckmantel der Demokratie. Wir leben in keiner Demokratie mehr — vielmehr würde ich sagen, dass es sich um ein demokratisch legitimiertes Feudalsystem handelt. Ein Austausch zwischen den Schichten findet nicht mehr statt. Leistungseltite, Leistung muss sich wieder lohnen — so die neuen Werbesprüche der Mächtigen. Wer will diesen Worten schon widersprechen? Dabei geht es um nichts anderes, als den Status Quo zu bewahren — natürlich kann die Oberschicht die Studiengebühren aus der Portokasse zahlen, während für viele Unterschicht’ler das Studium unmöglich gemacht wird. Nur mit Leistung hat das nichts zu tun.

gut gehts

Erst wenn sich eine Diskussion über eine neue Verteilungsgerechtigkeit entwickelt, kann sich sowas, wie eine moderne Gesellschaft, ein Miteinander im 3. Jahrtausend entwickeln. Die da sind nicht anders. Es sind Menschen wie Du und ich. Es sind Menschen, die Hilfe benötigen. Es sind Menschen, denen viele durchaus abgeben könnten. Ebenso, das sei auch angemerkt, sind nicht alle Unternehmer die dadie da, die abzocken, ob der Rendite Leute entlassen, Politiker kaufen, den Staat betrügen. Unzählige Unternehmer leiden unter den abschreckenden Beispielen Zumwinkel & Co. ebenso wie die Arbeitslosen unter den Biertrinkern im Park und am Bahnhof  leiden. Wenn sich dieser Tatsache erst alle bewusst werden, kann diese neue Diskussion entstehen. Am Zug ist die Politik, sind die Mächtigen, die Manager, die Industriellen — die Menschen, die Bürger haben dafür kaum noch die Kraft. Die Frage ist: Ist es gewollt, oder nicht? Nicht so sehr von der Politik, sondern von den Menschen selbst. Wenn immer es einen Menschen gibt, den man als den da bezeichnen kann, fühlt man sich selbst besser — eben ein demokratisch legitimiertes Feudalsystem, mit großer Freude von wenigen angeführt sowie ausgeführt. Starke Führer braucht das Land — dafür sind die Menschen sogar bereit, viele Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Die Frage ist wirklich, ob Besserung in Sicht ist. Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels — es wird sich noch weiter verschärfen.