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StudiVZ und der Datenschutz — mal wieder [Update]

Okay, hat wer allen Ernstes geglaubt, StudiVZ sei eine Gruschel-Community wo sich alle lieb haben, gruscheln, Partys feiern und ab und zu fällt mal für die Herren der Schöpfung ein Mädel ab? Gut, falsche Frage — die lieben Studenten werden die Frage mit ja beantworten. Anders: Mich wundern die neuen AGB’s vom StudiVZ [1] nicht wirklich. Das [2] ist [3] nur [4] die [5] logische [6] Folge [7] des [8] bisherigen [9] Auftretens [10]das [11] Interesse [12] liegt [13] weder [14] beim [15] Nutzer [16], noch bei der Community, nicht bei den Menschen — einzig und allein das Geld ist relevant. Wieviel Geld scheffele ich in kürzester Zeit mit dieser Plattform — die Gründer haben es perfekt vorgemacht, nun versucht sich Holtzbrinck daran. Wie aber überall zu hören ist, mit wenig Erfolg, der Laden soll rote Zahlen schreiben. Auch das überrascht nicht wirklich. Nun muss also personenbezogene Werbung her — die Mitglieder sollen sogar per Handy oder Instant Messenger belästigt werden. Das könnte sogar klappen — von den Mitgliedern dieser Plattform halte ich nicht wirklich viel, kritisches Denken, ein sensibler Umgang mit den eigenen personenbezogenen Daten ist da nicht zu erwarten. Würde der Bundestag morgen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung abschaffen, gäbe es noch am selben Tag eine StudiVZ-Gruppe mit dem Namen Informationelle Selbstbestimmung — häh?

Die interessanteste Information in den Berichten rund um den Globus in manchen Online-Ausgaben findet man bei Heise im letzten Absatz [17]. Dort schreibt der Autor:

Auffällig ist auch der Punkt 3.3 der neuen AGB. Anders als bisher wird den Teilnehmern nicht mehr das Recht eingeräumt, die Daten bei StudiVZ löschen zu lassen. Das Unternehmen versichert nur, dass die persönlichen Daten nicht mehr über die StudiVZ-Plattform einsehbar sind.

Das ist die eigentliche Unverschämtheit — inwieweit dieser Punkt mit dem Recht auf informationeller Selbstbestimmung vereinbar ist, wird sicherlich irgendwann von einem Gericht geklärt werden. Im Klartext liebe Studenten: Ihr seid hier und heute die Party-People. Euch mag das alles alles völlig egal, heute zumindest noch. Irgendwann kommt dann vielleicht die Erleuchtung, Ihr kündigt im StudiVZ Eure Mitgliedschaft — Eure personenbezogenen Daten jedoch bleiben dort — zwar nicht mehr einsehbar für andere, aber für die Betreiber, die Mitarbeiter, wahrscheinlich sogar die Werbepartner des StudiVZ. Wenn Ihr jetzt die neuen AGB’s akzeptiert, gehören Eure personenbezogenen Daten bis an Euer Lebensende, bis an das Ende vom StudiVZ eben demselben. Ich glaube nicht, dass diese neuerliche Unverschämtheit, dieser direkte Angriff auf die informationelle Selbstbestimmung von 4 Mio. Usern bei den Studenten zu einem Umdenken führt. Party on Wayne, Party on Garth. 😉

studiVZ owns you

Man könnte natürlich seine Daten auch ein wenig ändern, so zum Beispiel die Fotos löschen oder auch eine Namensänderung vornehmen — als eMail-Adresse würde ich eine von spam.la [18] oder temporaryinbox.com [19] empfehlen. Empfehlen kann ich nicht, die Telefonnummern und andere Daten der Gründer und der derzeitigen Führung in das eigene Profil einzutragen, das wäre ein Missbrauch derer Daten. Liebe Studenten — Ihr seid alt genug, Ihr müsst wissen, was Ihr tut. Aber ich bin ja schon still — selbst dieser neuerliche Angriff des StudiVZ auf Euch wird nicht interessieren. Na, Party fürs Wochenende schon geplant? 😉

Bild: F!XMBR inspiriert von Kooptech, die es mit einem einfachen Satz — StudiVZ owns you! [20] — auf den Punkt brachten.

Nachtrag: Das virtuelle Datenschutzbüro berichtet [21]:

Nach dem heftigen Echo hat StudiVZ eine überarbeite Version der neuen AGB versendet, in denen Werbung per SMS oder Instant-Messaging-Programmen an hinterlegte Nummer nicht mehr erlaubt wird. Zudem wurde der Absatz bezüglich des Beendens von Mitgliedschaften so geändert, dass klar ist, dass bei einer Abmeldung die vorhandenen Daten gelöscht werden.

Ich lasse das einfach mal mit einem Bedauern, dass es bzgl. der Löschung der Daten wohl nun doch nicht zu einem Prozess kommt, so im Raume stehen… 😉

Btw — wieso bekommt mein Fake-Account Account zum Recherchieren und Nachlesen keine AGB’s zugeschickt? Zwei Freunde, die an der vermeintlich selben Uni studieren, hat er schon… 😀