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Die wahrscheinlich treffendste Analyse von BILDblog.de…

BILDblog-Leserliefert Christian auf seinem JakBlog. Er vergleicht BILDblog.de mit Bastian Sick, der mit seiner kleinen Zwiebelfischkolumne auf SPIEGEL Online zu einem mittelständischen Unternehmen gewachsen ist. Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod zählt mittlerweile 3 Bücher, Sick geht auf Deutschlandrundreise, Marketing wohin das Auge blickt. Zwiebelfisch ist Entertainment — genauso wie BILDblog.de, wie Christian schreibt. Natürlich hat er damit Recht — getroffene Hunde bellen, das beweist schon allein die Reaktion von Stefan Niggemeier selbst, der die Abrechnung mit Christan gleich seiner Leserschaft überlässt — eine Leserschaft im Übrigen, wo manche Kommentare in der Vergangenheit, gerade wenn es um Call-in-TV ging, an die WELT erinnerten. Heute gibt man sich moderater, gebilderter, und beginnt Kommentare mit: Auch wenn ich mich jetzt der Servilität, Dumpfbeuteligkeit und des heuchlerischen Gutmenschentums verdächtig mache. Was folgt, ist im positivsten Fall der Vorwurf der Nörgelei an Christan — stichhaltige Argumente? Fehlanzeige. Das Problem, welches Christian eher diplomatisch anspricht: Beides ist mittlerweile zum Entertainment-Trash verkommen, Zwiebelfisch wie auch BILDblog.de.

Da wird von BILDblog.de ein Werbespot zelebriert, weil Anke Engelke und Christoph Maria Herbst ohne Gage auftreten. Das sind zwei Personen, die angeblich die Superstars der Comedy in unserem Land sind — und doch muss man ihnen entgegenhalten, dass sie die ersten sind, die die Medien für die eigenen PR nutzen, im Falle Herbst sogar mehrfach die BILD selbst. Und doch sind diese beiden Personen kein Vergleich zu wirklich großen Künstlern, wie zum Beispiel die gerade verstorbene Evelyn Hamann oder dem unerreichten Loriot, Vicco von Bülow. Engelke und Herbst sind meiner Meinung nach Trash-Comedy inmitten des heutigen medialen Overkills. Trash-Kultur meets BILDblog.de — das wohl bekannteste Medium des Mysteriums Web 2.0.

Es reiht sich nahtlos an, dass die durch den Qualitätssender VIVA bekannt gewordene Charlotte Roche nun eine BILDblog-Lesung mit den beiden Machern Niggemeier und Schultheis abgehalten hat. VIVA und Pro Sieben finden sich ebenso in ihrem Lebenslauf, wie Brainpool. Das ist schon alles sehr beeindruckend — und wenn Niggemeier auf seinem Blog dann Fettes Brot feiert, weil diese bei der Lesung für die Musik gesorgt haben, dann muss ich erstmal nachlesen, wer Fettes Brot überhaupt sind. Marcel Reich-Ranicki wird vielleicht den wenigsten der BILDblog.de-Leserschaft ein Begriff sein, und doch wäre das ein ganz anderer Schnack gewesen, als die dortigen Brainpool-Ikonen. Man gibt sich selbst kritisch, man stellt sich selbst über BILD — und doch arbeitet man mit ähnlichen Methoden und sei es nur die Platzierung des BILDblog.de-Werbesports, der im Umfeld von Call-in-TV gezeigt wurde.

BILDblog.de ist mit seinen Haupt– und Werbedarstellern die neue Trash-Kultur des Web 2.0. Es geht nicht mehr darum, der BILD einen Spiegel vorzuhalten — oder gar die Welt zu verändern. Wenn das Publikum von BILDblog.de wirklich der politisch-kritisch denkende Nachwuchs ist, wie die taz in einem fragwürdigen überschwenglichen Artikel schreibt, bleibt nur die Frage: Wer von diesen Leuten braucht BILDblog.de? Jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch, jede Person, die sich halbwegs kritisch mit den Begebenheiten in unserem Land auseinandersetzt, benötigt es schlicht und ergreifend nicht. Jeder Mensch, der regelmäßig auf F!XMBR, auf BILDblog.de oder auf einem anderen bekannten Blog liest, weiß, dass die BILD offensichtlich medialer Dreck ist und wahrscheinlich schon Menschenleben zerstört hat — und das wohl nicht nur einmal. Spätestens seit dem großartigen Wallraff, dessen Aufmacher das einzige Buch war, welches ich in der Schule verschlungen habe, weiß es jeder Mensch in unserem Land, der halbwegs abseits vom Mainstream informiert ist.

Es geht bei BILDblog.de mittlerweile um etwas anderes. Mit That´s Entertainment hat es Christian schon sehr gut überschrieben — es ist ein Happening für eine große Leserschaft, nicht mehr und nicht weniger. Die große BILD wird der Lächerlichkeit preisgegeben, man hat es ja immer gewusst, so geht man gutgelaunt in den Tag — BILDblog.de hebt einen selbst über die verhasste und doch gern gelesene BILD. Nun ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn man mit Spaß, Lachen, Entertainment sein Geld verdient, dann ist es okay und wenn ich ehrlich sein darf, kann man sogar ein wenig neidisch sein. Nur sollte man dann nicht in jedes Mikrofon, dass einem vor die Nase gehalten wird, behaupten, es gehe um mehr, es ginge um Aufklärung der Menschen. Die Menschen, die täglich malochen gehen, in der Frühstückspause die BILD lesen, erreicht BILDblog.de nicht — ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass diese Menschen Probleme hätten, die teilweise sarkastisch und satirische Schreibe der BILDblog.de-Redakteure zu verstehen. Diese Menschen erreicht man wohl nur durch Aufklärung, ein Gespräch Face-to-Face — dies jedoch, würde das heutige mediale Happening nur stören.

Christian verweist zum Schluß in die Kommentare auf stefan-niggemeier.de. Überwiegend unreflektiert werden die Artikel angenommen, manchmal hat man den Eindruck als würde Niggemeier seine Kommentierer bewusst politisch in Stellung bringen — über die Qualität habe ich oben schon ein paar Worte geschrieben. In einem Punkt jedoch muss ich Christian widersprechen. BILDblog.de ist wahrlich kein Blog. Da fehlen einfach zu viele Punkte um davon sprechen zu können, dass die Features angeboten werden, die ein Blog ausmachen. Es ist eine bekanntere Seite im Web 2.0, die den Begriff Blog im Namen trägt — und nicht mehr. Zum Abschluß das Zitat des Tages, ich würde folgende Worte schon fast philosophisch nennen — ganz großes Kino.

Das Verhältnis zwischen Machern und Leser ist beim Bildblog nicht mehr so viel anders als bei der echten Bild, der Satz “Gut, dass es Bild gibt”, steht abgewandelt und sinngemäß auch in den Blog-Kommentaren bei Stefan Niggemeier.

JakBlog — That´s Entertainment

Die Replik:

Stefan Niggemeier — Tod durch Schenkel– und Schulterklopfen

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