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Die Rentner am Tropf des Staates

Manche Medien zeigen sich perfekt darin, diverse gesellschaftliche Gruppen als Schmarotzer unseres Landes hinzustellen. Besonders gut klappt das natürlich bei Hartz IV-Empfängern oder auch bei den Studenten. Oft genug wird aber auch gegen die Rentner geschossen, also die Menschen, die dieses Land aufgebaut haben und Zeit ihres Lebens gearbeitet haben. Über die Financial Times muss man nicht viel Worte verlieren. Welche Interessen dort vertreten werden, sollte jedem unserer Leser klar sein. Monika Dunkel — Nomen est Omen — hat dort einen Text verfasst, der mich dann doch sprachlos zurücklässt. Ist das mittlerweile eine neue Stufe einer Eiseskälte oder einfach nur Dummheit? Sie schreibt unter anderem [1]:

Ökonomen sind sich längst einig: Wir brauchen einen Arbeitsmarkt für Ältere. Zum einen, damit der Wirtschaft die qualifizierten Kräfte nicht ausgehen, und zum anderen, damit rüstige Rentner nicht nur am Tropf des Staats hängen.

Das altbekannte Spiel. Sobald Gelder vom Staat überwiesen werden, hängen die Leute am Tropf desselbigen. Merkt die Frau eigentlich noch irgendetwas. Wenn man Rente bezieht, hängt man am Tropf des Staates? Was ist dass denn für eine Unverfrorenheit, eine Unverschämtheit? Was für ein Niveau pflegt man in den Redaktionsräumen der Financial Times mittlerweile?

So ist die Zahl der über 65-jährigen Minijobber Ende September 2006 auf rund 690.000 gestiegen.

Der Rest des Artikels ist eine Ansammlung von Statistikdaten — wie manche sie halt lieben. Danach aber (Lebens-) Situationen zu beurteilen, das klappt nicht wirklich. Die gute Frau Dunkel hat sich in ihrem Pamphlet nicht einmal Gedanken darum gemacht, warum die Menschen im Alter noch arbeiten gehen müssen. Stichwort Altersarmut. Sie können einfach von den paar Euro Rente nicht mehr leben — so einfach wie grausam. Natürlich gibt es Ausnahmen, Menschen, die ohne Arbeit nicht leben können, aber wie gesagt, das sind Ausnahmen.

So sind sie mittlerweile, die Ökonomen unseres Landes — die Menschen werden bis ins hohe Alter — Mit 80 noch auf Jobsuche — als einfaches Schlachtvieh angesehen. Die gesellschaftliche Problematik, warum Menschen keine andere Wahl haben und sich so verhalten, wie sie es tun, wird ausgeklammert, es interessiert nicht. Wir brauchen wirklich flexible Übergänge in die Rente — das hat kein Vertreter der Industrie gesagt, dem Menschenleben egal sind, Klaus Brandner, sozialpolitischer Sprecher der SPD hat diese Worte gewählt. Obwohl, was von der SPD zu halten ist, wissen wir mittlerweile auch alle. Wenn also die Parteien von Flexibilität im Alter sprechen, ist auch das perfide Ausnutzen der Altersarmut gemeint. Gefordert über die Medien durch Industrie und deren bezahlten Ökonomen, willig umgesetzt durch die Politiker. Und wo sich billig Renter als Minijobber einsetzen lassen, da werden normale, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gespart. Auch eine simple Rechnung. Was für ein Pack.