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Google+ — ein erstes Zwischenfazit

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Vier Tage [1] treibe ich mich nun schon auf Google+ [2] rum, Zeit also für ein kleines Zwischenfazit [3]. Es bleibt dabei: Google ist ein großer Wurf gelungen. Wie wichtig Google+ für Google selbst ist, zeigt sich an kleinen, aber wichtigen Feinheiten: Bei fast allen Google-Diensten ist Google+ mittlerweile in der Navigationsleiste links an erster Stelle, die Suche nach dem eigenen Namen liefert als Top-Ergebnis das Google+-Profil, nicht die eigene Homepage, und ansonsten so schweigsame Google-Mitarbeiter diskutieren auf Twitter und Google+ selbst mit den Nutzern. Ein dickes Plus gibt es für Google, wie es mit Beschwerden über Datenschutzlücken umgeht: Bisher war es möglich, Beiträge, die nur den eigenen (erweiterten) Kreisen zur Verfügung gestellt worden, auch öffentlich zu teilen. Dies hat Google binnen kürzester Frist abgestellt. Beiträge, die vom Nutzer nicht öffentlich eingestellt werden, können nicht mehr öffentlich geteilt werden. Nun kann man argumentieren, dass man einen Screenshot erstellen kann, und diesen dann verbreiten kann. Keine Frage. Wer am Netz partizipiert, muss immer damit rechnen, dass seine Inhalte verbreitet werden. Darum geht es aber nicht. Google nimmt Datenschutz bei Google+ durchaus ernst. Sie haben auf die erste, größere Beschwerde innerhalb weniger Tage reagiert und die «Lücke» abgestellt. Es musste nicht einmal Ilse Aigner einschreiten.

Ein Vergleich zu Facebook zwingt sich natürlich auf, auch wenn Google+ eher eine Mischung aus Facebook und Twitter zu sein scheint. Nicht nur bei Facebook dürften die Macher zittern, auch Twitter wird Google+ zu spüren bekommen. Twitter habe ich zu Anfang als Quatsch bezeichnet — mittlerweile fühle ich mich da ganz wohl. Anders bei Facebook. Mit Facebook bin ich nie wirklich warm geworden. Auf allen Web-2.0-Plattformen habe ich stets darauf geachtet, mein Privatleben aus dem Netz rauszulassen. Das war und ist natürlich auf Facebook besonders schwierig. So habe ich es mir bei Facebook angewöhnt, ausschließlich Kontakte von Menschen zuzulassen, die ich persönlich kenne — oder, die ich seit Jahren namentlich aus dem Netz kenne. Das hat natürlich zur Folge, dass ich auf Facebook nicht die meisten Kontakte habe, wenn man bedenkt, dass über F!XMBR durchaus die eine oder andere Anfrage kommt.

Neben den automatisiert eingestellten Inhalten, die Facebook immer mehr bestimmen, liest sich meine Timeline ganz witzig: Web-2.0-Gedöns gemischt mit Fotos von den Kids (ehemaliger) Arbeitskollegen und Nachrichten alter Freunde. Facebook war ein Versuch, Privatleben und Web 2.0, nicht zu vermischen, aber gemeinsam zu verwalten. Es war halt nur darauf zu achten, was ich wie tue — und so tat ich sehr wenig. Wahrscheinlich habe ich sogar manchmal den einen oder anderen Kontakt «zu Unrecht» abgelehnt. Das ist bei Google+ nicht nötig, beim Veröffentlichen ist halt «nur» darauf zu achten, welchen Kreisen ich den Inhalt zur Verfügung stelle.

Das Schöne an Google+: Dort wird noch interagiert, kommuniziert — noch können durch fehlende API und entsprechende Apps keine Inhalte automatisiert eingestellt werden. In Zukunft wird sich das sicherlich auch ändern. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Google mit den Werbern, PR’ler und anderen Rosenverkäufern des Netzes umgehen wird. Wer ist für Google wichtiger? Der Nutzer oder die Unternehmen und Rosenverkäufer? Die unsäglichen Games werden genauso kommen, wie unzählige Apps. Um eine kritische Masse zu erreichen, ist Google schlicht und ergreifend darauf angewiesen. Wenn es soweit ist, ist es vielleicht an der Zeit, sich eine neue Alternative zu suchen.

Gibt es noch Schwächen?

Sicherlich, Google+ ist gerade mal fünf Tage alt. Für mich persönlich sind die Sparks [4] bislang einfach nur unsinnig. Was daraus werden soll, erschließt sich nicht nur mir nicht — viele meiner Mitleser haben da ebenso ein Fragezeichen über dem Kopf. Google hat vorab wenige Themen vorgegeben, die aber irgendwie alle meiner Meinung nach überflüssig sind. Während den Apotheker-Festspielen in Frankreich mit «Radfahren» aufzumachen, ist mutig, aber im (aufgeklärten) Netz auch völlig überflüssig und mutet eher amüsant an. Aber, und das ist das Schöne an Google+ — es gibt bereits mehrere Vorschläge, die Sparks zu verbessern:

Fazit:

Ich habe noch kein Web-2.0-Dienst gesehen, der bereits nach Start schon so weit war, wie Google+ und fast ausschließlich positive Resonanz gefunden hat. Für mich und meine Aktivität steht und fällt die Zukunft des Netzwerkes, wie Google mit Unternehmensseiten, Spielen und anderen nervtötenden Dingen umgeht. Facebook ist mittlerweile fast unbenutzbar — wer mit wem wann und wo einen Glückskeks gewonnen hat, nimmt mittlerweile weitaus mehr Platz ein, als der Informationsaustausch. Ein Besuch bei Facebook ist heutzutage verschenkte Lebenszeit. Leider sind dort noch ein paar liebe Menschen angemeldet, die bei Google+ noch nicht die Eingangstür gefunden haben.

Wollen wir hoffen, dass Google mit seinem Wettbewerbsvorteil behutsam umgeht: Das Geschäftsmodell von Twitter und Facebook beinhaltet nicht nur das Sammeln von Daten, sondern auch die Weitergabe, beispielsweise an Drittanbieter, die der Nutzer nicht im Ansatz überblicken, kontrollieren und abschätzen kann. Die Datenkrake Google sammelt die Daten auch, keine Frage, jedoch zum eigenen Gebrauch, eben um den Nutzern personalisierte Werbung präsentieren zu können. Wenn man da vom kleineren Übel sprechen kann, ist Google+ eben genau das. Gut, das war jetzt sehr einfach ausgedrückt, man könnte es in einem eigenen Artikel diskutieren.

We will see [5]