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shiver me timbers: 10 «Thesen» zur Netzpolitik

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Ich habe es mir abgewöhnt die «Piraten» Piraten zu nennen, da ich letztere spätestens seit Stevensons «Schatzinsel» recht cool finde und diese Fazination mit jenen fleischgewordnenen Jecken [2] nicht viel gemein hat. Drum nutze ich für jene vornehmlich die Bezeichnung Likedeeler, von Kontext und Habitus her ohnehin die adäquatere Bezeichnung meiner Meinung nach.

Ich will hier auch gar nicht tief auf die Strukturen oder das Anliegen jener Leute eingehen, das Netz genießt dort Priorität, Dinge der «realen Welt» werden mehr oder weniger ignoriert oder beiläufig eingeflochten. Ein Funken Wahrheit ist immer auffindbar, so auch bei jener «These» [3]: «Gesetze der realen Welt dürften nicht einfach auf das Netz angewendet werden.» Logisch ist dies wohl, ein wenig Finetuning tut immer Not, aber allgemein paßt es.

Weitaus problematischer ist es, dem Netz eine Sonderrolle zuzuschreiben, in welcher Ausnahmen zu gelten haben, da alles irgendwie anders sei. So jedenfalls argumentiert der Staat, das BKA, der BDK und diverse andere, die in diesem Netz die Büchse der Pandora schauen. Nun diese Likedeeler forcieren diese Art von Sonderrolle für das Netz schon seit Anbeginn ihrer Existenz, nun zementierte man dieses Anliegen anhand von 10 «Thesen» [4].

Die erwähnte Sonderrolle des «Netzes» wird da herausgestellt, auch daß dieses Netz oberste Priorität in der Politik genießen solle und man entblödet sich selbst nicht den Begriff «Kostenloskultur» für das eigenen Anliegen zu gebrauchen. Nun ja oberste Priorität in einem Staat sollte nie ein Medium genießen, daß ist elitärer Nonsense einer «Minderheit», sondern Bildung und Soziales. Im Rahmen dieser genannten Dinge kann man sich dann auch Gedanken um etwaige sekundären Bereiche machen, die der Durchsetzung gewisser Ziele dienlich sind.

Das Netz genießt leider heute schon auch in der Rechtsprechung eine Art Sonderrolle, wenn koschere Geflogenheiten des Alltags plötzlich zum Nachteil der virtuellen Nutzers gereichen und drakonisch geahndet werden. Ist es da nicht etwas sinnbefreit diese Sonderrolle noch zu präzisieren? Sollte man nicht eher auf obiges von mir erwähntes Finetuning pochen und das Netz als dem Alltag zugehörig betrachten, als Normalität?

«Das Netz ist der Schlüssel zum Abwenden der Katastrophe.» zeigt die Realitätsferne diverser Technokraten, mir wird Angst und Bange müßte sich denn die Menschheit auf derlei «geballte Kompetenz» verlassen. Ich bevorzuge die goldene Mitte, mit einem kleinen Anteil dieser «Kompetenz» für Detailfragen. Für menschliche Belange hingegen bedarf es anderer Kompetenzen. Allenfalls tut eine techn.-geisteswissenschaftliche Grundbildung Not, womit wir wieder bei den genannten Kernkompetenzen wären: Bildung und Soziales.

Diese Aussage erinnert mich übrigens an die Technikhörigkeit der 50er und 60er Jahre, dort glaubte man auch mit dem Fortschritt per se und der Atomenergie insbesondere könne man alles bewältigen — das Gegenteil ist der Fall, wir bezahlen heutzutage die Zeche für diese Scheuklappenmentalität. Joseph Weizenbaum drückte es treffend für den Computer aus und dies paßt auch für dieses «Netz», für welches er selbst weniger schmeichelnde Worte übrig hatte: «Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt.»

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Wenn es also in diesen 10 Thesen heißt: «Das Netz braucht keine neuen Straf– und Sicherheitsgesetze.», dann ist dies korrekt. Vice versa jedoch benötigt das «Netz» auch keine Sonderrolle, keine «Seligsprechung», keine Forcierung a la primus inter pares, die Forderung danach ist schlicht infantil und kontraproduktiv. Man arbeitet damit jenen in die Hände, die dem «Netz» ob biederer Absichten eine Sonderrolle zuschreiben möchten, um dieses «Netz» als staatlich kontrolliertes Habitat zu installieren. Treffer, versenkt — wieder einmal ein Eigentor für diese Likedeeler …


Bild: Wikimedia Commons 1 [6]/2 [7], Public Domain

Artikel: Original auf akephalos [8]