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Leistungsschutzrecht — Neue Nutzungsbedingungen auf F!XMBR

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Foto: F!XMBR

1. Das Zitieren der Autoren und deren Artikel auf F!XMBR ist ohne vorherige Zustimmung zukünftig nicht mehr gestattet.
Wer sich zukünftig zwecks Zitaten widerrechtlich an unseren Texten bereichern will, muss damit rechnen, rechtlich verfolgt zu werden. Jeder Autor, der uns zitiert, muss sich ab sofort – selbstverständlich vor dem Zitieren — eine Genehmigung einholen. Diese wird schriftlich erteilt, im Regelfall folgt innerhalb von 24 Stunden das Antwortfax. Gegen einen entsprechenden Obolus pro Zitat ist es anderen Publikationen und Bloggern gestattet, F!XMBR zu zitieren. Das gilt ebenfalls für die Übernahme unserer Überschriften. An einem so genannten Flatrate-Modell wird derzeit gearbeitet.

2. Verlinkungen auf F!XMBR sind zukünftig ebenso nur nach vorheriger Absprache mit den Autoren erlaubt.
Verlinkungen auf F!XMBR dürfen ab sofort nicht mehr gesetzt werden. Erst wenn eine schriftliche Genehmigung erteilt wird, gilt eine Verlinkung als gestattet. Eine Verlinkung auf F!XMBR kann entsprechend Punkt 1 gegen einen kleinen Obolus erkauft werden. Auch in diesem Fall wird an einer Flatrate gearbeitet. Ob sich Punkt 1 & Punkt 2 durch ein Paid-Content-Modell miteinander verbinden lassen, ist derzeit noch nicht entschieden.

Die Gründe:

Zahlreiche Publikationen verwenden Inhalte unserer Autoren ohne dafür zu bezahlen. Das gefährdet unsere Zukunft und F!XMBR als Qualitätspublikation allgemein. Das geistige Eigentum im Internet muss besser geschützt werden. Freiheit bedeutet nicht eine kommunistische Kostenloskultur. Diesem Denken muss ein Riegel vorgeschoben werden.

F!XMBR begrüßt die Entscheidung der neuen Bundesregierung, das Leistungsschutzrecht in Koalitionsvertrag aufgenommen zu haben und fordert Union und FDP auf, dies nun zügig umzusetzen. Das Urheberrecht muss weiterentwickelt werden um Autoren besser zu schützen. Das über Jahrzehnte etablierte Urheberrecht muss endlich an die Zeiten des Internets angepasst werden.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

Die Bundesregierung unseres Landes ist aufgefordert, auch international darauf hinzuarbeiten, dass die Werke von uns Urhebern besser geschützt werden. Missbräuchliche Nutzung wie Zitate und Verlinkungen müssen global verboten werden. Dazu ist es unumgänglich, dass auch der Anonymität im Internet ein Riegel vorgeschoben wird. Vermummungen auf Demonstrationen sind beispielsweise auch schon seit langer Zeit, und das aus guten Grund, verboten. Was in der realen Welt gilt, muss auch im Internet gelten.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Vorratsdatenspeicherung in Zukunft auch zur Durchsetzung von Urheberrechtsansprüchen eingesetzt wird. Dazu ist es notwendig, dass Urheber ohne richterlichen Beschluss Zugriff auf die Vorratsdaten erhalten. Dies ist für eine zeitnahe Verfolgung der Urheberrechtsverletzungen unumgänglich. Wir sind uns sicher, dass dieser Auskunftsanspruch von den Medien selbstverständlich nicht ausgenutzt wird. Die Medien und der Journalismus tragen eine besondere Verantwortung in unserer Demokratie, dieser Verantwortung muss auch im digitalen Zeitalter Rechnung getragen werden.

Langfristiges Ziel der Politik und der Urheber muss die Etablierung einer Online-GEMA sein. Jeder PC-Inhaber muss in Zukunft dazu verpflichtet werden, eine Abgabe zu leisten, die an die Urheber mit einem noch auszuhandelnden Schlüssel ausgeschüttet wird. Unabhängige Berichterstattung ist sonst nicht mehr realisierbar. Unsere Gesellschaft wird ohne Wissen und Informationen ins Mittelalter zurückkatapultiert. Das darf und wird nicht geschehen. Informationen sind nicht kostenlos. Ohne angemessene Vergütung werden Autoren und Urheber in Deutschland aussterben. Eine aufgeklärte Gesellschaft ist nur durch unabhängigen Journalismus möglich. Dies gilt es — insbesondere heute – im digitalen Zeitalter zu sichern. F!XMBR wird sich ohne Wenn und Aber für diese Ziele einsetzen.

Hamburg im November 2009

So, und jetzt mal in aller Ernsthaftigkeit: Was würde passieren, wenn genau dieser Text irgendwann ohne Sarkasmus und Ironie auf F!XMBR oder anderen Publikationen erscheinen würde? F!XMBR und zahlreiche andere, kleinere Blogs und Magazine würden den Sekundentod sterben – wir hätten nicht einmal die Ressourcen um die knapp 7.000 Artikel rückwirkend zu bereinigen. Bei einer neuen Gesetzgebung müssen alle Inhalte, die öffentlich zugängig sind, selbstverständlich den neuen Gesetzen angepasst werden. Und wenn Ihr Euch fragt, warum ich so schwarz sehe, dann lest bitte folgende Artikel:

Hamburger Erklärung [1] (PDF, 7,2 KB)
Vom Leistungsschutzrecht zur Abmahnwelle [2]
Vom Leistungsschutz zum Link-Verbrechen [3]
Die geplante Vernichtung der Blogger [4]

Und wer meint, die Kollegen und meine Wenigkeit würden hier schwarz sehen, der möge doch bitte nachfolgende Artikel von Jakob Augstein ebenso lesen. Augstein, Herausgeber des neuen Freitag, ist einer der Medienmacher, die die Paid-Content-Diskussionen mit wachsener Begeisterung verfolgen. Seine Anbiederung an Springer-Chef Mathias Döpfner ist fast mit Händen zu greifen. Ihm zugute halten muss man allerdings, dass er sich der Diskussion stellt. Diese Diskussionen zeigen aber, wie schwarz man die mediale Zukunft wirklich sehen muss. Sie offenbaren die krude Denkweise alter Dinosaurier — ohne jetzt despektierlich klingen zu wollen, Augstein ist gerade mal 6 Jahre älter als der Autor dieser Zeilen. Sie geben Einblick in die fragwürdigen Visionen deutscher Verleger.

Zukunft / Freitag / Bezahltes Internet [5]
Zukunft / Freitag / Bezahltes Internet 2. Teil [6]
Zukunft / Freitag / Bezahltes Internet 3. Teil [7]
Döpfner vs Huffington oder ein Streit, der keiner ist [8]

Selbstverständlich ist es keine Schande, wenn man auf die Probleme, die aus der Sicht der Verleger das Internet mitgebracht hat, keine Antwort hat. Hätten wir sie, wäre F!XMBR schon längst ein Medienimperium. Doch muss man auch darauf hinweisen, dass Springer, FAZ, SPIEGEL & Co. Jahre lang die Zeichen der Zeit verschlafen haben – sie hatten Zeit, finanzielle Möglichkeiten und haben trotzdem zugesehen, wie der Meteorit auf sie alte Dinosaurier zugerast kam. Was hätte man in den letzten Jahrzehnten mit ein wenig finanziellen Background alles ausprobieren können? Mit Sicherheit hätte man einen Weg finden können, der Verlage und den Journalismus in eine entspannte Zukunft führen könnte.

Augstein beweist, wie schlimm es um den deutschen Journalismus wirklich bestellt ist: Man sieht keine andere Möglichkeit mehr, als den Menschen den freien Zugang zu den Informationen, zum Wissen zu versperren – in der Hoffnung, Opa Heinz und Oma Käthe würden dann für Online-Inhalte bezahlen. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Wenn die Internetnutzer beim Freitag vor verschlossener Tür stehen, ziehen sie zur nächsten Publikation weiter. Selbst wenn alle Big Player ihre Türen zukünftig verschließen, wird irgendwo ein Angebot online stehen, auf dem die gewünschten Informationen zu finden sind.

Das ist das Internet. Dafür muss man das Internet lieben. Das Internet ist groß. Das Internet ist unendlich. Das Internet ist eine der wichtigsten Erfindungen und Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Das Internet lässt sich nicht von ein paar Herren in Nadelstreifen kontrollieren. Das Internet ist größer als alle Verleger dieser Welt zusammen.

Die Währung im Internet sind Verlinkungen. Es ist die Aufmerksamkeit, die Besucher und Leser nach sich zieht. Für Zeitungen und Zeitschriften ist es unabdingbar, allgegenwärtig zu sein. Warum zum Beispiel hat ein kleine private Publikation wie F!XMBR eine Fanseite auf Facebook, der Freitag aber nicht? Und dieser rühmt sich mit seiner Community. Warum twittert Augstein nicht selbst? Es ist bekannt, dass ich Twitter sehr kritisch sehe – aber der Impact ist nicht zu unterschätzen. Die Besucherzahlen auf F!XMBR waren in den letzten Monaten am höchsten, als unsere Artikel über die Piratenpartei durch das so genannte Social Web getragen wurden. Da sind selbst Verlinkungen beim SPIEGEL, Heise oder eines der deutschen Top-Blogs nur ein Tropen auf den heißen Stein. In heutiger Zeit muss der Leser dort abgeholt werden, wo er seine Online-Heimat gefunden hat. Nicht der Leser holt seine Zeitung am Kiosk ab, Verlage, Zeitungen und Zeitschriften holen den Leser zukünftig ab. Hier liegt ein stückweit die Zukunft des Journalismus.

Werden die Big Player ihre Forderungen weitestgehend durchsetzen, werden wie oben schon geschrieben, viele unabhängige Publikationen den Sekundentod sterben. Doch spätestens seit Flatliners [9] wissen wir, dass dies nicht das Ende sein muss. Viele Angebote werden zurückkehren – unter dem Schutz der Anonymität. Dieses Szenario muss man sich einmal vorstellen: Da werden durch die Unfähigkeit und auch den Größenwahn deutscher Verleger (ohne in diesem Punkt jetzt Jakob Augstein zu meinen, bei allen Differenzen sind Ansätze des Verstehens zu beobachten) unabhängige Publikationen ins Ausland getrieben, in die Anonymität, um sich selbst und das eigene Leben zu schützen. Und vermutlich wird dann der eine oder andere Server in China stehen. Hatte ich nicht einmal irgendwo gelesen, dass wir eine aufgeklärte und fortschrittliche Demokratie sind?

Wollen wir wirklich tatenlos dabei zusehen, wie wenige unsere Gesellschaft zurück ins Mittelalter tragen? Ich denke nicht.

Ich vermute allerdings, dass all die Warnungen und Hinweise, und seien sie noch so seriös und sachlich vorgetragen, und damit sind nun nicht seichte und nichtssagende Internet-Manifeste gemeint, nicht helfen werden. Die mediale Aufklärung scheint an Verlegern und Politikern vorbeigegangen zu sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich gestern für ein Leistungsschutzrecht ausgesprochen, dieses könne gegen die im Internet überhand nehmende Gratismentalität helfen. Es geht in der Diskussion offensichtlich nicht um unsere Gesellschaft, die Aufklärung, den unabhängigen Journalismus oder gar unsere Demokratie – es gilt, die Einnahmen der Verlage zu sichern. Das ist der erschreckende Punkt an den Diskussionen – es geht ums liebe Geld, nicht ums freie Wissen, nicht um den Zugang zu Informationen. Mathias Döpfner hat vor wenigen Tagen gesagt, freier Zugang zu Informationen sei kommunistisch [10]. Ich halte das — diplomatisch gesagt — für hanebüchenen Unsinn. Der freie Zugang zu Informationen und Wissen ist essentiell für unsere Gesellschaft und unverzichtbar für eine fortschrittliche Aufklärung im 21. Jahrhundert.

Am freien Zugang zu Wissen und Information entscheidet sich das Wohl und Weh sowie die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Demokratie — nicht mehr und nicht weniger. Hoffen wir, dass die Mächtigen den richtigen Weg einschlagen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.