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Und plötzlich bist Du Web-2.0-Klitsche

Erinnert sich noch Wer an Technorati [1]? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir hier auf F!XMBR angefangen sind, zu publizieren. Die großen Zeitungen wie die SZ oder die FAZ, Zeitschriften wie den SPIEGEL oder den STERN, habe ich grundsätzlich im FOCUS. Wenn allerdings ein Artikel veröffentlicht wird, hole ich mir im Regelfall auch andere Meinungen ein. Ich schaue, ob es schon Artikel zu dem Thema gibt — ferner sollte man auch die eigene Meinung überdenken und hinterfragen. Früher übernahm diesen Part der Recherche Technorati. Dazu hatte ich mir im Firefox und im Opera das Schlüsselwort t [2] angelegt. kurz eingetippt, t zensursula, und ich hatte aktuelle Artikel zum Thema Zensursula auf dem Schirm. Ich bin überhaupt kein Freund von irgendwelchen Suchleisten. Die werden nach Neuinstallation sofort ausgeblendet — unnützer Ballast halt. Doch schon seit geraumer Zeit, vielleicht ein knappes Jahr, nutze ich Technorati nicht mehr. Wäre ich die Tage nicht durch einen Link drüber gestolpert, hätte ich wahrscheinlich gar nicht mehr dran gedacht.

Die Suchmaschine ist mittlerweile dermaßen spamverseucht, dass es nicht nur keinen Spaß mehr macht — es kostet unnütze Zeit. Der Informationswert von Technorati tendiert gegen Null. Wann ich das letzte Mal Technorati wirklich genutzt habe? Lang, lang ist es her. Ich werde immer dementieren, Folgendes gesagt zu haben — aber wir sind hier ja unter uns: Als Recherchequelle dient mittlerweile ausschließlich Twitter [3]. Natürlich gibt es auch dort unsäglichen Mist — aber 140 Zeilen sind schnell übergangen. Und wenn ein Lesetipp mehrfach empfohlen wurde, ist das schon in einer gewisssen Art und Weise eine gute Bewertung, eine besondere Empfehlung. Twitter ist keine Echtzeit-Suchmachine wie Technorati, doch genauso schnell, durch den unheimlich rasanten Informationsaustausch der Mitglieder. Und genau für diese Art von Echtzeitrecherche, die ich immer während des Schreibens eines Artikels nachgehe, perfekt geeignet. Ich habe neulich eine feine Mail bekommen, die meinen Liveticker zur Europawahl [4] sehr gelobt hat. Durch technische Schwierigkeiten hatte ich zum Beispiel an dem Abend keinen Zugriff auf die Webseite vom Bundeswahlleiter [5] — neben den klassischen Medien entstand der Ticker ausschließlich durch Twitter-Echtzeit-Recherche. Selbst die meisten Links zu den etablierten Medien kamen von Twitter.

Es ist gar nicht mal so lange her, da war Technorati noch das Maß aller Dinge — heute spielt es bis auf die Selbstbeweihräucherung der deutschen Blogosphäre [6] keine Rolle mehr. Gestern noch war man gefeierter Star im Web 2.0 — heute hat man den Exit verpasst und kein User interessiert sich mehr für das Angebot. Es hat für Technorati niemals eine ernsthafte Konkurrenz gegeben — und es wurde nichts daraus gemacht. Ende des Jahres gab es noch einen Relaunch [7] — es kommt als verzweifelter Versuch daher, die User noch einmal zurückzugewinnen. Googles Blogsuche [8] funktioniert mehr schlecht als recht. Twingly [9] schickt sich an, Technorati das Fürchten zu lehren. Doch wer braucht heute noch eine explizite Blogsuchmaschine? Die Musik spielt jetzt woanders, die Karawane ist weitergezogen.1 [10] Gestern noch war Technorati das gefeierte Web-2.0-Portal, der Einstieg für viele Blogger in den Welt der Weblogs. Und heute? Da ist Nichts mehr, was noch irgendwie erwähnenswert wäre. Mein Schlüsselwort t weist mich mittlerweile in die Twitterwelt — und in zwei Jahren schreibe ich dann ähnliche Zeilen über Twitter wie heute über Technorati. 😉

  1. Zumindest die deutschen Kamele, international habe ich das zu wenig im Blick. [ [11]]