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digitales Lesevergnügen

Ich halte ja bekanntermaßen nicht derart viel von diesem elektronischen Holzersatz. Zum einen fehlt einfach der Charme offline beispielsweise irgendwo bei Kerzenlicht gepflegt zu schmökern, keinen Gedanken an die verbleibende Laufzeit zu verschwenden oder ob der Kontrast und die Bedienung eventuell besser sein könnte. Zum anderen mißfällt mir der Gedanke mich der digitalen Kurzlebigkeit [1] hinzugeben. Kurzum: der Nerd in mir braucht ab und an mal eine gepflegte Auszeit und diese überbrücke ich höchstgerne mit einer geballten Ladung Literatur.

Abseits meiner Animositäten sehe ich natürlich ein, daß in Zeiten in denen Leute mäßig gerippte Musik1 [2] bei beispielsweise iTunes erwerben und auf Konserven der Marke iPod2 [3] genießen der adäquate Lesegenuß kaum noch vermittelbar ist. Wer u.a. auf ebooks und Hörbücher pocht und mit Zeit– bzw. Platzersparnis argumentiert ist glaube ich die falsche Zielgruppe für derlei Ansprüche. Aber sei es drum, jeder nach seiner Facon.

Vielmehr erstaunt es mich, wenn die Vertreter in totem Holz veredelter geistiger Inhalte plötzlich einen derart aggressiven Ton anschlagen [4] und just die letzten Reste ihrer Leserschaft mal eben durch die Bank vorab kriminalisieren. «Wir werden in aller Schärfe gegen den illegalen Download, gegen den Diebstahl im Internet, vorgehen» und «die Gerichte mit Tausenden von Verfahren beschäftigen» Auch der bloße Konsument unter Zeitnot kann ein Genießer werden und diesen potentiellen Großkunden verprellt man sich nicht ohne weiteres mit einer derart rohen Haltung.

In der Theorie triffts nur die Kopierer, die sicherlich en masse auftreten und eine audiovisuelle Dimension auf der Piratenbucht erlangen werden. Ich denke die schreibende Zunft hat andere Probleme als den profanen Raubkopierer, viel mehr sind es Rohrkrepierer und anhaltende Lesefaulheit in dieser schnelllebigen Wegwerfgesellschaft. So jedenfalls verbaut man sich Chancen auf ohnehin wackligem Terrain. Gott sei Dank existieren noch genügend literaturtechnische Hinterbliebenschaften unserer Altvorderen, so daß es mir um den Nachschub nicht bange sein muß. Schade ist es nur für heutige Autoren per se, die ihre Kunst mittels solcherlei Kanälen an den Mann bringen müssen oder vielleicht gar nicht mehr dazu in der Lage sein werden dank derartiger Kulturbanausen.

Meine Wahl hat neben dem schwer vermittelbaren Genuß einen entscheidenden Vorteil: ich bin nach dem Erwerb in keinster Weise abhängig von irgendwelchen Krämerseelen und deren gewirkten Einschränkungen, darüber hinaus kann ich auch andere zum Lesen bewegen indem ich mein Buch verleihe — mittels totem Holz gelebte Kultur 😉

Bild: Wikimedia Commons [5]

  1. damit ist nicht die Krankheit der Audiophilen gemeint [ [6]]
  2. ich besitze einen Touch, weiß aber zwischen Konserve und Musikgenuß zu trennen — obwohl sicherlich die üblich erworbene Konservenmusik hier den passenden Deckel findet [ [7]]