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Offener Brief an Dr. Theo Zwanziger

PlattLieber Herr Dr. Zwanziger,

fassungslos verfolge ich seit Monaten wie Sie und der gesamte DFB gegen den Journalisten Jens Weinreich vorgehen. [1] Alles begann mit einem Kommentar des Jens Weinreich, indem er Sie als «unglaublichen Demagogen» titulierte. Zwei Gerichte haben Ihnen bereits eine Einstweilige Verfügung versagt, dieser Ausspruch sei eine «zulässige Meinungsäußerung», so das Landgericht Berlin. Und auch die nach einigen Scharmützeln erfolgte Pressemitteilung des DFB habe ich nur noch mit Erstaunen zur Kenntnis genommen — seinerseits ist Jens Weinreich juristisch erfolgreich gegen den DFB und diese Meldung vorgegangen. Sie fühlen sich heute auf einmal wieder in ihrer persönlichen Ehre verletzt — trotz gegenteiliger Aussagen vor dieser «ominösen» Presseerklärung des DFB. Herr Dr. Zwanziger, glauben Sie nicht, dass ein offener Diskurs Ihre Ehre in jeglicher Form wiederhergestellt hätte, wenn sie denn jemals wirklich verletzt wurde? Mittlerweile veröffentlichen nicht nur «private Publizisten» täglich Artikel über den Fall Zwanziger ./. Weinreich — mittlerweile berichtet fast jede etablierte Zeitung und jedes angesehene Magazin von Ihren Niederlagen und ihrer Fehde gegen Jens Weinreich. Was glauben Sie wohl, wie positiv die Reaktionen gewesen wären, hätten Sie ebenso wie Jens Weinreich auf dem Blog «Direkter Freistoss» kommentiert? Wenige Sätze um zu zeigen und zu sagen, warum Sie handeln, wie Sie handeln? Stattdessen eskaliert der Fall nun bis zum Äußersten.

Lieber Herr Dr. Zwanziger, glauben Sie nicht, dass Sie nun mit Ihrer Rücktrittsdrohung mehrere Schritte zu weit gegangen sind? «Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist», so werden Sie zitiert und meinen die Äußerungen des Jens Weinreich. Darf ich fragen, was dann ist? Was hat das Amt des DFB-Präsidenten mit einer höchstrichterlichen Entscheidung zutun? Wollen Sie hier Druck ausüben? Fühlen Sie sich nicht an diesen Rechtsstaat gebunden? Wissen Sie, gerade uns «privaten Publizisten» mit keiner Rechtsabteilung in Hinterhand wird oftmals ein juristischer Maulkorb auferlegt. Wer kann sich als Privatperson auch schon leisten, gegen große Unternehmen oder andere Institutionen vorzugehen? In diesem — oftmals — dunkelgrauen Bereich der Publizistik wird massiv Zensur ausgeübt. Geld schlägt Recht und Meinungsfreiheit. Zu jeder Zeit. Sie mögen mir verzeihen, wenn ich Ihnen schreibe, dass der Eindruck entstanden ist, dass Sie hier ähnliche Absichten verfolgen. Sie agieren derzeit, wie Sie es tun, nicht etwa, weil Sie sich in Ihrer Ehre gekränkt fühlen, sondern weil Sie sich offenbar auf einer anderen Wolke wägen. «Was will denn der kleine Herr Weinreich», so scheinen Sie zu denken. Ich kann mich natürlich auch irren, und ich würde Sie bitten, mich zu korrigieren. Aber Herr Dr. Zwanziger, genau diesen Eindruck machen Sie auf mich — die Androhung, Klage in Koblenz zu erheben, unterstützt dies nur, waren Sie doch dort als Verwaltungsrichter und Regierungspräsident tätig. Für mich bleibt der Eindruck, dass Sie eine kleine Privatfehde eskalieren lassen und für sich im Hintergrund den gesamten «Staatsapparat» des DFB arbeiten lassen. Wenn man sich die Reaktionen anschaut, haben Sie dadurch nicht nur sich selbst massiv geschadet — auch der DFB ist mittlerweile in Mitleidenschaft gezogen worden. Namentlich seien hier Wolfgang Niersbach und Harald Stenger genannt. Fairplay ist eines der größten Werte des DFB. Man muss sich nun fragen, ob Sie es nicht doch nur als ein gut zu verkaufendes Schlagwort ansehen.

Lieber Herr Dr. Zwanziger, privat werden Sie als der «nette Onkel Theo» beschrieben. Ich frage Sie: Wo ist dieser freundliche, immer gut gelaunte Onkel Theo geblieben? Natürlich ist mir bewusst, dass Sie mit dem DFB den größten Fußballverband der Welt leiten müssen und sicherlich auch harte Entscheidungen treffen werden. Doch wer — wenn nicht Sie — soll mit gutem Beispiel für all die kleinen Kicker in unserem Land als Vorbild vorangehen? Wer — wenn nicht Sie — soll Fairplay vorleben? Wer — wenn nicht Sie — soll es dann tun? Lieber Herr Dr. Zwanziger, wenn ich die letzten Monate Revue passieren lassen, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass Sie nicht länger als DFB-Präsident tragbar sind. Der DFB kämpft mit aller Macht gegen einen Journalisten. Meiner Meinung nach führt der DFB einen Kleinkrieg gegen die Meinungsfreiheit. Sie haben sich selbst und dem DFB wohl schon massiv geschadet, Sie haben sich schlicht und ergreifend verrannt, so sieht es von außen betrachtet aus. Und ich fürchte, dass auch Sie persönlich erst wieder als Privatmann, als der «nette Onkel Theo von Nebenan», ihren Frieden finden werden. Lieber Dr. Zwanziger, treten Sie als DFB-Präsident zurück, um Ihrer selbst willen, um des DFB willen. Gestern noch hätte ich geschrieben, dass eine Entschuldigung von Ihrer Seite aus alles in geordnete Bahnen gelenkt hätte. Nach den heutigen Ereignissen muss ich sagen, dass der «Point of No Return» weit überschritten wurde. [2]

Lieber Herr Dr. Zwanziger, treten Sie noch heute als DFB-Präsident zurück!

Mit freundlichen Grüßen

Chris

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Treten Sie zurück, meine Herren! [9]

Foto: Björn [10] unter dieser Creative Commons-Lizenz [11] stehend.