999,- Euro

Nein, ich finde den Preis für das iPhone ohne Vertragsbindung nicht zu hoch. Das ist meiner Meinung nach unsere hochgelobte freie Marktwirtschaft. Es wird genügend Apple-Deppen geben, die diesen Preis bezahlen werden, also ist er völlig gerechtfertigt. 399,- Euro kostet das Handy inkl. 2-Jahres-Vertrag. Es kommen also pro Monat noch je nach Tarif zwischen 49,- Euro und 89,- Euro [sic!] dazu. Die jeweiligen Tarife beinhalten eine Flatrate fürs Internet (naja, fast, siehe das Kleingedruckte) — diese Flatrate fällt natürlich neben den anderen Geschichten weg, wenn man sich nun das Phallussymbol für 999,- Euro kauft. Das iPhone, darauf spielt insbesondere auch die Werbung an, ist nicht nur fürs profane Telefonieren konzipiert worden. Wo man auch gerade ist — das Internet ist überall zu haben, sei es der neueste Song oder auch F!XMBR, um nicht YouTube zu nennen, wie es immer in der unsäglichen, fast schon lächerlichen Werbung geschieht. Gehen wir nun davon aus, dass sich mancher Apple-Held zu Weihnachten dieses Spielzeug leistet, gleich unterm Weihnachtsbaum ins Internet geht, Songs runterlädt und sich des Lebens freut. Wie lange wird diese Freude anhalten?

Ich denke, bis zur ersten Rechnung. Wer die Kosten für das Internet per Handy kennt, weiß, worauf ich anspielen möchte. Mal eben eine völlig überladene Seite aufrufen? Kein Problem. Mal eben einen Song runterladen? Kein Problem. Zumindest für T-Mobile — die machen mit dem Verkauf des iPhones ohne Vertragsbindung ein noch viel größeres Geschäft, als beim Verkauf des iPhones mit Vertragsbindung. Ein Lied runterladen kostet im Regelfall ein paar Euro. Ein paar Webseiten aufrufen kann ebenso in diese Dimensionen vorstoßen. Bei vielen Apple-Jüngern wird die Monatsrechnung für das geliebte iPhone ohne Vertragsbindung also genauso hoch sein, wie mit. Wenn Kinder am Werk sind, kann sich eine Schuldenfalle entwickeln, weil die Eltern nicht wirklich den Blick drauf haben. Ich würde mit meinem normalen T-Mobile-Vertrag, den ich — wie andere sicherlich auch — seit Jahren habe, nicht ins Internet gehen. Das wäre fast finanzieller Selbstmord. Ich glaube auch nicht, dass sich da die verschiedenen Anbieter großartig voneinander abheben.

Was ich eigentlich sagen will: Wer partout nicht die Finger von dem iPhone lassen kann, sollte sich also vorher Gedanken machen, wie er die Internetfrage löst. Gibt es in der Nähe kostenlose Hotspots, bin ich auf meinen Vertragspartner angewiesen, kann ich Billigtarife nutzen? Diese Fragen sollte man nicht unterschätzen — aber ich sehe das schon kommen. In ein, zwei Monaten wird es bei SpOn & Co. die ersten Berichte geben, von Apple-Kunden, die bitterlich weinen, weil sie die Rechnung von ihrem 999,- Euro-Handy nicht bezahlen können. Informiert Euch also lieber vorher, was Euer individueller Tarif sagt, liebe Apple-Deppen. Wenn nicht, selbst schuld, und dabei habe ich noch gar nichts vom Datenschutzproblem geschrieben… 😉

10 Antworten zu “999,- Euro”

  1. asg sagt:

    Keine Frage, das ist teuer. Egal ob die Option mit Vertrag oder die ohne, den genannten 999 Euro.

    Schaut man sich andere Mobiltelephone an, so sind die 999 Euro keine «Seltenheit». Nokia Communicator, VPA IV Teil oder sonstige. Liegen alle um den Preis oder höher.
    Auch die extremen Kosten von denen immer alle sprechen beim iPhone, ist nicht so hoch schaut man sich andere an.

    Aber ja, es ist teuer. Aber ein Communicator oder dergleichen wäre mir auch zu teuer. Soll heissen, nicht nur das iPhone ist so teuer, es ist in einem Segment in dem es noch mehr in dieser preislichen Klasse gibt.

  2. Marcel sagt:

    naja, also die inte kosten sind im grunde kein problem, fast alle der großen 4 provider bieten datenflatrates an. problematischer ist da eher schon das nicht vorhandene egde netz.

  3. Chris sagt:

    Anbieten und haben sind zwei verschiedene paar Schuhe. Im Regelfall wird das Handy gekauft werden, noch im Laden die Sim-Karte eingesteckt und los gehts…

    Glück hat, wer bereits ne Flat hat, ich kenne da die Prozentzahlen nicht, aber ich denke, das dürfte wohl nicht der Regelfall sein.

  4. Patrick sagt:

    Dass der Preis mit und ohne Vertrag überzogen ist, war mir schon seit rund einem halben Jahr völlig klar. Dass es immer Deppen geben wird, die gehypte Gadgets zu überhöhten Preisen kaufen und sich dann wichtig und cool vorkommen, ist auch keine neue Erscheinung. Apple hat es halt geschafft, sich in diesem Segment extrem gut zu platzieren und sie haben die Methoden schon fast perfektioniert.

    Ich nutze privat nur noch mein MacBook und halte generell nichts mehr vom Selbstbauen oder gar von Windows. Seit vier Jahren bin ich mit OS X, dessen BSD-Unterbau und diversen Linux-Distros auf diversen Macs sehr zufrieden gewesen und dennoch bin ich nicht der Apple-Wunsch-Kunde mit dem Faible für wallnußholzgetäfelte Wände, Champagner und Jaguar. Aber Leute mit zuviel Kohle holen sich die ganzen Gerätschaften einfach so ins Haus — ist ja kein Ding.

    Mich stört an Apple die ungeheure Arroganz und die Paranoia vor Fremdem, besonders was Software angeht. Andererseits finde ich die Integration von Soft– und Hardware extrem gut und profitiere davon. Vor ein paar Jahren war Apple ein relativ kleiner Computerkonzern, den die Welt unterschätzt hat und der einen Glückstreffer mit dem iPod landete.* Dass es mittlerweile mit dem iTelefon fast mehr Resonanz auf ein unveröffentlichtes Stück Design und Technik gab, als früher bei Neuvorstellungen von herausragenden Rechnern (G3…G5), schmerzt mich dann schon. Dass sich die Herrschaften aus Cupertino für ein Modell entscheiden, welches das Telefon zu einem großen Statussymbol machen soll und damit nur an reichen Leuten verdienen wollen, nervt dann nur noch.

    Warum bringen die denn kein einfacheres Modell raus, das halt weniger Speicher hat oder weniger Funktionen? Weil sich damit derzeit nicht viel abgreifen ließe. Wenn Apple in der Größenordnung von Motorola, SE oder gar Nokia agieren könnte, wäre das sicher eine Position, die ihnen genau das ermöglichen würde.
    Ich denke, das iTelefon wird ein Nischenprodukt bleiben und die aufgeschreckten Majors (z.B. Nokia) werden in einiger Zeit technologisch halbwegs gleichziehen. Deren Marktmacht ist enorm und die lassen sie sich auch nicht so schnell abnehmen. Und wenn es nötig wird, macht ein derartiger Konzern lieber Verluste, als aufzugeben. Von daher kommt Apple (hoffentlich) nicht in die Position, den Nutzern noch mehr Vorschriften zu machen.

    -

    Übrigens, der letzte Link zum angeblichen Datenschutzproblem ist nicht ganz korrekt. Denn wie man mittlerweile weiß, wird keine reale IMEI übertragen. Wer jedoch die EULA liest, wird feststellen, dass man als Kunde einem solchen Vorgehen sogar zustimmt. Verdammt fies.
    (fscklog: iPhone-Widgets senden IMEI an Apple)

    * Ja, ich kenne die Apple-Geschichte sehr gut. Es ist hier die Phase nach der Wiederkehr von Jobs 1997 gemeint.

  5. Chris sagt:

    Die Tatsache, dass überhaupt etwas übertragen wird, reicht aus um dem Ding jegliches Vertrauen abzusprechen…

  6. Grainger sagt:

    Man kann es der Firma Apple kaum verübeln, das sie Gewinnmaximierung betreibt und ein anscheinend äußerst lukratives und unerschöpfliches Marktsegment bedient.

    Ich persönlich finde schon die diversen iPods extrem überteuert (das Design ist ohnehin eine Frage des Geschmacks und über den läßt sich bekanntlich nicht streiten), die Entwicklung des ist da nur der konsequente nächste Schritt.

    Es gab shcon immer Kunden, für die das Design wichtiger als die Funktionalität war, im HiHi-Bereich war das früher mal Wega (eine 100%ige Sony-Tochter).

    Heute macht Bang & Olufsen gutes Geld damit und bedient eine Klientel, die bereit ist vollkommen überzogene Preise für Großserientechnik in Designergehäusen zu bezahlen.

    Apple und B&O haben es außerdem beide geschafft, ihren Kunden diese Gewinnmaximierungsstrategie als Philosophie zu verkaufen (fehlt nicht mehr viel, und es wird eine eigene Religion gegründet 😀 ).

  7. Bastian sagt:

    Also für ein Handy, das nichtmal Tasten hat, … ne neeee. Und in einem Jahr bekommt mans wieder hinterhergeschmissen, weils was neues gibt. Noch Teurer, noch schneller. Und noch weniger Tasten — Ach ne, das geht ja gar nicht.

  8. Tobi sagt:

    999,- Euro spiegeln fast genau den Betrag wieder der auf der Rechnung unseres Chefs erschien, einen Monat nach seiner UMTS-Karte fürs Notebook.

  9. Marc sagt:

    «nicht nur das iPhone ist so teuer, es ist in einem Segment in dem es noch mehr in dieser preislichen Klasse gibt.«
    Sicher, nur leisten die auch mehr. Zum Beispiel eine ordentliche Kamera (in der Preisklasse sind 5 Megapixel üblich, aber nicht 2!).
    Das einzige was unübertroffen ist, ist der Browser, aber dafür gleich 1000€? Da kann man sich auch umsonst Opera Mini holen!

  10. […] hatte heute das erste Mal über längere Zeit den iPod Touch in der Hand. Bei allem vernünftigen und notwendigen Apple-Bashing — irgendwie ist das Ding schon geil. Simple Bedienung per Touchscreen — das macht schon Spaß. […]

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