83 & 77

… sind die Zahlen des Tages. 83% der Bundesbürger lehnen die Rente mit 67 ab. 77% unserer Mitbürger die Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes. Und was machen unsere Antidemokraten in Berlin? Nehmen sie diesen klaren Auftrag der Menschen in unserem Land an? Mitnichten — sowohl die Rente mit 67 als auch die Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes sind heute mit großer Mehrheit des Deutschen Bundestages beschlossen worden.

Manchmal könnte ich die Linke schütteln, Dietmar Bartsch, ihr Bundesgeschäftsführer bringt es heute aber auf den Punkt: Selten wurde in Deutschland Politik so direkt am Volk vorbei gemacht. Jeder Experte, jede Organisation, die sich halbwegs mit dem Thema auskennt, hat in den letzten Wochen darauf hingewiesen, dass die Rente mit 67 nichts weiter bringt — ausser Altersarmut. Genutzt hat es nichts, auf Vorschlag der wahren Experten in unserem Land Franz Müntefering (SPD) und Ulla Schmicht (SPD) wurde die Rente mit 67 heute durchgewunken. Die beiden haben dann auch gleich voller Freude gegruschelt. SPD, CDU, den Eiertanz der FDP und der Grünen kommentiere ich gar nicht, haben wieder ihre antidemokratische Fratze gezeigt — widerlich diese Menschen.

7 Tornado-Flugzeuge und 500 Soldaten zusätzlich werden demnächst in Afghanistan ihren Dienst tun. Selbst die beiden Unions-Abgeordnete Willy Wimmer und Peter Gauweiler sind der Meinung, dieser Einsatz ist völkerrechtswidrig und haben Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Steter Tropfen höhlt denselbigen — in unserem Falle unsere Demokratie, unser Grundgesetz. Beides sind nur noch Parodien dessen, was sie sein sollten. Und wenn jemand die Verfassungsfeinde in Berlin darauf hinweist, wird das Grundgesetz mal eben geändert, schon sehr fein das…

(via Krieg bis 67)

31 Antworten zu “83 & 77”

  1. Michael sagt:

    Polemik schön und gut, aber muß sie so plump daherkommen, oder habe ich die Ironietags übersehen?
    Vielleicht mal unter Wikipedia den Begriff «repräsentative Demokratie» nachschauen.
    Wenn die Rente konsequent an die steigende Lebenserwartung angepaßt worden wäre, wäre das Rentenalter heute 72 Jahre.

  2. Oliver sagt:

    >Wenn die Rente konsequent an die steigende Lebenserwartung angepaßt worden wäre,

    Hätte man die Gelder auch nie zweckentfremdet bzw. nicht andere Himmelfahrtsunternehmen getätigt … usw. Hätte man also [bitte einsetzen]; würde man [bitte einsetzen] … hätte Volk nicht [bitte einsetzen] etc.
    Soviele Variablen und jeder vermeint mit irgendetwas dahingerotztem die Republik definieren zu können. Das oben ist auf gut Deutsch ein Resultat der Shayze, die die Politiker in D anrichteten.

  3. Falk sagt:

    Polemik schön und gut, aber muß sie so plump daherkommen

    Wärs denn noch Welche, wenn sie sich subtil anschleichen würde?

  4. zappi sagt:

    Bei der Rente mit 67 Geschichte ist aber, meinen Wissens, die maximale Einzahlungszeitraum auf 45 Jahre begrenzt worden. Das würde in meinen Fall speziellen Fall bedeuten, dass für mich mit 62 Jahren der Hammer fällt. Für viele die heute in Rente gehen, ist es bittere Realität, dass sie teilweise schon über 50 Jahre gearbeitet haben, ohne auch nur einen Cent mehr dafür zu kriegen, was in meinen Augen auch nicht in Ordnung ist. Eigentlich eine gar nicht mal so schlechte Idee. Allerdings, da das eine imho gute Idee ist, wird die mit Sicherheit wieder gekippt werden…

  5. Falk sagt:

    Und wer von Denen, die das Thema ja eigentlich mittelbar betrifft, wird mit 67 solch einen lückenlosen Lebenslauf haben und 45 Jahre abgekerbt haben? Ich kenn jetzt die Zahlen nicht, aber wenn ich mir allein das Gros der Dauer-Studenten und anschliessend –Praktikanten anschaue, wird doch erst ein Schuh drauss.

  6. Michael sagt:

    Natürlich könnt ihr gerne jede Statistik anzweifeln, aber wenn ihr eine gestiegene Lebenserwartung verneint, würde ich gerne Quellen sehen.
    «Hätte man die Gelder auch nie zweckentfremdet«
    Sarkasmus ein: Ja stimmt, hätten wir doch bloß die DDR nicht wieder eingegliedert, die ist ein finanzielles Massengrab.

  7. Chris sagt:

    Michael, ich habe Dir nicht umsonst die Links zum Lesen mitgegeben. Der Demographie-Mist beruht darauf, dass sogenannte Experten auf 30 [sic!] Jahre im Voraus Berechnungen angestellt haben. Das sind die selben Experten, die nichtmal ein Jahr im Voraus rechnen können — nur um ein Beispiel zu nennen.

  8. Falk sagt:

    Aus einer verlängerten Lebenserwartung eine Rechtfertigung für den späteren Renteneintritt zu generieren, ist aber auch stark kurzsichtig. Und widerspricht der gesamtgesellschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Entwicklung. Du kannst es drehen und wenden, wie du willst, das Renteneintrittsalter (real) ist gesunken und nicht gestiegen. Die Entlastung der Rentenkassen ist marginal und diese Gesellschaft krankt seit Jahrzehnten an ihrer unfähigen Politik in jeder Hinsicht. Und nichts gegen den Osten, der hat wenigstens noch dazu beigetragen, das heile Bild paar Jahre länger aufrecht zu erhalten.

  9. Oliver sagt:

    >Natürlich könnt ihr gerne jede Statistik anzweifeln, aber wenn ihr eine gestiegene Lebenserwartung verneint, würde ich gerne Quellen sehen.

    Ich kann auch alle anderen Ursachen leugnen, dann nützt die eine Komponente Lebensalter auch nichts mehr.

  10. Falk sagt:

    Und nicht zu vergessen, dass wir aufgrund von Geburtenrückgang ja zukünftig wieder weniger «Alte» in der Gesellschaft haben werden. Vielleicht wird poppen ja wieder zur Volkspflicht.

  11. zappi sagt:

    Irgendwann wird sich das vielleicht mal rumzusprechen, dass man ein Land nicht wie eine Firma führen kann. BWL != VWL. Irgendwie scheint da auch Michael einen Denkfehler zu machen.

  12. Michael sagt:

    Meine Aussage im Klartext: Die Lebenserwartung hat sich im Zeitraum zwischen Einführung der Rentenversicherung und heute erhöht.

  13. Chris sagt:

    Klar Ansage hier im Klartest:

    [23:59:09] [xxxxxxxxxx] dieser stammtisch-blödsinn geht mir ja so auf den sack

    Haben wir uns verstanden?

    Danke.

  14. Michael sagt:

    Ok, um mich auf die sinnlose Diskussion einzulassen: Wir leben leider in dieser Welt und nicht in der bestmöglichen.
    Natürlich hätten wir (wahlberechtigte Bevölkerung)diese effektive Rentenkürzung vermeiden können, wenn wir in der Vergangenheit und auch jetzt andere Entscheidungen getroffen hätten, aber leider kommen wir um die Tatsache nicht herum, daß für alles nur eine begrenzte Menge Geld zur Verfügung steht.
    Die Rentenversicherung wurde damals leider umlagefinanziert und nicht kapitalgedeckt aufgebaut. Mit steigender Lebenserwertung (und höher Vitalität im Alter) geht bei einer festen Altersgenze eine längere Auszahlungsdauer einher.
    Jetzt bin ich auf eure Vorschläge gespannt wie dieses Loch (gerecht) zu stopfen ist. (Ohne wie oben angeführt alle möglichen anderen Gründe, die auch zu diesem Problem beigetragen haben (DDR, Frühverrentung,..)mögen, aufzuführen).

  15. zappi sagt:

    Also die Renetenversicherung wurde 1889 eingeführt. Das Renteneintrittsalter war auf 70 Jahre festgelegt. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 1889 Im Jahre 1889 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 36 (Männer) bzw. 38 Jahren (Frauen). Mit diesen Zahlen als Grundlage, wie hoch würde dann bei ständiger Anpassung des Renteneintrittsalter heute sein?
    Ich frage ja nur.

  16. Chris sagt:

    Was für ein Loch?

  17. Falk sagt:

    Irre ich mich jetzt oder sind im zu betrachtenden Rahmen nicht auch Produktivität und Unternehmergewinne gestiegen? Haben Unternehmer nicht *auch* eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung? Wie kommt es dann, dass viele exportorientierte Firmen hierzulande wenig bis gar keine Steuern zahlen und trotzdem über zu hohe Abgaben jammern? Wie kommts dann, dass trotz höherer Gewinne dann Leute entlassen und damit *auch* der Zuzahlung in die Rentenkasse beraubt werden? Muss ich noch mehr Aspekte aufführen oder bleiben wir dabei, dass allein die höhere Lebenserwartung Schuld daran ist, dass unsere Regierung am Volk vorbei regiert und eher dem Lobbyismus, als dem Mann auf der Strasse ein Ohr schenkt?

  18. Michael sagt:

    @Falk: Ich stimme dir voll zu, nur leider löst dies das Problem nicht.

    @zappi: Gemeint war nicht Bismarks sondern Adenauers Rentenversicherung von 1957.

  19. Falk sagt:

    Welches Problem eigentlich? Das angeblich die Kassen «leer sind»? Dieses Problem existiert nunmal nicht in der Realität.

  20. Gerd sagt:

    Hallo,

    zum Thema Rente wurde wohl alles gesagt, aber beim Einsatz in Afgahnistan möchte ich noch ein paar Worte verlieren.

    Grundsätzlich bin ich für den Einsatz, weil ich denke, dass es unklug wäre, Afgahnistan wieder in die Hände der Taliban fallen zu lassen (unabhängig von krummen Dingern, die die USA und andere Länder drehen).

    Unglücklicherweise wird der Einsatz (v.a. von uns Deutschen) total schwachsinnig durchgeführt. Viel zu wenige Soldaten, um den Taliban wirklich effektiv beizukommen. Wenn alles so bleibt, wie bisher, wären wir besser daheimgeblieben.
    Zumal die USA die Aufklärungsflüge auch selber fliegen können, die haben das Equipment da unten. Das ist eher ‘ne symbolische Aktion.

    Zudem das blöde Geschwafel der dt. Regierung, man beteilige sich am Aufbau, sondern sei nicht im Krieg (was auch dazu führt, dass es da unschöne Sachen im Zusammenhang mit Verletzungen von Soldaten und deren Ansprüchen sind. Gilt ja als Unfall und nicht als Kriegsverletzung).
    Fakt ist imo: Wir sind im Krieg.

    Okay, jetzt ist es so, dass es der Mehrheit der deutschen Bevölkerung lieber wäre, wenn wir nicht da unten rumgurken würden. Dies ist nachvollziehbar, schließlich sterben unsere Soldaten da unten und der Einsatz ist nicht ganz billig.

    Andererseits sind wir ja da, um der afgahnischen Bevölkerung zu helfen, was eine gute Sache ist.

    Die Frage ist: Wie kompetent und vorausschauend ist das deutsche Volk bei dieser Frage? Dagegen sein ist ja okay, aber Alternativen haben ist besser. Ich habe keine.

  21. Falk sagt:

    Doch — die Alternative wäre, anderen Völkern ihre Religion und ihren Glauben zu lassen.

    Fakt ist imo: Wir sind im Krieg.

    Du vielleicht, ich nicht — ich fick dann lieber für den Weltfrieden, also nur einmal dran zu denken, militärische Einsätze der Bundeswehr im Ausland gutzuheissen.

  22. Michael sagt:

    Die Unterfinanzierung, die schon heute zu einer reellen Rentenkürzung führt in Form einer Unterlassung des Inflationsausgleichs der Renten.

  23. Chris sagt:

    Omg, es ist Wochenende…

  24. Gerd sagt:

    Ich wüßte nicht, dass die BW missioniert. Aber Menschenrechte haben auch die Afgahnen verdient, unabhängig von der Religion.

  25. Falk sagt:

    @ Michael: Dies ist aber kein statistisches oder demographisches Problem, dass die Einnahmen wohl grad noch so die Ausgaben decken. Die Beiträgssätze wurden ja schliesslich auch angepasst.

  26. Falk sagt:

    Aber Menschenrechte haben auch die Afgahnen verdient, unabhängig von der Religion.

    Klar, aber dies rechtfertigt noch lange nicht den Einsatz jedes Mittels zum heiligen Zweck. Diesen Punkt hab ich doch gar nicht in Abrede gestellt. Nur bitte zeig mir, was an den Einsätzen der US-Streitkräfte human ist…

  27. Chris sagt:

    Kriegstreiber haben hier auf diesem Blog nichts verloren. Gerd hat uns gerade verlassen.

    Michael, zum letzten Mal im Guten: Lese oben die Links, lese, was ich geschrieben habe zu den Deppen, die die Berechnungen angestellt haben — damit biste erstmal das Wochenende beschäftigt, dann kannst am Montag wiederkommen.

    Fair? Ich denke schon. :)

  28. Oliver sagt:

    Wenn da mal ein ganz Schlauer daherkommt und u.U. bei Gründung der BRD anfängt, sich die vollen Kassen betrachtet und sieht wohin die Gelder wanderten, so wird auch jener bemerken das viele der BWLschen Theorien bar jeder Realität daher kommen. Aber soweit denkt keiner, wir zuppeln am Phänomen herum ohne die tatsächlichen Ursachen in Rechnung zu stellen.

  29. Grainger sagt:

    Zur Rententhematik schreibe ich mal nichts, da hatten wir in der Vergangenheit schon etliche Diskussionen darüber und imho ist alles wesentliche bereits gesagt (bzw. geschrieben) worden.

    Vielleicht doch noch eines (ich kann es mir einfach nicht verkneifen): 😉

    das Ausrauben der (ehemals übervollen und somit kapitalgedeckten) Rentenkassen durch unsere diversen Regierungen stellt nach der Wiedervereinigung (und damit meine ich nicht die Wiedervereinigung an sich, sondern deren dilettantische Umsetzung) den zweitgrößten Betrug am deutschen Volk seit der Gründung der BRD dar.

    Auslandseinsätze der Bundeswehr halte ich nach wie vor für verfassungswidrig, wir haben per Definition eine reine Verteidigungsarmee und diese darf auch nur auf deutschem Hoheitsgebiet (was anch internationalem Recht deutsche Schiffe und das Gelände deutscher Botschaften einschließt) eingesetzt werden.

    Und so sollte das imho auch bleiben.

  30. Julius H. sagt:

    Zu dem Thema fällt mir immer zuerst Volker Pispers ein. Vgl. hier: wurch.log — Mitternachtsspitzen
    Ist das polemisch? Bestimmt, aber nach Tucholski ist der Satiriker ja zumindest ein — wenn auch gekränkter — Idealist.

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