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Worte sind genug gewechselt – nun müssen Taten folgen. Von Barack Obama, seinem Stab, dem gesamten amerikanischen Volk. Keiner will heute noch George W. Bush gewählt haben. Jeder Amerikaner hat selbstverständlich sein Kreuz bei Barack Obama gesetzt. Amerika hat die Welt in den letzten Jahren an den Abgrund geführt. Aber, und auch das muss geschichtlich festgehalten werden: Hinter George W. Bush stand eine ganze Beraterriege, ein Kabinett, fast der gesamte demokratische und republikanische Kongress sowie die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika und fast alle Regierungen der westlichen Welt. Nicht George W. Bush alleine hat Elend und Grauen verbreitet. Es war eine ganze amerikanische Nation. Und auch unsere Regierung hat ihren Teil dazu beigetragen. Wir waren es ebenso.

Barack Obama hat bereits jetzt Geschichte geschrieben. Nicht etwa, weil er als Afroamerikaner den Amtseid abgelegt hat und nunmehr der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden ist — sondern weil er es binnen weniger Wochen geschafft hat, zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen. Er hat nicht nur das Herz der amerikanischen Nation erobert, er hat die Seele der Menschen auf dem gesamten Globus erreicht. In Zeiten des gescheiterten Kapitalismus, in Zeiten von blutigem Terrorismus, in Zeiten von uncharismatischen, nichtssagenden und gleichgeschalteten Politkern ist Barack Obama zur Hoffnung für die gesamte Menschheit geworden.

Wort sind genug gewechselt – so schrieb ich zu Beginn. So richtig, dieser Satz auch ist, so falsch ist er ebenso. Das Volk partizipiert wieder an der Politik, am eigenen Schicksal, an der Führung des eigenen Landes. Zumindest in den USA. In Deutschland werden die neuen Möglichkeiten, manchmal mehr, manchmal weniger, zum Wahlkampf missbraucht. Sie werden nicht als das angesehen, was es sein sollte: Die Teilnahme der Menschen an der politischen Diskussion, das Partizipieren an der Gestaltung des eigenen Landes. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind uns hier mehrere Generationen voraus. Auch das ist der Verdienst von Barack Obama. Ob nun Demokraten oder Republikaner – ein großer Teil der politischen Diskussion fand während des Wahlkampfs im Internet statt. Während in Deutschland die Technik zu einem Wahlkampfgag geworden ist, haben die Amerikaner ihr Land, ihre Politik dank Barack Obama neu entdeckt. Auf WhiteHouse.gov erschien heute das erste Blogpost. Ehrlich gesagt, das erzeugt schon ein kleines Kribbeln. Mal völlig vom Inhalt abgesehen – ein Blogpost auf der offiziellen Seite der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, daneben ein Bild von George Washington. Geschichte entsteht neben Geschichte.

Eigentlich ist Barack Obama aufgrund der Probleme, die vor ihm liegen, zum Scheitern verurteilt. Er wird die gesamte Unterstützung der westlichen Welt brauchen – plus eine gehörige Portion Glück. Und selbst dann werden die Probleme nicht in 8 Jahren bewältigt werden. Wenn wir alle Glück haben, wird der Nachfolger Barack Obamas die Lorbeeren ernten können, Barack Obama jedoch wird dann als größter Präsident aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen. Hoffen wir, dass die Wahl Barack Obamas der Start in eine neue Epoche ist. Für uns alle. Hope. For the mankind. That is, what Barack Obama really is.

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7 Antworten zu “44”

  1. Wolf-Dieter sagt:

    Immerhin, die Grafik ist vom Feinsten.

    Was von Barack zu halten ist? Die Welt steckt Hoffnung in ihn. Ob er dieser gerecht wird — abwarten.

    Ein letztes Wort zur Ehrenrettung der Amis — G. W. Bush kam ins Amt nicht durch faire Wahlen, sondern durch Mogeln — seien es Richter, die eine Nachauszählung unterbanden, seien es märchenhaft eingestellte Wahlcomputer, oder sei es ein Wahl-Registrationssystem in den Staaten. Alles Elemente, die einen Wahlausgang in jede beliebige Richtung steuern können und zweifellos auch taten.

    Mein persönliches Wort: wo Pfusch möglich ist, geschieht er auch real.

  2. Max sagt:

    Wann richtet endlich jemand einen online-Gegenbundestag, wo alle über die Gesetzesentwürfe abstimmen können (wo alle welche einbringen können?). Früher oder später müssten die echten Parlamentarier ganz gezielt da drauf schauen, zumindest diejenigen die ihren Job ernst nehmen. Mehr wirkliche Demokratie wäre wichtiger denn je. Ukraine, Ungarn, Island, Griechenland, Irland, die Einschläge kommen immer näher aufs Zentrum der alten Welt.

    Wette die Amis sind aus dem Schlamassel viel schneller raus als wir, schlicht weil besser regiert.

  3. Grainger sagt:

    Da ich zu faul bin, das jetzt noch mal neu zu formulieren (und weil es schon spät ist und der genossene Cognac meine Fähigkeiten zu logischem Denken auch nicht unbedingt positiv beeinfluß hat) kopiere ich einfach mal meinen Beitrag aus einem anderen Forum hier rein (was sonst nicht meine Art ist):

    Ich weiß nicht, warum ausgerechnet die Europäer im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen Grund sehen, wegen Obamas Wahl zum Präsidenten der USA eine derartige Euphorie zu entwickeln.

    Der Mann hat während seines letzten Europabesuches doch bereits relativ klar gesagt, in welche Richtung seine Politik gehen wird:

    den amerikanischen Steuerzahler zu Lasten der Europäer drastisch zu entlasten.

    Er wird ganz massiv versuchen, die Kosten der diversen amerikanischen (militärischen) Engagements zu senken und auf die Europäer abzuwälzen und wahrscheinlich auch, die Folgen (der überwiegend von den Amerikanern verursachte) Weltwirtschaftskrise auf andere abzuwälzen.

    Natürlich ist es für uns Deutsche inzwischen leider ungewohnt, das ein Staatsoberhaupt seinen Job macht und sich überwiegend um die Belange seines Staates und seiner Bevölkerung kümmert und die Interessen anderer Staaten bestenfalls an zweiter oder dritter Stelle stehen.

  4. […] Besser als hier kann man es nicht […]

  5. dakira sagt:

    Da Bild erinnerte mich ja sehr an nen Comic Strip, den ich gerade mal spontan eingescannt hab:
    Change

  6. RELAtief sagt:

    Ich habe einen guten Freund ….…

    in den U.S.A. — den kenne ich seit 1963.
    Es ist seitdem viel passiert, hier wie dort.
    Ich habe Kennedy live gehört und war beeindruckt.
    Ich habe — auch 1963 — vier Tage vor dem Fernseher gesessen und erlebt wie eine Nation um den ermordeten Kennedy ge…

  7. dakira sagt:

    Gerade gefunden.. hier gibt es obigen comic direkt beim Autoren:
    Comic
    Leider keine Lizenzangaben auf der Seite.

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