4 Jahre Haft für ägyptischen Blogger

Man kann Mohammed Abdul Kareem Suleiman alias Karim Amer durchaus als politischen und kritischen Blogger bezeichnen. Doch das kommt ihm nun teuer zu stehen. Er wurde zu 4 Jahren Haft verurteilt, Begründung: Beleidigung der Religion und des Präsidenten, das Gericht behauptet, er habe Präsident Hasni Mubarak, den Islam und Mohammed beschimpft.

Suleiman kann gegen das Urteil im demokratischen Ägypten1 natürlich Berufung einlegen. Amnesty International hatte bereits kurz nach seiner Verhaftung seine Freilassung gefordert. AI sieht in dem Vorgehen gegen den 21-jährigen Studenten eine Warnung an alle ägyptischen Blogger, da er in friedlicher Absicht seine Ansichten über den Islam und die Autoritäten der Azhar-Universität geäussert hatte.

In Deutschland kommt fastix — wenn man den Berichten auf dem Propagandablatt seiner Gegner Glauben schenken kann — übermorgen frei. Immer wieder, wenn es zu religiösen Gewalttaten kommt, fordern Politiker in unserem Land, ganz vorne vorweg solche Experten wie Stoiber, Söder & Co., eine Verschärfung der Strafen für Gotteslästerung.

(via)

  1. Wer Ironie findet, darf sie behalten []

4 Antworten zu “4 Jahre Haft für ägyptischen Blogger”

  1. Oliver sagt:

    Falsch Ägypten ist keine Demokratie und auch nicht unter der Hand oder irgendwie doppeldeutig, sie ist schlicht keine und nie eine gewesen — nur formal bei Gründung, jedoch bis dato außer Kraft gesetzt per Gesetz. Ändert nichts an dem Blogger dort, aber da sollten sich mal unsere Politiker und unsere Urlauber an die Nase greifen, die dieses Land fortwährend unterstützen.

    Ägypten wird seit dem Tod von Sadat mittels Notstandsgesetzen regiert. Da wird auch nichts draus, wenn man sagt im Prinzip, Notstandsgesetze haben den Charakter derartige Dinge komplett außer Kraft zu setzen. Als Republik damals gegründet, konnte Ägypten sich bisher noch nie als Demokratie beweisen.
    Da wird der Mann nicht freier von, aber viele Heuchler bei uns in der Presse könnten endlich mal Roß und Reiter nennen in puncto Ägypten.

  2. Chris sagt:

    Genau das sollte die Schreibweise mit der Ironie aussagen — okay, demnächst räume ich direkter mit urban legends auf — gerade Du hättest es aber erkennen können, hatten wir das Thema doch schon im Jabber. 😉

    Ich streich das demokratische mal zusätzlich durch, vielleicht wirds dann klarer…

    //Edit: Okay, ich sehe gerade beim Korrigieren, dass ich vergessen habe, es zumindest kursiv zu setzen, mea culpa… :)

  3. Oliver sagt:

    Es geht darum das das Gros der Leute glaubt, das Ägypten eine Demokratie sei und ab und an mal ein wenig über die Strenge schlägt. Der Ironie wird sich in dem Kontext also gar keiner bewußt. Man fährt weiterhin in Urlaub und glaubt in einer Demokratie herumzulaufen. Okay damals wußte man auch was in Yugoslawien los ist und viele Deutsche fuhren dennoch brav dorthin in Urlaub … na ja ist halt so. Und hierzulande wird man kritisiert, falls man sich erdreistet den eigenen demokratischen Staat zu kritisieren, um derlei Auswüchse schon zuvor im Keim zu ersticken — man kann natürlich auch — business as usual in Deutschland — warten bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Irgendwie paradox das alles.

  4. Dr.Thodt sagt:

    Danke für die Aufklärung. Ich weiss zwar nicht was Urlaub ist (sowas ähnliches wie unbezahlte Überstunden?) und deswegen mache ich sowas auch nicht in Ägypten, aber mangels besseren Wissens hätte ich auch gesagt, dass Ägypten eine Demokratie ist. Das mit den Notstandsgesetzen find ich allerdings Hochspannend. Da muss ich nochmal n bisschen nachlesen, glaub ich.

    Und für eine Verschärfung der Strafen bei Gotteslästerung bin ich auch. Und für einen öffentlichen Pranger, HexenBloggerverbrennungen und die Verfassung muss unbedingt um die Punkte erweitert werden, dass die Erde eine Scheibe ist, sich die Sonne um die Erde dreht, Wissenschaft ist Teufelszeug…

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