2007 wird das Jahr…

… wo der erste Blogger den anderen abmahnt. Diesen Satz hat Johnny gestern in holgis Trackback-Sendung1 gesagt. Die Sendung war wie immer, nur dieser eine Satz, der ist dann doch interessant. Dem kann man nämlich leider nur zustimmen. Die Blogs sind in der Mainstreamscheiße angekommen — ich hatte es mal irgendwo gelesen. Und dementsprechend finden sich dort eben auch Personen jeglicher Couleur. Abmahner wie Idealisten, Möchtegerns wie Schülerblogs, Werbefuzzis wie PRoleten, Rechte wie Rechte Antideutsche, Tagebuchschreiber wie Magazin-Schreiber.

2007 wird es weiter knallen, der Ton vielleicht noch rauher. adical wird meiner Meinung nach gegen die Wand fahren. Wer so wenig Plan hat, wie Johnny, auf keine Frage eine Antwort hatte, die ihm zu adical gestellt wurde, der sollte vielleicht überlegen, was er da tut. Gut, sei es drum, vielleicht ist Sascha ja die treibende Kraft — schau m’er mal. Je mehr Blogger sich verkaufen, desto radikaler werden die werden, die gegen Werbung argumentieren. Das wird noch sehr interessant sein zu beobachten.

Ich hätte es zwar nicht gedacht, da ich den Rene von Nerdcore saugerne gelesen habe — aber nach seinen ersten Sony-Artikel ist Nerdcore aus meinen Favoriten gelöscht worden und aus dem Feed geflogen. Da ist bei mir jetzt nichtmal mehr Wut, Unverständnis, der Wunsch zu diskutieren, zu sagen, hey, crap, was du da machst — nein, einfach nur noch: Who cares. Von heute auf morgen, so schnell geht das mitunter.

Was passiert aber nun, wenn ein Gegner der Werbung von einem Werber (oder dem Unternehmen welches die Werbung geschaltet hat) oder gar von einem werbenden Blogger abgemahnt werden? Ich möchte gar nicht drüber nachdenken.

Die Vorgänge um fastix, den Bürgermeister und dem Herrn aus Urbach München wo auch immer her, gehe ich hier nicht ein. Da fliegen die Abmahnungen schon ziemlich tief. Aber bis auf dem Bürgermeister ist da eh keine Blogger involviert, von daher kann man das hier vernachlässigen.

Was also, wenn die ersten Abmahnungen zwischen ganz normalen Blogs hin– und hergeschickt werden? Es wird irgendwann zum Alltag gehören, wie die Abmahnungen diverser Unternehmen schon dazu gehören. Es werden sich dann auch da Grüppchen bilden, jeweils sich eine Seite aussuchen und klug daherschwafeln, richtig so, was soll das. So wie es heute schon der Fall ist.

Was bleibt? Einen Kodex, das wird eh nicht funktionieren — die Leute haben sich bereits größtenteils verkauft, also werden sie sich auch an ein paar getippte Zeilen nicht halten. Es bleibt weiterhin nur der politische Kampf, die erste Abmahnung kostenfrei zu stellen — wozu z. B. muss für die erste Abmahnung ein Anwalt herhalten, da kann jeder selbst ein paar Zeilen zusammenschreiben — das Bloggen klappt ja schließlich auch.

Die erste Abmahnung in unserem Land muss kostenfrei gestellt werden — denn dann macht das Online-Leben auch wieder ein großes Stück mehr Spaß. Die Schere im Kopf, sie ist da, da kann mir keiner etwas anderes sagen — das läuft dem Bloggen einfach zuwider. Natürlich soll dies keine Forderung à la Freifahrtschein für die Blogger sein, alles tippseln zu dürfen — doch eines ist klar: Der Rechtsmissbrach bei Abmahnungen ist meiner Meinung nach mittlerweile viel zu hoch, als dass man ihn wegdiskutieren kann. Das muss gestoppt werden — nur wie, sprach Zeus…

  1. Johnny gibt Trackback ab []

12 Antworten zu “2007 wird das Jahr…”

  1. Chris sagt:

    @Oliver:

    in diesem Lande wohnhaft. Warum man also da immer die Schere im Kopf hat und sich elitär wähnt verstehe ich wirklich nicht.

    Wie kommst Du von der Schere im Kopf auf Elite — kannst Dich noch an zig Gespräche im Jabber erinnern, was dürfen wir noch schreiben und was nicht? Genau das ist die Schere. 😉

    Zum Rest mag ich nichts sagen — weil Du wieder genau die Beispiele meinst, die *nicht* angesprochen waren…

    @Zeitungsleser: Ja genau, und das bringt auch soviel…

  2. Ich schätze Johnny ja sehr, aber die Prognose, das 2007 die ersten Blogger Blogger abmahnen, kommt ein Jahr zu spät. Mir wurde schon 2006 zumindest eine Abmahnung von einem Blogger angedroht. Seitdem weiß ich wenigstens wofür das A bei A-Listblogger steht.

  3. Chris sagt:

    Angedroht und im Briefkasten finden, sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe… Ich weiß da sehr genau, wovon ich rede. 😉

  4. Oliver sagt:

    Geht man davon aus, das nicht jeder ein Sendungsbewußtsein inne hat und später alle Details auf dem eigenen Blog breitritt, so können derer schon sehr sehr viele Fälle existieren. Behält man dazu noch im Hinterkopf das die Gerichte in D zum Gros wegen Streitigkeiten zwischen Privatpersonen belastet werden, Grund meist die widersinnigsten Dinge, so ist die Prognose im Prinzip hinfällig. Der Blogger ist kein Eliteabziehbildchen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut und in der Regel — reden wir von deutschen Weblogs — in diesem Lande wohnhaft. Warum man also da immer die Schere im Kopf hat und sich elitär wähnt verstehe ich wirklich nicht.
    Ein Kodex wirds ergo nicht bringen, weil sonst würde wir ja nicht in D leben — mitunter wird man sich der Gefahr bewußt betrachtet man die Realität da draußen und das Menschen eben Menschen sind.
    Ehrlich nur recht wenige haben diesen Tripp sich teils öffentlich auf ihrem Blog noch weiter in die Shayze hineinzureiten — die meisten sind recht vernünftig. Die anderen fressen Staub und sind ob falsch verstandenen Meinungsgebrabbels weg vom Fenster. Nicht Schade drum.

  5. ZEITungsleser sagt:

    «[…]Das muss gestoppt werden — nur wie, sprach Zeus?»

    Wie wäre es zum Beispiel mit dem Einreichen einer Onlinepetition? Oder gab es da schon eine, die mir entgangen wäre?

    bundestag.de — Petition einreichen

    Gruß ZEITungsleser

  6. ZEITungsleser sagt:

    @Chris

    Ja genau, und das bringt auch soviel?

    Wie kommst du zu der Einschätzung, dass es nichts bewirken wird (wenn ich den Zynismus jetzt einmal richtig interpretiert habe)?
    Ich kenne mich persönlich nicht wirklich im Bereich der Juristerei aus, aber wenn eine solche Petition stichhaltig formuliert wird, kann ich mir schon einen gewissen Erfolg vorstellen.

    Gruß ZEITungsleser

  7. Oliver sagt:

    Wenn ich Blogger Vs Blogger schreiben würde, würde ich auch *Blogger* meinen, nicht irgendetwas sonst. Kennt man alles, kann man auch die gutgemeinte Polemik in ganz normalen Blogs herauslesen, aber sonst? Selbst ich mußte da jetzt zweimal drüber lesen.
    Ich meine wenn ich da alles in einen Topf werfe, paßt auch meine Antwort oben irgendwie immer.

    Was man realistisch sagen kann und was nicht, dazu braucht man kein Internet — glaubs mir mal einfach. Und da beginnt auch das beschriebene elitäre Denken innerhalb der *normalen* (echten) Bloggergemeinschaft, bei uns doch nicht. Eben, wenn man Erfahrung hat, warum schon im Alltag abgemahnt wird, wunderts einem im Web auch nicht mehr.

    Was passiert aber nun, wenn ein Gegner der Werbung von einem Werber (oder dem Unternehmen welches die Werbung geschaltet hat) oder gar von einem werbenden Blogger abgemahnt werden? Ich möchte gar nicht drüber nachdenken.

    Und beziehe ich mich darauf, da paßt es genau. Es wird das gleiche passieren was zahllose Leute aus nicht-Webwelten kennen und mitunter erfahren haben.

    Überlege dir mal selbst, was du da draußen zu jemandem sagen kannst und warum solltest du das gleiche ausgerechnet im Netz sagen dürfen? Da draußen gibts die gerichtliche Bannbulle die schmerzt und im Web ebenso. Ob da nun Werbung im Spiel ist oder nicht, viele sind in ihren Befindlichkeiten recht eigen und sehen sich schon beim bloßen Kommentar angegriffen.
    Rechtsstreits dazu kenne ich auch, auch auf Blogs — sind halt nicht die Mega-SEO Blogs, halt so Wald– u. Wiesendinger mit normalen Leuten.

    Quintessenz: die Schere im Kopf beginnt falls man glaubt im Web wäre irgendetwas anders als vor der Haustüre — wenn doch mangelts einfach an Eigenerfahrung. Die einen zahlten die Zeche im Netz, andere vor der Haustüre …

    Man haspelt Phänomen herum, anstatt Roß und Reiter zu nennen und das ist eben ein debiles Volk, das nicht mehr fähig ist wirklich miteinander zu sprechen.

  8. Chris sagt:

    Eine Petition, ach Gottchen…

    In HH z. B. wird Politik gegen den erklärten, an der Urne abgegebenen Willen des Volkes gemacht.

    Viele Politiker sind Anwälte, Du glaubst doch nicht, dass sie sich selbst die Einnahmequelle streichen?

    Das wäre verdammt naiv zu glauben…

  9. Chris sagt:

    @Oliver:

    Nu unterschreibe ich das 100%-ig, was Du geschrieben hast, vielleicht hab ich es vorhin an zwei Stellen auch nur falsch verstanden. :)

  10. gnokii sagt:

    Edit by Chris: Beim Bürgermeister kann sich umfassend über den Herren von wo auch immer her informiert werden. Hier nicht, das sollte auch in dem Absatz oben klar geworden sein.

  11. Jan sagt:

    Hm, kennt jemand «Accelerando» von Charles Stross? Ich fühle mich da doch sehr an den Abmahn-Spam erinnert, der dort so lustig daher kommt. Heute noch Science Fiction, und morgen… ^^;;;

  12. […] Wenn wir aber neben dem Don eine kritische Stimme zu Adical darstellen sollen, ist alles wieder gut. […]

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