14 Fragen an lanu — Für seine Freiheit kann man nie zu weit gehen

lanuDie Gerüchteküche brodelte. Wir haben uns ernsthaft Sorgen um die hochgeschätzte lanu gemacht. Nun hat sie es gestern persönlich bestätigt: Sie zieht sich aus dem BLOGine 2007 Award zurück. Wir haben lanu zu einem Interview getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt. Herausgekommen ist dabei ein spannendes Interview, bei dem alle Beteiligten sehr viel gelacht haben. Wir wünschen viel Spaß. 😉

F!XMBR: Sie waren schon fast auf dem Rückzug, Boocompany ist aus den Blogcharts gefallen. Nun feiern Sie ein sensationelles Comeback mit Erwähnungen bei Businesskasper Robert Basic, Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer oder den mittlerweile deutschlandweit gelesenen und geächteten Blogfundamentalisten von F!XMBR. Wie fühlt man sich dabei?

lanu: Das fängt ja gut an. Schon die erste Frage versteh ich nicht. Herr Basic hat mich von der Seite angemacht und ich musste ihn erwähnen. Herr Knüwer wurde für einen frauenfeindlichen Beitrag für den BLOGockel nominiert. Damit hatte ich also auch nichts zu tun. Die grandiose Zusammenarbeit mit F!XMBR in Sachen Shoppero würde ich als Umsetzung eines Bildungsauftrags bezeichnen. Das ist eher Blogalltag. Wie soll man sich denn dabei fühlen? Geht so. Ich bin eh nicht der Meinung, dass man unbedingt mit einem Schild in der Hand an der Autobahn stehen muss. In Blogland genügt es, die schwatzhafte Nachbarin zu finden, um eine Nachricht um die Welt zu schicken.

Mit dem Makel, eventuell durch Schieberei BLOGine geworden zu sein, hätte ich nicht leben können. Aus desem Grund habe ich die Nominierung zurückgezogen.

F!XMBR: Die Wahl zur BLOGine 2007 war durch mehrere Skandale gekennzeichnet. Ist dieser Titel nach all den Unregelmäßigkeiten überhaupt noch aller Ehren wert. Oder sollte man nicht gänzlich darauf verzichten?

lanu: Ich habe die BLOGine 2007 lange nicht als Skandal-Award empfunden. Der Ausrichter hat ganze Arbeit geleistet und hervorragende PR-Arbeit organisiert. Schwierig fand ich die plötzliche Verkürzung der Abstimmungsphase und die fragwürdigen Erklärungen in dem Zusammenhang. Mit dem Makel, eventuell durch Schieberei BLOGine geworden zu sein, hätte ich nicht leben können. Aus desem Grund habe ich die Nominierung zurückgezogen.

F!XMBR: Geht es bei der BLOGine 2007 letztenendes doch nur um den Kommerz, genauer um den Gewinn des iPods? Ist der Fairplay-Gedanke mittlerweile nicht ad absurdum geführt worden?

lanu: Natürlich geht es dabei nur um Kommerz. Für den Veranstalter Bondea zum Beispiel und für einige der Teilnehmerinnen, die sich davon einen höheren Absatz ihrer Bücher versprechen. Für mich zählte allein der olympische Gedanke. Der schloss Fairplay mit ein. Ich habe keine der Teilnehmerinnen unfair attakiert. Habe unter den Angriffen anderer aber sehr gelitten.

F!XMBR: Hat jetzt auch schon der Kommerz in die Award-Szene Einzug gehalten? Muss man demnächst damit rechnen, dass eine Award-Agentur gegründet wird und eine Gruppe von Blogs vertritt und diesen dann Preise verleiht? Was denken Sie über diese Theorie?

lanu: Sowas tut doch keiner. Warum lachen Sie, wenn ich das sage? Ich habe nichts gegen Professionalität. Wenn es dem Award gut tut, kann sich von mir aus auch eine Agentur um den Ablauf kümmern. Das würde die Gründer davon abhalten, sich daran die Finger zu verbrennen.

Ich verdanke meine tägliche Inspiration wunderbaren Menschen wie Paulus Neef, Peter Kabel oder auch Stefan Baron, die mich und meine Schreibe sehr geprägt haben.

F!XMBR: Kommen wir zu Ihnen persönlich, lanu. Seit wann bloggen sie und was ist ihre Motivation, dies zu tun? Woher nehmen Sie jeden Tag die Motivation, in das Haifisch, ähm, Goldfischbecken deutsche Blogosphäre zu steigen. Sind Sie da nicht ein wenig über, args, unterfordert?

lanu: Ich schreibe seit sieben Jahren, früher nannte man das noch nicht Bloggen. Ich verdanke meine tägliche Inspiration wunderbaren Menschen wie Paulus Neef, Peter Kabel oder auch Stefan Baron, die mich und meine Schreibe sehr geprägt haben. Die Blogosphäre ist dabei nur eine Art Kinderspielplatz, der in den letzten Jahren dazu gekommen ist. Ich würde das nicht überbewerten.

F!XMBR: Sie haben Dotcomtod und nun die BooCompany geführt. Wie oft kam Post der Rechtsanwälte ins Haus? Gab es jemals Übernahmeangebote, Schweigegeldangebote, stand jemals ein Parteimitglied der CDU mit schwarzem Koffer vor Ihrer Tür?

lanu: Früher kam oft Post. Heute habe ich die Domainregistrierung anders gelöst, Jetzt werden eher Menschen belästigt, die mit den Inhalten auf BooCompany gar nichts zu tun haben, weil viele Anwälte vom Internet keine Ahnung haben. Übernahmen waren nie ein Thema, eher direkt Plattmachen. Und vor der Tür standen nur Freunde von Pixelpark. Die hatten auch keine schwarzen Koffer. Die hatten ja nie so richtig viel Kohle.

F!XMBR: Was würden Sie den Nachwuchsbloggern da draußen mit auf den Weg geben? Schreiben, schreiben, schreiben. Alphablogger in einer Tour ans Bein pinkeln. Einen Bot programmieren, der automatisch in den relevantesten Artikeln anderer Blogs kommentiert? Wie lauten lanu’s Tipps, in den Blogolymp aufzusteigen?

lanu: Wenn ich das wüsste, wäre ich doch längst auf dem Blogolymp. Ich verschenke möglicherweise viel, weil ich nur sehr wenig in anderen Blogs kommentiere. Ich glaube, sowas bringt etwas. Doch ich habe keine Lust, allzu viel mit meiner IP-Adresse rumzuwerfen. Bloggötter anpinkeln ist mal ganz spaßig, auf Dauer aber eher unbefriedigend.

Im Laufe der Zeit wird man paranoid und was sich da in Deutschland entwickelt, rechtfertigt das. Ich würde fast sagen, dass man dazu gezwungen wird, paranoid zu sein.

F!XMBR: lanu, Sie treten als Kunstfigur in Erscheinung. Kann man sagen, dass Don Alphonso da Ihr Vorbild ist? Ist es Ihnen auch schon im RealLife passiert, dass man Sie mit lanu angesprochen hat? Sind Sie evtl. paranoid — oder hat das andere Gründe? Jetzt, wo unser Innenminister immer mehr Sicherheitsgesetze erlässt, besteht doch gar kein Grund, mehr Angst zu haben.

lanu: Ich trenne mein Netzleben vom realen Leben. Das hat persönliche Gründe. Als lanu kenne ich nur sehr wenige Leute persönlich und empfinde das als sehr angenehm. Nicht nur deshalb, weil ich keinem Staatsanwalt die Unwahrheit sage, wenn ich abstreite, den Autoren persönlich zu kennen. Das war schon so, ehe ich Don Alphonso kennenlernte. Im Laufe der Zeit wird man paranoid und was sich da in Deutschland entwickelt, rechtfertigt das. Ich würde fast sagen, dass man dazu gezwungen wird, paranoid zu sein.

F!XMBR: Männer heulen bei Rambo, Frauen bei Bambi — diese Vorurteile sind auf den deutschen Blogs noch weit verbreitet. Wobei kommen der lanu die Tränen? Wenn Fischen der Kopf abgeschlagen wird oder Reckturner sich den Hals brechen?

lanu: Ähm, das ist jetzt aber sehr persönlich. Ich heule grundsätzlich bei traurigen Büchern und Filmen. Weniger bei Fischen oder Turnern. Und manchmal auch, wenn ich sehe, wie Unternehmen ins Verderben rennen.

F!XMBR: Geschätzte lanu, es gibt kaum jemanden, den ich kenne, der Ihr wundervolles und so weibliches Weblog nicht liest. Doch jetzt die spannende Preisfrage: Was liest unsere lanu? Sind es vielleicht die Blogs der Kollegen der grandiosen PR-Agentur Edelmann, deren Kollegen von SinnerSchrader oder sind es eher kleinere Blogs wie das unter Spreeblick.com? Oder darf es gar die Linkliste unter Schockwellenreiter.de sein? Outen Sie sich.

lanu: Übertreiben Sie doch nicht immer so. Mein Blog ist rein zahlentechnisch nicht der Bringer. In meinem Job habe ich viel mit Mist zu tun. Insofern geht es mir wahrscheinlich wie Herrn Niggemeier. Ich bin gezwungen, Blogs von *PIEP* und *PIEP* zu lesen. Und dann fallen im Laufe der Zeit Blogs aus der Liste, mit deren Autoren ich mich anlegen musste. Don Alophonso überfliege ich seit einiger Zeit nur, weil ich ihn oft nicht mehr verstehe. Den Knüwer les ich täglich. Und dann mag ich Blogs, die noch wirklich dreckig sind, eine Meinung haben und die auch vertreten. F!XMBR zum Beispiel. Obwohl ich den Tekkiekram da auch nicht durchweg verstehe.

F!XMBR: Kommen wir zu einem ernsten Thema, welches in ein paar Wochen die Blogosphäre schockieren wird. Was werden Sie schreiben, wenn Voldemort Harry Potter offenbaren wird: Harry, ich bin dein Vater. Und was zum Teufel wird passieren, wenn auf einem nicht näher gekennzeichneten Blog veröffentlicht wird, dass Sie und Jean-Remy von Matt in ähnlichem Verhältnis zueinander stehen?

lanu: Voldemort ist Potters Vater? Ich dachte immer, Potter hat ein Verhältnis mit Hagrid. Jean-Remy von Matt ist ein guter Freund von mir. Er weiß es nur nicht. Und weiter würde ich in dieser Hinsicht nicht gehen.

F!XMBR: lanu, es tut mir leid, aber wir müssen diese Frage stellen: Laut unseren Informationen verstehen Sie sich im RealLife mit Ehssan Dariani ganz hervorragend — Sie sollen neulich in einem Pariser Restaurant gesehen worden sein. Was sagen Sie zu diesen Enthüllungen?

lanu: Machen wir uns nichts vor, in unserem Geschäft sind Schein und Sein oft meilenweit auseinander. Dariani so ein Fall. ich glaube, ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass diese ganze studiVZ-Geschichte nur ein Tarantino–Script war, das am Ende aus dem Ruder gelaufen ist.

Für seine Freiheit kann man nie zu weit gehen.

F!XMBR: In Heiligendamm werden sich bald die Mächtigen der Welt treffen, um zu beraten wie Armut zu bekämpfen ist und wie der Klimawandel gestoppt werden kann. Was halten sie von den Chaoten die gegen diese tolle Veranstaltung protestieren? Gehen manche Leute mit ihren freiheitlichen Rechten nicht viel zu weit?

lanu: Sie wollen mich provozieren, ich merke das. Für seine Freiheit kann man nie zu weit gehen.

F!XMBR: lanu, als letzte Frage: Wer zum Teufel hat JFK erschossen?

lanu: Ich war es nicht. Ich schwörs.

Wir danken lanu für dieses Interview, es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und wünschen Ihr für die Zukunft, insbesondere für den BLOGine 2008 Award, alles Gute. :)

10 Antworten zu “14 Fragen an lanu — Für seine Freiheit kann man nie zu weit gehen”

  1. Callinator sagt:

    Irgendwie kann ich mit diesem ganzen Bloggernetzwerkgetuschel nix anfangen, es erinnert mich stark an die ganzen Klatschmedien… 😉

  2. Oliver sagt:

    >Irgendwie kann ich mit diesem ganzen Bloggernetzwerkgetuschel nix anfangen

    Siehst du ich wußte jetzt auch nicht was ich sinnvolles ergänzen könnte zu diesem *Interview*, ergo sagte ich auch nichts.

  3. Chris sagt:

    Zumal das Interview mehr bietet. Allein zwei grandiose Zitate, eines habe ich in der Headline verwendet, das andere ist das über die Paranoia und unser Land… 😉

  4. Callinator sagt:

    Jaha, der Rest des Interviews ist ja auch ganz nett zu lesen, mein Kommentar bezog sich halt nur auf den Anfang, und selbst damit wollte ich weder dich noch «lanu» kritisieren (es wurd schliesslich recht deutlich das andere Mist gebaut haben).
    Ich wollt eher darauf hinaus, dass dieser Blogeintrag sehr suspekt auf Leute wirkt, die nicht 1000 andere Blogs lesen und auch mit der ganzen «Bloggercommunity» nix am Hut haben…

  5. Chris sagt:

    Ach, wenn man den Links folgt, wird alles klar… *fg*

  6. Callinator sagt:

    *g* und man is dann ca. 30 min beschäftigt
    etwas heftig, nicht? 😉 macht halt kaum jemand

  7. Chris sagt:

    Gut, auf der anderen Seite habe ich knapp 2 Stunden an den Fragen gesessen, lanu bestimmt ebenso lange an der Beantwortung… 😉

  8. Dr.Dean sagt:

    Bei jedem guten Interview bleiben anschließend viele Fragen offen. Beispielsweise: Wer ist *Pieep*? Welches Blog ist *pieep*? Wer hat JFK erschossen?

  9. Oliver sagt:

    Und wie überall gilt: man kann zwar alles essen, muß aber noch lange nicht alles wissen.

  10. […] Lanu, tja, ich glaube ich mag einfach das Bild so gerne, das man von ihr hat, rätselhaft, kess und geschäftstüchtig , aber ich sollte ihr erst mal zuhören…. […]

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