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Berliner Hauptbahnhof1 Mrd. Euro soll der Berliner Hauptbahnhof gekostet haben. Wie es scheint, nicht wirklich gut angelegtes Geld. Kyrill hatte den Bahnhof schwer getroffen — gerade erst am 28. Mai 2006 eingeweiht, riss ein tonnenschwerer Eisenträger aus der Glasfassade einfach ab und stürzte in die Tiefe. Gott sei Dank wurde nur eine Treppe stark beschädigt und kein Mensch (schwer) verletzt. Nach Kyrill hieß es dann, dass zukünftig ab Windstärke 8 der Bahnhof gesperrt werden müsste. Ganz ehrlich: Schon damals habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt — wie viele Steuergelder wohl in dieses Millardengrab geflossen sind?

Heut war es dann das erste Mal so weit: Der Berliner Hauptbahnhof wurde erneut teilweise gesperrt und evakuiert. Und wie immer bei der Bahn, brach das reinste Chaos aus. Die Reisenden mussten bei Wind und Regen die Gebäude verlassen, Bahnangestellte konnten nicht helfen und keine Auskunft geben.

Der Tagesspiegel am Sonntag berichtet indes, dass das Sicherheitsrisiko bereits bei der Planungsphase bekannt gewesen war. Seit gestern nun wird am vor 8 Monten eröffneten Berliner Hauptbahnhof wieder gebaut — Sicherheitsmaßnahmen, die das ganze Chaos hätten vermeiden können, werden nachgeholt. Bis Ende nächster Woche sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen. 1 Mrd. Euro, und die Deutschen bekommen es trotzdem nicht hin. Von den rechtlichen Problemen rund um den Bau mal abgesehen, ist dieser Prachtbau ein ähliches Desaster wie T®ollcollect und zeigt, wo in unserem Land das wirkliche Problem zu finden ist — in diversen Managerbüros in den Großstädten, die Vorstandsetagen sind mit Inkompetenz durchsäht.

SPIEGEL — Berliner Hauptbahnhof evakuiert

STERN — Berliner Hauptbahnhof erneut evakuiert

Tagesspiegel — Sicherheitsrisiko am Hauptbahnhof war bekannt

Wikipedia — Berliner Hauptbahnhof

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2 Antworten zu “1.000.000.000”

  1. maloXP sagt:

    Hier in Berlin war das Ding im Volk eine ungewollte Schwangerschaft. Man wollte mehrheitlich diesen hässlichen Glasklotz nicht, man wollte die Umbenennung von Lehrter Stadtbahnhof in Hauptbahnhof nicht, das Ding steht mitten in der Pampa (zwar Regierungsviertel, trotzdem ist da vergleichsweise wenig los) und man wollte den bewährten Bahnhof Zoo (knapp 10 Minuten per S-Bahn; Fern-Bhf Friedrichstraße auch nur 3–4 Minuten) nicht als Fernbahnhof aufgeben. Der ganze Bau war einziger Fiasko: Kellerbereiche überschwemmt, Glasdächer zu kurz, ein Vielfaches der anberaumten Kosten, dann der Gerichtsstreit mit dem Architekten über das Flachdach, das ein Runddach sein sollte und jetzt auch noch die Stahlträger, die kaum ein laues Lüftchen aushalten.

    Mich wundert bei dem Teil gar nichts mehr. Na wenigstens hatte man bei der WM was zum Repräsentieren.

  2. spiefelwuetz sagt:

    Die ?Kathedrale des Reisens? muß bei Windstärke 8 nach Bft («Große Bäume werden bewegt, Fensterläden werden geöffnet, Zweige brechen von Bäumen, beim Gehen erhebliche Behinderung») gesperrt werden.
    Statistisch gesehen wäre das Super-Bauwerk dann 20–30 mal im Jahr ohne Funktion. So oft treten in D Windgeschwindigkeiten dieser Größenordnung auf. (Quelle: FINANZtest 12/2005)
    Wann wird Mehdorn endlich auf Hartz IV gesetzt?

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